Erstellt am 20. Juni 2012, 00:00

„Viele stehen vor Nichts!“. SPENDENKONTO / Constanze Guczogi hat bei ihrem Freiwilligenjahr in Italien die schweren Erdbeben selbst erlebt. Sie will helfen.

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VON MICHAELA GRABNER

OBERPULLENDORF / Dort wo die Oberpullendorferin Constanze Guczogi in den vergangenen Monaten täglich herumschlenderte ist nun „rote Zone“, in der alles in TRümmern liegt. Neun Monate verbrachte Guczogi im italienischen Mirandola, rund 50 Kilometer von Bologna entfernt, wo sie nach der Matura in der Handelsakademie im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes benachteiligte Kinder und Jugendliche in Form einer Nachmittagsbetreuung betreute und auch beim Italienischkurs für Einwanderinnen mithalf.

Und so erlebte sie auch das Erdbeben mit, das in der Nacht von 19. auf 20. Mai die Region erschütterte. „Ich bin um vier Uhr früh aufgewacht. Als erstes hörte ich die Schreie von den Leuten, weil viele schon auf der Straße gewesen sind. Alles hat sich bewegt, meine Sachen sind vom Regal heruntergefallen. Ich wollte hinaus, aber die Tür war versperrt“, erinnert sich Guczogi an die bangen Momente. Als neun Tage später ein zweites Beben die Region erschüttert - dieses Mal mit Epizentrum in Mirandola - ist Guczogi bei einer Freundin in Bologna.

Dort, wo sich ihre Einzimmerwohnung befand, und die Altstadt mit Schloss und alten Häusern, ist jetzt ein mit Zäunen abgetrenntes Sperrgebiet. 17.000 Menschen hat das Erdbeben obdachlos gemacht, berichtet Guczogi, die nach ihrer Rückkehr nach Österreich weiter Kontakt mit den italienischen Freunden hält. „Die Leute schlafen in Campingbussen oder Autos. Es gibt keine Information darüber, was mit den Schulen passiert, die sind alle beschädigt. Kein Supermarkt hat mehr geöffnet, es gibt einen provisorischen Freiluft-Supermarkt. Es wird Jahre dauern, bis das Stadtzentrum wieder erschlossen wird“, erzählt Guczogi. „Viele Kinder, mit denen ich gearbeitet habe, sind betroffen. Das bewegt einen schon sehr.“ Sie nennt als Beispiel eine Familie mit vier Kindern: die Mutter, verwitwet, verdiente ihr Geld mit einem Bed and Breakfast. „Dieses liegt in Trümmern. Nun haben sie kein Zuhause und keine Arbeit mehr. Ich weiß von vielen Menschen, die nicht mehr in ihr Haus können. Viele Geschäftsleute im Stadtzentrum beispielsweise hatten unten ihr Geschäft und oben am Stock ihre Wohnung. Sie haben beides verloren. Viele stehen vor dem Nichts“, berichtet Guczogi weiter. Sie möchte Familien vor Ort unterstützen und hat daher ein Spendenkonto „Freunde der Erdbebenopfer in der Emilia Romagna“, Kontonummer: 167.908, Bankleitzahl: 33065 bei der Raiffeisenbezirksbank Oberpullendorf einrichten lassen. Außerdem ist sie dabei, für den Herbst eine Benefizveranstaltung zu organisieren. Wie schön helfen sein kann, hat Guczogi schon bei ihrem Freiwilligendienst in Italien erfahren. „Es hat mir wirklich gut gefallen und es ist ein guter Weg, eine andere Kultur kennenzulernen. Wichtig ist zu sehen, dass man etwas ändern kann.“

Liebte ihre Arbeit: Constanze Guczogi hatte Spaß daran Kindern wie Bilal bei den Hausaufgaben, etc. zu helfen. 35 Prozent der Bevölkerung in Mirandola hat Migrationshintergrund.

ZVG