Erstellt am 28. April 2011, 08:13

Wandel hin zum Kunden. RÜCKBLICK / Erwin Faymann verlässt nach 41 Jahren – 33 davon als Leiter – das Arbeitsmarktservice (AMS) Oberpullendorf.

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VON MICHAELA TANZLER

OBERPULLENDORF / Die Schiebetür öffnet sich, Erwin Faymann verlässt das AMS. Es ist eines der letzten Male, wo er dies als Leiter der Regionalgeschäftsstelle tut. Denn er hat nur mehr wenige Arbeitstage bis zur offiziellen Pensionierung am 1. Juni. Seit 1970 war Faymann beim AMS und hat zuerst als Jugendberater und ab 1978 als Regionalstellenleiter tausende Menschen betreut.

Während seiner 33-jährigen Ära als Leiter hat sich einiges geändert. „Das Arbeitsamt ist Ende der 70er zur Arbeitsmarktverwaltung und später zum AMS geworden. Das war ein enormer Wandel hin zu mehr Kundenorientierung“, erzählt er. Durch die Einführung der EDV sei die Vermittlung beschleunigt und erleichtert worden. „Die Kunden schauen in ein Gerät und sehen auf Knopfdruck alle Stellen österreichweit“, so Faymann. „Früher brauchte man ein Formular mit fünf oder sechs Durchschlägen und musste dieses an die Nachbarbezirke schicken.“ Insgesamt hätte sich die Regionalstelle von einem Saisonarbeitsamt mit einer durchschnittlichen laufenden Zahl von 100 Arbeitslosen zum AMS mit durchschnittlich 800 Arbeitslosen und geringen Schwankungen zwischen Sommer und Winter entwickelt. „Der Hauptgrund ist, dass es früher viel mehr Leute in Bauberufen gab als heute“, so Faymann.

Was dagegen zunehme, seien Kunden, die aggressiv werden und ausrasten. „Wir verkünden nicht immer Angenehmes, aber wir können die gesetzlichen Bestimmungen nicht ändern. Es sind Gott sei Dank Einzelfälle aber es passiert schon, dass sich ein Mitarbeiter bedroht fühlt.“

Humorvolle (siehe Box) und ernste Begebenheiten liegen bei der Kundenbetreuung oft nah beieinander. So erinnert sich Faymann an einen Arbeitnehmer, dem ein neuer Job vermittelt wurde. Drei Wochen später hatte er einen tödlichen Arbeitsunfall, sein Berater machte sich Vorwürfe. „Man baut schon eine enge Beziehung zu Kunden auf. Wichtig ist, dass sich Berater mit Kunden verbunden fühlen, zu Herzen nehmen darf man es sich aber nicht, sonst wird man Burn Out gefährdet.“ Kundenbetreuung war immer ein besonderes Anliegen von Erwin Faymann - auch als Leiter. „Eine Firma mit 15 Leuten kann nicht funktionieren, wenn der Chef nur Chef spielt. Ich habe mir immer Kundennähe behalten“, erklärt Faymann. Als Aufgabe eines guten Chefs sieht er es außerdem, fachlich einen Überblick über alle Bereiche zu haben, von einer Situation auf die andere umstellungsfähig zu sein und vor allem, dass er dazu motivieren kann, als Team zusammenzuarbeiten.

Österreichweit unter den  besten Geschäftsstellen

Und dies scheint geklappt zu haben, denn das AMS Oberpullendorf liegt bei einer Kundenbefragung bei 16 von 25 Fragen österreichweit unter den ersten drei Geschäftsstellen. „Es freut mich, dass wir zu meinem Abschluss einen so super Wert bekommen haben“, so Faymann.

Ans Aufhören hat er in den 41 Jahren nur einmal gedacht – während seiner Einschulung, für die er Gesetzestexte auswendig lernen musste. „Ich hab mir gesagt, wenn das nicht aufhört, gehe ich wieder.“ Die Pension kann sich Faymann aber durchaus vorstellen. „Ich habe ein Haus einen Garten und den Vorteil, dann etwas tun zu können, wenn ich will.“ So möchte er den Ruhestand dazu nutzen, mehr Bewegung zu machen und sich ein bisschen Europa auf die sanfte Tour anzuschauen. „Ich gehe positiv vom AMS und kann jederzeit als Besucher wiederkommen.“

„Mister AMS“: Erwin Faymann war vier Jahrzehnte für Arbeitssuchende und Betriebe da.