Erstellt am 17. Juli 2013, 00:00

52 Totenköpfe in Wohnung gelagert. Kurios / Um Gebeine vor dem Verfall zu retten, nahm Gert Dieter Imre sie einfach mit nach Hause. Nach Flohmarktbesuch kam die Polizei.

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OBERWART / Am Sonntag trugen Beamte der Spurensicherung des Landesverfassungsschutzes Schachteln mit menschlichen Totenköpfen aus einer Wohnung in der Schlainingerstraße. Recherchen der BVZ ergaben, dass sich die menschlichen Überreste in der Wohnung von Gert Dieter Imre, seines Zeichens Sänger und Bassist der Band „The Routes“, befunden haben.

„Als staatlich geprüfter Fremdenführer ist auch die Wallfahrtskirche Maria Weinberg auf meiner Liste von Sehenswürdigkeiten“, erzählt Imre. „Vor drei Jahren habe ich mich freiwillig bereit erklärt, den Karner (Anmerkung: Gebeinhaus) zu säubern. Vor Kurzem habe ich durch Zufall erfahren, dass der Mesner, mit dem ich dort immer gearbeitet habe, Ende dieses Jahres aufhört. Und dann wollte ich retten, was noch zu retten ist.“ Denn die Gebeine – zum Teil handelt es sich dabei laut Pfarrer Karl Schlögl um Knochen von aufgelassenen Gräbern – lagen inmitten von Müll und Unrat (siehe Bild oben). „Wenn beim Aushub von Gräbern Skelette gefunden werden, dann werden sie dorthin gebracht.“ Angesprochen auf den dort befindlichen Müll, meint Schlögl: „Bei uns sind immer wieder viele Gäste, die kann man nicht kontrollieren. Vermutlich haben sie ihren Müll einfach hineingeworfen.“

Zum Polizeieinsatz kam es deswegen, weil Imre anonym angezeigt wurde. Er hatte drei Totenschädel im Rahmen eines Flohmarktes ausgestellt, „um Werbung für mein Privatmuseum zu machen“, wie er sagt. Eine Woche später seien dann Beamte der Kriminalpolizei Eisenstadt bei ihm gewesen, um den Sachverhalt zu prüfen. Der Musiker betont, dass bei der Durchsuchung seiner Wohnung nichts Illegales gefunden wurde. Die Polizei war zu keiner Stellungnahme bereit.

Imre, der schon mehrmals im Landesmuseum angefragt hatte, um einen Termin zur Besichtigung seines Privatmuseums zu vereinbaren, ist sich sicher, richtig gehandelt zu haben: „Diese Gebeine mitten im Dreck herum liegen zu lassen, das ist Blasphemie. Jetzt kommt wenigstens alles in museale Hände.“

Landesarchäologe Hannes Herdits sieht die Sache anders: „Imre hätte das besser nicht getan, vermutlich hat er sich der Tatbestände Diebstahl, Besitzstörung und Zerstörung eines Denkmals schuldig gemacht.“ Laut Herdits sei allerdings nicht er, sondern Peter Adam als Landeskonservator zuständig. Von der BVZ mit dem Sachverhalt konfrontiert meinte Adam: „Man kann nicht einfach einen Karner ausräumen, es ist ja klar, dass dort Knochen liegen. Und diese gehören auch dorthin.“

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Segnung und Beisetzung diese Woche


Nach der Entdeckung eines makaberen Oberwarter "Privatmuseum" mit insgesamt mehr als 100 ausgestellten Totenköpfen und Knochen aus dem Karner (Gebeinhaus, Anm.) der Wallfahrtskirche Maria Weinberg (Bezirk Güssing) hat sich der Medienrummel in der Gemeinde wieder gelegt. "Aber es ist natürlich noch immer Gesprächsthema Nummer Eins", meinte ein Gemeindemitarbeiter heute, Mittwoch. Die Gebeine, die momentan von der Polizei verwahrt werden, sollen noch diese Woche gesegnet und wieder beigesetzt werden, hieß es aus der Pfarre.

"Wir haben bereits einen Termin für die Segnung und anschließende Beisetzung. Wann das genau sein wird, möchte ich aber nicht sagen, da alles im kleinen Rahmen, ganz still, stattfinden soll. Es werden nur der Herr Mesner und die Beamten, die die Überreste bringen, dabei sein", so Pfarrer Karl Schlögl.

Dem Mesner gehe es momentan nicht gut, die ganze Geschichte habe ihn "sehr hergenommen. Dass sein Vertrauen so missbraucht wurde, macht ihm schwer zu schaffen", erklärte der Pfarrer. Denn laut Polizei soll der Besitzer des "Privatmuseum", ein 47-jähriger Oberwarter, den Mesner getäuscht haben.

Der nun wegen Störung der Totenruhe angezeigte Südburgenländer soll erzählt haben, dass er in offizieller Mission unterwegs sei und Gebeine für ein Museum in Oberwart benötige. Der Mesner habe daraufhin im guten Glauben die Räumung des Karners bzw. den Abtransport der Totenköpfe und Oberschenkelknochen genehmigt. Der 47-Jährige stieg schließlich später durch ein Loch in die Grabstätte, räumte den seit dem 17. Jahrhundert bestehenden Karner bis auf wenige bereits beschädigte Stücke aus und brachte die Relikte in seine Wohnung.

Der angezeigte Südburgenländer soll die Gebeine nicht nur in seinem Wohnhaus gehortet und zur Schau gestellt haben, sondern soll diese auch auf einem Flohmarkt zum Verkauf angeboten haben. In Interviews gab der Mann jedoch an, diese nur als Werbung für sein "Privatmuseum" ausgestellt zu haben. "Ob er die wirklich nicht verkaufen wollte ändert nichts am Tatbestand", erklärte ein Ermittler am Rande einer Pressekonferenz in Eisenstadt.

Als Konsequenz aus dem Vorfall werde man nun den Karner schließen. "Wir werden dort ein Gitter und ein Schloss anbringen. Es soll eine würdige Stätte sein und auch bleiben", sagte Schlögl.