Erstellt am 28. September 2011, 09:34

Stadtgemeinde plant Schritte gegen Gewalt. NACH SCHREIBEN BESORGTER BÜRGER / Maßnahmen gegen Gewalt im öffentlichen Bereich waren Thema im Gemeinderat.

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OBERPULLENDORF /  Einen doppelten Kieferbruch erlitt ein 21-Jähriger, der Ende August vor einer Diskothek in Oberpullendorf brutal zusammengeschlagen worden war - die BVZ berichtete. Drei Burschen hatten ihn und seinen 20-jährigen Freund, als diese gerade die Disko verließen, niedergestoßen und auf den Kopf des Burschen eingetreten.

Die Familie verlangt Konsequenzen. „Ich will nicht jedes Wochenende in Todesangst zu Hause sitzen müssen, wenn meine Kinder in Oberpullendorf unterwegs sind und so geht es vielen Oberpullendorfern“, erklärte Doris Welleditsch damals im BVZ-Gespräch. Die Angehörigen starteten eine Unterschriftenaktion und versuchten die erhöhte Aufmerksamkeit von Behörden und Politik für die Problematik zu gewinnen.

Schreiben an den  Gemeinderat

Ein Schreiben der Familie Welleditsch war auch Thema bei der Gemeinderatssitzung. Darin heißt es, dass es in Oberpullendorf in regelmäßigen Abständen zu Gewaltakten kommt und es wird die Frage aufgeworfen, was Politik und Behörden dem entgegensetzen werden.

Bürgermeister Rudolf Geißler berichtete dem Gemeinderat, dass seit Einlangen des Briefes auf der Gemeinde als erste Maßnahme die Polizeikontrollen verstärkt wurden. „Das Thema ist sehr ernst,“, meinte Geißler. „Es muss auf verschiedensten Ebenen angesetzt werden.“ Als nächsten Schritt möchte der Bürgermeister eine Gesprächsrunde mit Polizei, Bezirkshauptmannschaft und vor allem Gericht machen. Anzeigen wegen Rauferei würden, so Geißler in der Gemeinderatssitzung, häufig zurückgelegt, weil die Gerichte überfordert seien. Vielleicht sei die Staatsanwaltschaft bereit eine Zeit lang, alle Dinge weiter zu verfolgen, damit für die Täter ihr Handeln auch entsprechende Konsequenzen habe. Dieser Schritt wurde vom Gemeinderat durchwegs begrüßt und auch noch andere Ideen eingeworfen. Vizebürgermeister Markus Perl meinte beispielsweise, dass man das Problem schon an der Wurzel packen und Gerangel schon gleich bei ihrer Entstehung durch die Security-Leute in den Diskotheken unterbinden sollte. Stadtrat Gerhard Kruckenfellner regte an, dass die Security-Leute gleich die Polizei rufen sollten, sollte sich eine gewalttätige Situation anbahnen. Stadträtin Berta Teklesz meinte, dass sich der Gemeinderat überlegen solle, über die Sperrstundenregelung auf die Situation einzuwirken, während einige andere dadurch nur eine zeitliche Verschiebung des Problems befürchten. Sogar aus den Reihen der Zuhörer gab es Ideen. Eine Zuhörerin schlug beispielsweise vor, ein Präventiv-Projekt zu initiieren, bei dem freiwillige Jugendliche in Sachen Mediation entsprechend ausgebildet werden. Sie sollen dann versuchen Gewalt präventiv zu begegnen und quasi als Verbindungsleute mit der Exekutive zusammenzuarbeiten und diese zu kontaktieren, wenn sich Zwischenfälle abzeichnen.

Vom Alkoholverbot bis  Privat-Security

Maßnahmen und Initiativen gegen die unerwünschten Nebenwirkungen des Nachtlebens hat es in Oberpullendorf in den vergangenen Jahren schon immer wieder gegeben. Bürgermeister Geißler verwies in dem Zusammenhang zum Beispiel auf das vom Gemeinderat angestrebte Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen oder den probeweisen Einsatz einer Privat-Security .

Dass es bei dem Thema „verschiedene Player gibt, das Gericht, die Verwaltung, die Polizei , die Gemeinde, die Gastwirte“, darin sah sich Geißler durch die Diskussion im Gemeinderat bestätigt. Er meinte, dass man das Thema in einer kleineren Runde weiter diskutieren sollte. „Es gibt keine Patentlösung“, so Geißler. „Aber vielleicht tragen verschiedene Maßnahmen aller Player ein bisschen dazu bei , dass die Situation besser wird.“

Faust immer öfter im Einsatz: Besorgte Bürger orten, dass Gewaltakte in der Stadt zunehmen.

WALDHÄUSL