Erstellt am 06. April 2011, 00:00

Schnitzeljagd per GPS bis „dark tourism“. ENTWICKLUNGSPERSPEKTIVEN / Rund 20 Studierende der Universität für Bodenkultur beschäftigten sich mit dem Naturpark.

LOCKENHAUS / Eine zentrale Anlaufstelle für Touristen, ein gemeinsames Marketing, eine bessere Beschilderung der Wanderwege, ein einheitlicher Internetauftritt, eine bessere Vernetzung und eine verstärkte Profilierung des Naturparks: Das sind einige Verbesserungsvorschläge, die Studierende von der Universität für Bodenkultur für den Naturpark Geschriebenstein-Irottkö präsentiert haben. In vier Gruppen erarbeiteten sie unter der Leitung von Professor Dr. Ulrike Pröbstl, Dr. Julia Kelemen-Finan und Dr. Veronika Wirth Möglichkeiten und Perspektiven für den grenzüberschreitenden Tourismus sowie für neue Angebote und Naturschutzaktivitäten zum Mitmachen im ältesten Naturpark des Burgenlandes, der heuer 15 Jahre alt wird.

Dazu haben die Studierenden auch Experten und die Bevölkerung zum Naturpark befragt sowie eine Stärken-Schwächen-Analyse durchgeführt. Ihre Erkenntnisse: Der Naturpark findet in der Bevölkerung eine große Befürwortung, sie nimmt dessen Angebote an und wünscht sich, dass diese weiter entwickelt werden. „Über die Hälfte der Befragten kann sich vorstellen, ehrenamtlich etwas im Naturpark zu tun, die Bevölkerung steht hinter dem Naturpark“, so ein Student. Eine Schwäche sehen Bürger und Studierende in der Vermarktung. „Es gibt viele Internetseiten und Telefonnummern. Das ist für einen Touristen sehr verwirrend“, so eine Studentin. Die Vermarktung sei nicht immer einheitlich, ein roter Faden fehle.

„Raus aus dem Alltag –  rein in den Wald“

Die Studierenden schlugen daher für die Positionierung des Naturparks am Markt eine Profilausbildung mit einem gut vermittelbaren Motto und konzeptstärkenden Angeboten vor. Und sie erarbeiteten dafür auch gleich einen Vorschlag unter dem Motto „Wald verbindet...“. Grundidee ist, dass der Wald die Naturparkgemeinden, Österreich und Ungarn, die Besucher mit der Region und untereinander durch ein gemeinsames Erlebnis verbindet. Mögliche neue Angebote wären ein Waldspielplatz für Jung und Alt, ein aktiver Jagdlehrpfad, eine Nachtwanderung „Fledermaus“ mit Nachtsichtgeräten, eine GPS-gestützte Schnitzeljagd und ein Flying Bat („fliegende Fledermaus“), bei dem man wie bei einem Flying Fox in auf einem Stahlseil von der Burg zum Burgsee sausen kann. „Aus diesem Pool an Angeboten gehören Packages gemacht und auf die Zielgruppen abgestimmt“, meinte eine Studentin, wie zum Beispiel „Raus aus dem Alltag - rein in den Wald“ für Familien, „Ab in den Wald“ für Abenteuerlustige oder „Waldgenießen“ für Erholungssuchende.

Um die Natur als Grundlage des Tourismus nachhaltig zu sichern, bedarf es besonderer Schutzmaßnahmen. Eine Gruppe beschäftigte sich daher mit Biodiversitätsmonitoring, einem Konzept zur Beobachtung bedrohter Tier- und Pflanzenarten und mit Pflegemaßnahmen für deren weiteren Bestand.

Dem neuen Trend des „dark-tourism“ widmete sich die Gruppe, die sich speziell mit der Burg beschäftigte. Als Alleinstellungsmerkmal strich man die Sage der „Blutgräfin“ Bathory hervor, die unzählige Mädchen gefoltert und in deren Blut gebadet haben soll. Ideen wie eine Fackeltour mit Laienschauspielern, eine Bathory-Tour mit Audioguides, ein Open Air-Kino auf der Felsenbühne mit Klassikern, die im Einklang mit der Burg stehen, oder gar Blutspenden als Marketingmaßnahme mit positivem Nebeneffekt wurden gesponnen. „Die Burg und der Naturpark haben mindestens 25 Fans gewonnen“, so Ulrike Pröbstl.