Erstellt am 30. Mai 2012, 00:00

„Wir möchten einfach Ruhe!“. NACHBARN VERZWEIFELT / In Dörfl schreit ein Mann jeden Abend Parolen durch ein Megafon. Die Anrainer wandten sich an Gemeinde und Behörden.

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DÖRFL / Kurz nach 21 Uhr in Dörfl. Ein Mann steht im ersten Stock seines Hauses am Fenster mit einer Folgetonsirene und einem Megafon und schreit: „Herr x ist ein Verbrecher, Herr y ein Terrorist“. Das Ganze dauert rund 25 bis 45 Minuten. Schon seit Monaten geht dies so, schildern die völlig verzweifelten Nachbarn. „Wir haben einen sechsjährigen Enkel. Der geht um 20 Uhr schlafen, wird dadurch wach und schläft danach die halbe Nacht nicht mehr ein. Er traut sich auch nicht mehr alleine im Garten spielen“, schildert eine Frau. „Wir möchten einfach, dass das Kind Ruhe hat.“ In die gleiche Kerbe schlägt ein anderer Nachbar: „Der Mann dürfte psychisch krank sein und wird durch das Gesetz geschützt. Das ist in Ordnung. Wir wollen ihn auch schützen“, meint er. „Aber wer schützt uns? Unsere Rechte werden mit Füßen getreten. Wir sind nicht vor dem Krach geschützt.“ Die Anrainer erhoffen sich Hilfe von den Behörden und waren schon bei Gemeinde, Bezirkshauptmannschaft, Polizei und Gericht vorstellig. „Überall speisen sie uns nur ab. Es muss etwas passieren“, meint ein frustrierter Nachbar, der mittlerweile nicht nur den Gang zum Volksanwalt, sondern sogar auch den zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte erwägt.

„Von Gesetz gibt es keine Handhabe“

Den Behörden ist die Situation sehr gut bekannt. Schon in der Vergangenheit hat der Mann nämlich viele Male – zum Beispiel bei Bürgerversammlungen, Erstkommunionen oder Begräbnissen – öffentlich kundgetan, dass er sich von den Behörden in Stich gelassen und verfolgt fühlt und dies auch zum Ausdruck gebracht, indem er tagelang die Kirche besetzt hielt. Zu Weihnachten griff der Mann dann erstmals zum Megafon. „So ein Verhalten ist an und für sich strafbar, es liegt eine ungebührliche Lärmerregung vor. Nur begeht der Herr erstens eine Verwaltungsübertretung und aufgrund dieser dürfen wir das Hausrecht nicht brechen und nicht in sein Haus eindringen, zum anderen ist der Herr unzurechnungsfähig. Das heißt, dass er für sein strafbares Verhalten nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann. Wir haben einige Male auf den Sachverwalter verwiesen, dies hat bis jetzt keinen Erfolg gezeigt“, heißt es von der Polizei.

Auch Bezirkshauptmann Klaus Trummer betont, dass die Möglichkeiten im Rahmen des Gesetzes effektiv einzuschreiten, sehr begrenzt sind. „Wir prüfen laufend und versuchen im Interesse der Anrainer zu einer Lösung zu kommen, die auf der einen Seite den Anrainern und auf der anderen auch der betroffenen Person hilft“, erklärt Trummer. Seit Wochen versucht auch Bürgermeisterin Klaudia Friedl etwas zu unternehmen, um die Lärmbelästigung einzustellen. „Ich weiß, dass die Bürger verzweifelt sind. Ich bin es selbst auch schon. Ich habe von den gesetzlichen Möglichkeiten keine Handhabe“, so Friedl. Sie hatte sogar schon eine Anzeige auf Unterlassung der Lärmbelästigung erwogen. „Das kann ich als Bürgermeisterin aber nicht machen, dazu muss ich Anrainerin sein“, so Friedl, die neben den Nachbarn auch dem Betroffenen gerne helfen würde. Gemeinsam mit den Behörden hat sie die Situation schon mehrmals durchdiskutiert. „Wir arbeiten noch daran“, so Friedl. Laut der Bürgermeisterin wird es am 6. Juni eine erneute Gesprächsrunde auf der Suche nach einer Lösung geben: „Es ist ein kleiner Funke Hoffnung, den ich habe.“