Erstellt am 18. Juni 2014, 12:21

von Elisabeth Kirchmeir

SC-Obmann: "Verstehe es nicht". Prozess / SC Ritzing-Obmann Harald Reiszner steht wegen Vorwürfen aus dem Jahr 2007 vor Gericht. Er fühlt sich zu Unrecht beschuldigt.

Anstatt der blauen Ritzinger Sitze bekam Ausstattungsfirma rote Eisenstädter Sitze (Bild) ausgefolgt. Harald Reizner bekannte sich nicht schuldig.  |  NOEN, zVg

Wegen des Vorwurfs des Betruges und der Veruntreuung muss sich der 51-jährige Manager Harald Reiszner nun vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Obmann des SC Ritzing vor, als Geschäftsführer der Vinea Beteiligungsgesellschaft drei Mercedes aus dem Firmenbesitz unter dem Wert an seinen Vater, seinen Bruder und seinen Onkel verkauft zu haben. Wenige Wochen nach diesem Verkauf ging die Vinea am 1. März 2007 in Konkurs.

Reiszner bekannte sich nicht schuldig

Außerdem soll Reiszner im Juni 2007 536 Stadionschalensitze aus dem Eisenstädter Lindenstadion verkauft und den Erlös mit eigenen Schulden gegenverrechnet haben.

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Harald Reiszner bekannte sich nicht schuldig. „Ich finde die Anklagepunkte an den Haaren herbeigezogen“, wunderte er sich gegenüber der BVZ. „Ich verstehe es nicht. Wenn wenigstens etwas mit Substanz dabei wäre!“

Es sei durch den Verkauf der Mercedes das Vermögen der Vinea nicht verringert worden, führte Nikolaus Mitrovits als Verteidiger aus. Es seien 30 Monate lang Leasingraten bezahlt worden, danach sei ein Restbetrag von 28.500 Euro an die Vinea übermittelt worden.

Statt Raten zu zahlen, ins Minus gerutscht

Allerdings waren weder die Leasingbeträge noch der Kaufpreis tatsächlich bezahlt worden. Vielmehr sammelten sich diese Beträge auf Reiszners Verrechnungskonto bei der Vinea an, das nach seinen eigenen Angaben zum Schluss ein Minus von 1,4 Millionen Euro aufwies.

„Die Optik ist nicht schön“, hielt Richterin Birgit Falb dem Beschuldigten vor. „Wieso zahlen Sie nichts für die Autos, wenn Sie schon so hohe Schulden bei der Vinea hatten?“ „Ich weiß nicht, warum wir das damals so gemacht haben“, erklärte Reiszner. Er musste aber auch zugeben, dass das „Timing“ des Autoverkaufs „unglücklich“ gewesen sei.

Er habe der Vinea im Gegenzug Vermögenswerte „jenseits der zwei Millionen Euro“ zur Verfügung gestellt, so Reiszner. „Ich habe 18 Millionen Cash verloren“, sagte er. „Das reicht für ein ganzes Leben.“

Schlussrechnung nicht bezahlt

Als „noch skurriler“ bezeichnete er den Vorwurf bezüglich der Stadionsitze. Im Juni 2007 hatte eine Firma, die das Ritzinger Sportzentrum im Auftrag der Vinea ausgestattet hatte, ihren Eigentumsvorbehalt auf Waren geltend gemacht, weil die Schlussrechnung nicht bezahlt worden war. Der Sportausstatter wollte 536 blaue Schalensitze abholen. „Herr Reiszner hat mich gebeten, wir mögen die Sitze belassen, wo sie sind. Es seien rote Sitze lagernd und wir sollen diese Sitze nehmen“, berichtete ein Prokurist der betroffenen Firma.

Es handelte sich um Sitze aus dem Eisenstädter Lindenstadion. Reiszner sollte diese – so die Staatsanwaltschaft – verwerten, und den Erlös dem SC Eisenstadt zukommen lassen.

Der SC Eisenstadt habe die Sitze als Sacheinlage in die Kooperation mit dem SC Ritzing eingebracht, sagte Harald Reiszner gegenüber der BVZ. Der frühere SCE-Obmann Georg Blasnig wurde als Zeuge geladen; seine Aussage wurde aber auf den nächsten Prozesstermin verschoben – vertagt.


Daten und Fakten

Im März 2007 meldete die Vinea Beteiligungs GesmbH, die das Sportzentrum Ritzing gebaut hat und noch einen Golfplatz, weitere Sportanlagen und ein Hotel plante, Konkurs an. Im Juni 2008 hat dann die irische Harte Holding die Liegenschaftsverträge für das Sportzentrum unterschrieben. 2012 übernahm die GBA Slovakia mit Sitz in Bratislava die Harte-Gruppe und damit auch das Sportzentrum Ritzing.