Erstellt am 21. Oktober 2015, 13:36

von NÖN Redaktion

Tote Greifvögel: Prozess vertagt. Am Bezirksgericht Oberpullendorf mussten sich zwei Jäger wegen vergifteter und abgeschossener Greifvögel sowie unbefugtem Waffenbesitz verantworten.

Im Visier: Weil Greifvögel wie dieser Uhu den Niederwildbestand dezimieren, sollen zwei Jäger verbotener Weise Jagd auf diese gemacht haben.  |  NOEN, www.BilderBox.com
Im Mai 2014 wurden im Rahmen einer Hausdurchsuchung in Deutschkreutz über 20 geschützte Greifvögel wie Uhus, Falken und ein Raufußbussard tot in Kühltruhen aufgefunden. Vorige Woche mussten sich dafür zwei Jäger vor dem Bezirksgericht Oberpullendorf verantworten.

Den Jägern wird seitens der Staatsanwaltschaft angelastet, die Vögel teils erschossen, teils mit dem in der Europäischen Union verbotenem Insektizid Carbofuran vergiftet zu haben. Einem Zeugen gegenüber soll einer der Jäger damit angegeben haben, dass er Greifvögel schießt, um den Niederwildbestand im Revier hoch zu halten.

Waffen ohne gültigen Waffenschein 

Neben dem Vorwurf, Greifvögel mutwillig getötet zu haben, sollen die beiden auch Waffen ohne gültigen Waffenschein besessen haben. Auch ein „schießender Spazierstock“, eine verbotene Waffe, da als solche nicht erkennbar, wurde bei der Hausdurchsuchung sichergestellt.

Beide bekannten sich nicht schuldig. Der 73-jährige gab an, Leute hätten ihm die toten Vögel über mehrere Jahre hinweg vorbeigebracht. „Sie haben gesagt, dass die Leute aus Deutschkreutz und der Umgebung kommen. Nennen sie mir einige Namen. So lange sie mir das nicht aufklären, muss ich annehmen, dass stimmt, was in der Anklage steht“, meinte der Richter. Dies wollte der Angeklagte aber nicht tun.

„Vor 2000 Jahren wurde der Herrgott von Judas verraten. Es soll in 20 Jahren nicht heißen, dass ich auch ein Judas bin“, meinte er. Ihm sei auch nicht aufgefallen, dass die Vögel durch Kugeln bzw. Gift getötet worden sind, meinte er. Der Richter hatte ihn in dem Zusammenhang speziell auf einen Raufußbussard angesprochen, dem die Kehle herausgeschnitten war – anscheinend um zu verhindern, das das Gift nachgewiesen werden konnte. „Ich habe zum Teil gar nicht in die Sackerl reingeschaut“, so der Mann.

Sein Sohn gab an, nichts von den toten Greifvögeln gewusst zu haben. Was er dem Zeugen der Anklage erzählt habe, sei Jägerlatein gewesen. „Er glaubt alles Mögliche und wird daher gerne angelogen“, so der Jäger. Der Prozess wurde unter anderem wegen Einholung weiterer Sachverständigengutachten auf unbestimmte Zeit vertagt.