Erstellt am 04. März 2015, 16:20

von Elisabeth Kirchmeir

Stadionsitze und Mercedes. Fortgesetzt wurde am Landesgericht Eisenstadt der Prozess gegen SC Ritzing-Obmann Harald Reißner. Es geht um Unklarheiten im Zuge des Vinea-Konkurses.

Gewitterwolken über dem Sonnenseestadion? Am Montag musste das Sanierungsverfahren über den SC Ritzing eröffnet werden.  |  NOEN, BVZ
Eine hochgradig verworrene Angelegenheit fand vorige Woche am Landesgericht Eisenstadt ihre Fortsetzung: Gegen Harald Reißner wurde wegen des Vorwurfs der betrügerischen Krida, der Untreue und Veruntreuung im Zusammenhang mit dem Konkurs seiner Firma Vinea im März 2007 weiterverhandelt.

Er hatte sich im Juni nicht schuldig bekannt und gegenüber der BVZ gesagt: „Ich finde die Anklagepunkte an den Haaren herbeigezogen.“

Drei Mercedes für die Verwandtschaft

In der Vorwoche ging es ausführlich um drei Mercedes, mit denen Verwandte Reißners unterwegs waren. „Es war eine Vermietungssituation, die dazu führte, dass am Ende des Mietvertrags die Fahrzeuge ins Eigentum der Mieter übergehen“, erklärte der Angeklagte. Die Vinea habe die Autos angekauft, aber keine Verwertung für die Fahrzeuge gehabt.

Die monatliche Miete für die drei Autos zahlte Reißner, aber nur am Papier: Das Minus auf seinem Verrechnungskonto mit der Vinea wurde immer größer, bis es auf 1,4 Millionen Euro angewachsen war. Warum vor dem Konkurs das Verrechnungskonto auf Null gestellt wurde, war ebenfalls Thema des Prozesses.

„Es war aktenkundig, dass ich den SC Ritzing mit 2,34 Millionen Euro finanziert habe“, so Reißner. Er habe die Spieler bezahlt. „Ende 2006 war ich der Vinea 1,4 Millionen Euro schuldig, auf der anderen Seite war mir der Sportverein etwas schuldig.“

Um die Sportanlage in Ritzing, an deren Errichtung die Vinea beteiligt gewesen war, im Zuge des Konkurses verwertbar zu machen, habe der SC Ritzing dessen Gebäude „gratis an die Vinea“ übergeben, die Vinea habe im Gegenzug auf die Forderung Reißner gegenüber verzichtet.

„Ohne Heizhaus wäre Anlage nichts wert“

„Eine Anlage ohne Heizhaus wäre nichts wert gewesen“, argumentierte Reißner. Der Masseverwalter habe für die Grundstücke mit den Sachwerten zwei Millionen Euro erhalten. „Hätte ich auf meine Forderung nicht verzichtet, dann hätte er gar nichts bekommen. Er hätte keine Zufahrt gehabt“, so Reißner.

Im zweiten Punkt des Strafantrags wird Reißner vorgeworfen, er habe Stadionsitze des SC Eisenstadt verkauft, um eigene Schulden zu tilgen. „Der SC Ritzing hatte sportlich ein Problem, der SC Eisenstadt hatte ein Heimatproblem“, erläuterte ein ehemaliges Vorstandsmitglied beider Vereine.

Die beiden Vereine schlossen daraufhin 2007 eine Kooperation. „Der SC Eisenstadt brachte die rot-weißen Schalensitze aus dem Lindenstadion in die Kooperation ein“, erklärte Harald Reißner.

Rätsel um Eisenstädter Stadionsitze

530 der 700 Eisenstädter Sitze wurden auf Reißners Betreiben einer Ausstattungsfirma übergeben, die eigentlich jene blauen Sitze abschrauben wollte, die im Ritzinger Stadion montiert, aber nicht bezahlt worden waren.

Der ehemalige Obmann des SC Eisenstadt wirft Reißner vor, ihm den Kaufpreis für die Sitze vorenthalten zu haben. „Ausgemacht war, dass jeder für seine Verbindlichkeiten selbst zuständig ist“, so der Ex-Obmann. Als die Sitze abgeholt wurden, habe er geglaubt, sie würden zu seinen Gunsten verkauft.

Die Angelegenheit ist kompliziert, wie auch die Richterin feststellte. Sie vertagte den Prozess neuerlich. Befragt werden soll beim nächsten Mal der Masseverwalter, der den Konkurs der Vinea abgewickelt hatte.

BVZ.at hatte berichtet: