Erstellt am 11. Juni 2014, 09:06

von Vanessa Bruckner

74 Jahre Post: Ade!. Buchschachen verliert einzigen Postpartner. Nach sieben Jahrzehnten beendet Post den Vertrag mit Kaufhaus.

Endgültig. Maria und Wolfgang Szymanski stempeln Briefe noch von Hand. Jetzt ist Schluss. Die Senioren wollten keinen Computerkurs besuchen. Foto: Vanessa  |  NOEN, Vanessa
„Hiermit kündigt die Post AG den mit Ihnen abgeschlossenen Vertrag mit Wirkung zum 20.6.2014 auf“. Ein einziger Satz, der die Geschichte zig tausender Briefe und einer Lebensaufgabe abschließt.

Die ältesten Greißler des Burgenlands

74 Jahre lang war das Kaufhaus Szymanski in Buchschachen Postpartner. Jetzt ist Schluss. Grund dafür: Die Betreiber hätten den Postverkehr künftig technisch abwickeln müssen. Klingt vielleicht komisch, ist es aber nicht, wenn man weiß, dass es sich bei den Szymanskis um ein Ehepaar handelt, die zusammen stolze 161 Jahre alt sind.

Maria und Wolfgang Szymanski sind die ältesten, noch tätigen Greißler des Burgenlandes. 1940 wird der kleine Laden der Buchschachener offiziell Postpartner. Das rüstige Ehepaar hat demzufolge fast ihr ganzes Leben lang Briefe entgegengenommen.

„Ich werde in Zukunft einfach mehr Karten spielen“

„Wir hätten den Postbetrieb auf ein Computersystem umzustellen und dafür einen Einschulungskurs besuchen müssen, aber das tun wir uns in unserem Alter nicht mehr an“, berichtet Maria Szymanski. Deshalb hat die Post jetzt den Vertrag mit den Szymanskis per Ende Juni beendet.

Die Greißlerin dazu: „Natürlich schmerzt es, schließlich geht damit eine Ära zu Ende, aber nichts dauert ewig und so lukrativ war das Geschäft mit der Postpartnerstelle jetzt auch nicht mehr.“

Ihr Mann Wolfgang, der sich hauptsächlich um den Postablauf gekümmert und die Briefe noch von Hand abgestempelt hat, nimmt es mit Humor: „Ich werde in Zukunft einfach mehr Karten spielen, damit die Hände in Bewegung bleiben.“

Ab sofort bringt man die Post zu vamos

Buchschachens Bürgermeister Hermann Pferschy bedauert das Aus der Postpartnerstelle: „Es ist natürlich sehr schade, weil damit ein Stück Tradition im Ort verloren geht. Der Fortschritt ist in diesem Fall leider kein Segen.“

Künftig müssen die Bewohner von Buchschachen ihre Post nach Markt Allhau bringen. Dort betreibt der Verein vamos eine Postpartnerstelle.