Erstellt am 16. Juli 2013, 13:59

56 Totenköpfe in Wohnung gelagert. Kurios | Um Gebeine vor dem Verfall zu retten, nahm Gert Dieter Imre sie einfach mit nach Hause. Nach Flohmarktbesuch kam die Polizei.

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Von Michael Pekovics

OBERWART | Am Sonntag trugen Beamte der Spurensicherung des Landesverfassungsschutzes Schachteln mit menschlichen Totenköpfen aus einer Wohnung in der Schlainingerstraße. Recherchen der BVZ ergaben, dass sich die menschlichen Überreste in der Wohnung von Gert Dieter Imre, seines Zeichens Sänger und Bassist der Band „The Routes“, befunden haben.

„Wollte retten, was noch zu retten ist“

„Als staatlich geprüfter Fremdenführer ist auch die Wallfahrtskirche Maria Weinberg auf meiner Liste von Sehenswürdigkeiten“, erzählt Imre. „Vor drei Jahren habe ich mich freiwillig bereit erklärt, den Karner (Anmerkung: Gebeinhaus) zu säubern. Vor Kurzem habe ich durch Zufall erfahren, dass der Mesner, mit dem ich dort immer gearbeitet habe, Ende dieses Jahres aufhört. Und dann wollte ich retten, was noch zu retten ist.“ Denn die Gebeine – zum Teil handelt es sich dabei laut Pfarrer Karl Schlögl um Knochen von aufgelassenen Gräbern – lagen inmitten von Müll und Unrat (siehe Bild oben). „Wenn beim Aushub von Gräbern Skelette gefunden werden, dann werden sie dorthin gebracht.“ Angesprochen auf den dort befindlichen Müll, meint Schlögl: „Bei uns sind immer wieder viele Gäste, die kann man nicht kontrollieren. Vermutlich haben sie ihren Müll einfach hineingeworfen.“


Zum Polizeieinsatz kam es deswegen, weil Imre anonym angezeigt wurde. Er hatte drei Totenschädel im Rahmen eines Flohmarktes ausgestellt, „um Werbung für mein Privatmuseum zu machen“, wie er sagt. Eine Woche später seien dann Beamte der Kriminalpolizei Eisenstadt bei ihm gewesen, um den Sachverhalt zu prüfen. Der Musiker betont, dass bei der Durchsuchung seiner Wohnung nichts Illegales gefunden wurde. Die Polizei war zu keiner Stellungnahme bereit.

Imre, der schon mehrmals im Landesmuseum angefragt hatte, um einen Termin zur Besichtigung seines Privatmuseums zu vereinbaren, ist sich sicher, richtig gehandelt zu haben: „Diese Gebeine mitten im Dreck herum liegen zu lassen, das ist Blasphemie. Jetzt kommt wenigstens alles in museale Hände.“

„Knochen gehören in den Karner“

Landesarchäologe Hannes Herdits sieht die Sache anders: „Imre hätte das besser nicht getan, vermutlich hat er sich der Tatbestände Diebstahl, Besitzstörung und Zerstörung eines Denkmals schuldig gemacht.“ Laut Herdits sei allerdings nicht er, sondern Peter Adam als Landeskonservator zuständig. Von der BVZ mit dem Sachverhalt konfrontiert meinte Adam: „Man kann nicht einfach einen Karner ausräumen, es ist ja klar, dass dort Knochen liegen. Und diese gehören auch dorthin.“