Erstellt am 16. April 2013, 12:22

Triumph sperrt zu: Sozialplan in Arbeit. 112 Betroffene / Der Produktionsstandort Oberpullendorf wird im Herbst eingestellt. Einige Arbeiterinnen kommen nach Oberwart.

„Die Triumph-Beschäftigten bezahlen für das Verfehlen der globalen Konzernziele.“ ÖGB-Landesvorsitzender Wolfgang Jerusalem

„Die Schließung des Triumph-Werkes wäre für Oberpullendorf als Wirtschaftsstandort sowie für die ganze Region ein schlimmer Schlag. Es zeigt sich wieder einmal, dass man gegen die Produktion in Billiglohnländern schlechte Karten hat. Ich appelliere an das Land, Gespräche mit der Firma Triumph aufzunehmen. Das Mittelburgenland ist eine strukturschwache Region, wo jeder Arbeitsplatz notwendig ist. Wichtig ist, dass in den Verhandlungen noch versucht wird, das bestmögliche Ergebnis im Interesse der betroffenen ArbeitnehmerInnen zu erzielen.“ ÖVP-Landtagsabgeordneter Bürgermeister Rudolf Geißler

„Das Land steht zu seiner Verantwortung, den betroffenen MitarbeiterInnen gegenüber und wird sich an einer Arbeitsstiftung – wie auch in der Vergangenheit üblich – beteiligen. Auch das Unternehmen muss seine Sorgfaltspflicht gegenüber den langjährigen MitarbeiterInnen wahrnehmen. Ziel muss ein Sozialplan kombiniert mit einer Arbeitsstiftung nach dem Vorbild von Triumph Hartberg sein. Das völlige Aus in Oberpullendorf kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Augrund der Witterungsbedingungen hat sich die Situation am Arbeitsmarkt verschärft. Darüber hinaus hat die Dienstleistungsfreiheit zu einer höheren Konkurrenz für ArneitnehmerInnen und Betriebe geführt.“ Landesrat Peter Rezar (SPÖ)

OBERPULLENDORF / Das Triumph-Werk in Oberpullendorf wird geschlossen. Mit einem schwierigen Marktumfeld, weltweit schwachen Umsatzprognosen und anhaltend rückläufigen Verkaufsaussichten wird vom Konzerns begründet, dass Triumph Österreich die Produktionskapazitäten reduziert.

Betroffen sind 350 der 1.490 Mitarbeiter an allen vier Standorten in Oberpullendorf, Oberwart, Aspang und Wiener Neustadt. Das Werk in Oberpullendorf, wo 112 Frauen arbeiten, sperrt zu. Wann genau, steht noch nicht fest. Im Moment befindet man sich noch in Kurzarbeit und zwar nach derzeitigem Stand bis Ende Juni. Für die Zeit danach wurde eine Haltefrist von drei Monaten vereinbart.

Seit Dienstag am  Verhandlungstisch

„Sofern nicht eine Verkürzung der Kurzarbeit im Zuge der Sozialplanverhandlungen vereinbart wird, würde der Standort also im Herbst geschlossen werden“, erklärt Konzernsprecher Olav Kratz. Diese Verhandlungen zwischen Vertretern des Betriebsrates, der Gewerkschaft und des Managements haben am Dienstagnachmittag begonnen. Wann ein Ergebnis vorliegen wird, ist noch nicht absehbar. Aber: „Alle Seiten wollen dies so bald als möglich abschließen.“

Kratz betont, dass die Schließung des Werks in Oberpullendorf nicht bedeutet, dass alle Mitarbeiterinnen ihren Job verlieren, denn von den 350 gekürzten Arbeitsplätzen werden alle vier Standorte betroffen sein. „Gemäß Sozialplan wird entschieden, wer weiterbeschäftigt wird“, meint Kratz. So werden teilweise Arbeiterinnen aus Oberpullendorf einen Job in Oberwart bekommen, das mit Wiener Neustadt zu einem Kompetenzzentrum für Sloggi, der zweitgrößten Unternehmensmarke, ausgebaut wird. „Das Unternehmen versuchte mit der Einführung von Kurzarbeit ab Sommer 2012 die Folgen der Überkapazität abzuschwächen. Angesichts der weltweit anhaltend schwachen Marktlage reichte dies jedoch nicht aus, um dem Rückgang der Bestellungen wirkungsvoll zu begegnen. Die geplante Umstrukturierung ist dringend nötig, um zukunftssicheres und nachhaltiges Wachstum zu gewährleisten und die Mehrzahl der Arbeitsplätze zu sichern“, heißt es aus der Triumph. „Das Unternehmen ist sich darüber im Klaren, dass jede und jeder Einzelne der betroffenen Mitarbeitenden wertvolle Arbeit und einen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens geleistet hat. Triumph wird alles dafür tun, dass diese Mitarbeiter fair behandelt werden und ihr Ausscheiden möglichst geringe sozial nachteilige Folgen nach sich zieht.“

ÖGB fordert maximale  soziale Absicherung

Für ÖGB-Landesvorsitzenden Wolfgang Jerusalem wäre ein Sozialplan kombiniert mit einer Arbeitsstiftung eine Verhandlungsbasis. „Wenn den Menschen aus nicht nachvollziehbaren Gründen schon die Arbeitsplätze sowie die Existenzgrundlagen genommen werden, dann fordern wir für sie maximale soziale Abfederung. Wir verlangen für jeden Einzelnen individuelle Lösungen“, so Jerusalem.