Erstellt am 12. Oktober 2011, 08:08

Weitere Währung für Region. EXPANDIERT / Der Blaufranc soll nach ungarischen nun österreichische Unternehmern und Kunden überzeugen.

KLEINMUTSCHEN / Die Soproner Lokalwährung „Kékfrank“ wird unter dem Namen „Blaufranc“ zur pannonischen Regionalwährung im europäischen Kontext: Startschuss dafür war am vergangenen Mittwoch auf dem Blaufranc-Workshop im Wine Estate Pfneisl. Im Rahmen eines EU-Regionet-Aktiv-Projektes stellte Gründungsvater Tamás Perkovátz interessierten Unternehmern aus dem Mittelburgenland die Alternative zum Euro und Forint vor.

Kleinste Banknote ist der  500 Blaufranc-Schein

 

Der Blaufranc steht für Regionalität und Nachhaltigkeit. Ziele des Blau- franc sind die Stärkung und Impulsgebung in der grenzüberschreitenden Wirtschaftsregion Sopron-Burgenland, die Beschleunigung des regionalen Geldverkehrs und die Konzentration des Geldflusses in der Region, in der momentan zwei unterschiedliche offizielle Zahlungsmittel gelten. Ein Blaufranc entspricht einem Forint. Ein Euro ist zwischen 250 bis 280 Blaufranc wert und richtet sich nach dem von der Europäischen Zentralbank am vorletzten Tag des Vormonats notierten Tageskurs. Die kleinste Banknote ist der 500-Blaufranc-Schein. „Die Nutzung des Blaufranc führt zu einem neuen Miteinander zwischen Unternehmen und Konsumenten in der Region Sopron-Burgenland. Der wohl wichtigste Vorteil ist jedoch ein Rabatt von fünf bis zehn Prozent bei den meisten Annahmestellen“, schilderte Tamás Perkovatz.

Die zentrale Wechselstelle befindet sich in Sopron, Széchenyi-Platz 12. Auf den Geldscheinen sind historische Größen wie Joseph Haydn, Franz Liszt, Paul Kitaibel, Paul Esterházy oder Christoph Lackner abgebildet. Die Gestaltung der Geldscheine erfolgte durch die Ödenburger Firma GrafikDekor, gedruckt werden sie in der Staatlichen Ungarischen Geldnotendruckerei in Budapest. Es gelten dieselben strengen Sicherheitsmaßnahmen wie bei allen anderen Banknotenscheinen.

Burgenländische Unternehmer, die an der Regionalwährung Interesse zeigen und diese auch in ihrem Betrieb als Zahlungsmittel akzeptieren möchten, zeichnen im Wert von 100 Euro pro Aktie Anteile an der Europa-Genossenschaft HA-MI. Im Falle eines Rücktausches in Ungarische Forint werden 0,25 Prozent plus Mehrwertsteuer von der Endsumme abgezogen. Dies ist der Beitrag für den Notendruck und für den Betrieb der Ausgabestellen.

Zwei Betriebe aus Bezirk  nutzen bereits Währung

 

Im Burgenland nutzen bereits einige Unternehmer den Blaufranc in ihren Betrieben, wie zum Beispiel Schinkenmeister Otmar Tschürtz aus Loipersbach, Johann Emmelschuh aus Schattendorf, die Winzerinnen Birgit und Katrin Pfneisl aus Kleinmutschen sowie Franz Weninger aus Horitschon. „Es liegt jedoch im Interesse aller Beteiligten, dass die Menge der sich in Umlauf befindenden Blaufranc-Banknoten steigt und Unternehmer auch untereinander ihre Rechnungen in Blaufranc begleichen. Die Regionalwährung ist nicht nur für grenzüberschreitende und regional denkende Unternehmer von Interesse, sondern birgt auch im Tourismus und in der Weinbranche noch viel Potenzial in sich. Von Monat zu Monat steigt die sich in Umlauf befindliche Geldmenge, im Moment sind bereits mehrere zehn Millionen Blaufranc im Geldverkehr“, erklärt Perkovátz.

Der Blaufranc ist nicht die einzige Regionalwährung, die im Mittelburgenland im Umlauf ist. Im Jahr 2007 wurde der Oberpullendorfer Kreblser eingeführt, mit dem mittlerweile in über 70 Geschäften und Dienstleistungsunternehmen im Bezirksvorort und der Region bezahlt werden kann. Allein vor dem vergangenen Weihnachtsfest wurden binnen weniger Tage Krebsler-Münzen im Wert von 20.000 Euro gekauft. Auch in der Gemeinde Deutschkreutz hat es mit dem „Kreuzer“ einmal eine eigene Währung gegeben, diese wurde jedoch vor einigen Jahren eingestellt.