Erstellt am 12. Februar 2014, 23:59

von Michaela Grabner

Zweite Klappe für Kino. Seit 1996 führt Oliver Treiber das Kino Oberpullendorf. Mit Ende Juni 2013 wurde der Filmbetrieb stillgelegt. Nun überlegt Treiber, diesen wieder aufzunehmen.

Derzeit Kulturstätte: Oliver Treiber lädt zu verschiedenen kulturellen Veranstaltungen ein. Foto: Hollaus  |  NOEN, Hollaus
von Eva-Maria Hollaus und Michaela Grabner

OBERPULLENDORF / Möglicherweise heißt es im Kino Oberpullendorf bald wieder Film ab. Kinobesitzer Oliver Treiber, der nach der Matura im Jahr 1989 in der Handelsakademie zunächst bei seinen Eltern Jutta und Hans Treiber im Kino arbeitete und dieses 1996 vollständig übernahm, hatte sich im Vorjahr entschieden, den Filmbetrieb mit Juni stillzulegen.

Gründe für die Schließung waren rückläufige Besucherzahlen – nicht zuletzt durch die Konkurrenz der großen Kinocenter – und die fortschreitende Digitalisierung, denn um digitale Filme abspielen zu können, hätte es anderer technischer Einrichtungen und daher hoher Investitionen ins Kino bedurft.

Nach einem halben Jahr „Kino-Abstinenz“ überlegt Oliver Treiber nun einen Neustart des Filmbetriebs.

„Irgendwie geht mir etwas ab“

„Ich muss sagen, es war auch ganz angenehm mal nicht mehr so viel zu arbeiten. Ich konnte Urlaub machen und mich mal um mich selber kümmern. Aber irgendwie geht mir etwas ab. Und mir haben auch etliche Leute gesagt, dass es wirklich schade ist, dass es das Kino nicht mehr gibt“, erzählt Treiber. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, das Kino wieder aufleben zu lassen – allerdings weiß ich noch nicht genau wann und in welcher Form. Dazu müsste ich in die Digitalisierung investieren, aber die Räumlichkeiten sind da und es wäre ewig schade, wenn man diese nicht nützt.“

Vielleicht könne man vorerst einmal die kleinen Säle mit digitaler Technik ausstatten. „Der Gedanke ist noch nicht ganz durchgedacht. Das Ganze will gut überlegt sein, ich will diesen Gedanken reifen lassen“, möchte sich Treiber nicht auf einen Termin für eine mögliche Wiedereröffnung des Kinos festlegen, schließt aber auch einen Neustart im heurigen Jahr („Wir haben erst Februar“) nicht völlig aus.

Vom Film von klein auf fasziniert

Denn die Leidenschaft für das Filmgeschäft begleitet Oliver Treiber schon sein Leben lang. „Seitdem meine Eltern das Kino übernommen haben, war ich fasziniert vom Film. Ich habe mir immer wieder Filme angeschaut. Natürlich war das als Kind toll“, sagt Treiber.

Das Kino Oberpullendorf wurde im Jahr 1926 von Michael Klemm, dem Urgroßvater von Oliver Treiber, gegründet. Das Gebäude befand sich auf dem Platz, wo jetzt das Kloster steht. Damals hieß es ‚Hotel Klemm‘ und besaß einen kleinen Kinosaal und einen Tanzsaal.

Im Jahr 1935 wurde das Haus an die Kirche verkauft und dann wurde auf dem heutigen Standort das Kino – allerdings zunächst bedeutend kleiner als heute – eröffnet. Von 1976 bis 1996 betrieben es Jutta und Hans Treiber, danach ging es an Oliver Treiber über. „Da das Kino damals so gefragt war, wurde es auf 3 Säle erweitert“, berichtet Treiber.

Von Kulturfilmen zu Kulturveranstaltungen

Die Filme, die im Kino Oberpullendorf gespielt wurden, waren für Jung und Alt. Natürlich wurden auch Blockbuster aufgeführt, aber mindestens einmal in der Woche gab es einen alternativen Film, der nicht in jedem Kino gezeigt wurde. „Die Leute kamen oft von weit her, um sich einen Film anzuschauen. Weil die nächste Möglichkeit einen besonderen Film anzusehen, gibt es dann eigentlich nur Wien“, so Treiber.

Obwohl der Filmbetrieb eingestellt wurde, schloss das Kino Oberpullendorf nicht zur Gänze seine Pforten, sondern blieb weiterhin Kulturstätte. Die meisten Künstler engagiert Oliver Treiber selber und vier Veranstaltungen im Jahr werden vom Kulturverein organisiert. KINO steht derzeit also für Kultur in Oberpullendorf.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Michaela Grabner aus der dieswöchigen Oberpullendorfer BVZ: