Erstellt am 20. November 2013, 23:59

von Vanessa Bruckner

70 Räder und Kängurus. Abenteuer / Kamera-Mann Stefan Pfleger aus Ollersdorf filmte das härteste Mountainbike-Rennen der Welt. Ein Südburgenländer berichtet „back vom Outback“.

Voller Einsatz. Stefan Pfleger (links) und sein Kollege filmten die Crocodile Trophy in Australien. Fotos: Pfleger  |  NOEN, KENNETH LORENTSEN
Von Vanessa Bruckner

„Jetzt steigst du bitte nicht vom Auto aus, denn hier ist alles voller Schlangen.“ Einer von vielen Ratschlägen eines Australiers an einen jungen Südburgenländer.

Härtestes Mountainbike-Rennen der Welt

Stefan Pfleger hat keinen Allerweltsjob und ist gerade deshalb in aller Welt unterwegs. Der 25-Jährige arbeitet als Kameramann und begleitete die Crocodile Trophy, das härteste Mountainbike-Rennen der Welt, mit der Kamera. Bereits zum 19. Mal wurde die Trophy in Australien von 70 Bikern bestritten.

„Vier Frauen waren mit dabei. Ich kann noch immer kaum glauben, was die Fahrerinnen und Fahrer in den neun Tagen, die das Rennen dauerte, geleistet haben“, erzählt Stefan Pfleger. Gestartet wurde in Cairns, von dort ging es in mehreren Etappen quer durch Australiens Dschungel.

40 Grad Hitze und zwölf Liter Wasser

Das älteste Mountainbike Etappenrennen der Welt ging über 900 km und 15.000 Höhenmeter tief in das australische Outback. Sandiges Terrain, zerfurchte Bergbau-Zubringerstraßen, Outback Highways und technische Passagen galt es für die Teilnehmer aus mehr als 15 Nationen, zu bewältigen.

Auch der junge Kameramann aus Ollersdorf musste „da durch“ – und das, egal ob am Dach eines Autos oder am Rücksitz eines Quads, stets mit einer kiloschweren Kamera auf den Schultern. „Zuckerschlecken war das keines, bei Temperaturen über 40 Grad“, verrät Pfleger. Bis zu zwölf Liter Wasser tranken die Sportler täglich. „Ich hab wahrscheinlich nicht viel weniger gebraucht“, so der Kameramann schmunzelnd.

Fernsehen aus dem tiefsten Dschungel

Täglich wurde ein riesiges Zeltlager für 150 Menschen auf- und abgebaut. „Zeit, um sich in den drei Wochen in die Haare zu bekommen, blieb da nicht.“ Geschlafen wurde in Zwei-Mann-Zelten, gelebt wurde in Australiens Outback. „Ich habe unglaubliche Landschaften gesehen, eine faszinierende Pflanzenwelt und natürlich hunderte Kängurus und andere Tiere.“

Ein langes Gespräch mit einem alten Aborigine ist Stefan besonders im Gedächtnis geblieben. „Es war schön, sich mit einem Ureinwohner vom anderen Ende der Welt über das Leben zu unterhalten.“

Beruflich ein absolutes Highlight

Lediglich einmal habe sich eine Schlange ins Lager verirrt. „Gott sei Dank nicht in meinen Schlafsack“, fügt der 25-Jährige lachend hinzu. Die Schlange kam, dank der mitreisenden Einwohner, nicht weit.

Stefan Pfleger dafür schon. Beruflich war die Crocodile Trophy, die übrigens vom ehemaligen österreichischen Profi-Radfahrer Gerhard Schönbacher veranstaltet wird, für Stefan ein, bis dato, absolutes Highlight.

„Gefilmt wurde von der Schulter, abends wurde das Material im Camp geschnitten, nach Österreich geschickt und täglich ausgestrahlt. Einen kompletten Beitrag vom tiefsten Dschungel fix fertig ans andere Ende der Welt zu liefern, das hat schon was.“

„Die meisten sind heil ans Ziel gekommen“

Das Burgenland war bei dem Rennen übrigens doppelt vertreten. Der Nordburgenländer Georg Vinczencz aus Wallern trat beim härtesten Mountainbike-Rennen der Welt in die Pedale.

„Ein Fahrer hat sich die Schulter gebrochen, ansonsten sind die meisten, bis auf kleinere Blessuren, heil ans Ziel gekommen“, berichtet Stefan Pfleger, der als Kameramann selbst auch körperlich an seine Grenzen ging.

Auf die Frage hin, wie er sich auf die harten Wochen in Australien vorbereitet hat, antwortet der Ollersdorfer schmunzelnd: „Ich hab mir davor ein paar Tage Urlaub genommen, um noch schnell alle Dinge zu erledigen, die ich vor meinem Tod unbedingt gemacht haben wollte. Zwecks der Schlangen und so.“