Erstellt am 20. März 2013, 00:00

A Vogerltanz „aufizua“. Beruf / Er schaufelt Glück ins Sackerl, macht keinen „Dreck“ und kennt selbst den Familienhund beim Namen. Wobei die ihn meist nicht so mögen, den Rauchfangkehrer.

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Von Vanessa Bruckner

BEZIRK / „Halt den Knopf an deinem Hemd fest, dreh ihn sieben Mal nach links und sieben Mal nach rechts und dann, dann hast du Glück zum Einnähen in der Hand“, erklärt Jerome Thek schmunzelnd. „Wie, zum Einnähen?“, fragen wir. „Naja, dann ist der Knopf vermutlich abgerissen und du kannst deinen Glücksbringer wieder ans Hemd nähen“, so die lachende Antwort des Rauchfangkehrers.

„Wenn mich die Leute sehn, sagen sie oft `Jö, der Rauchfangkehrer kommt`. Heut hab ich sicher Glück. Ich sag ihnen dann immer, sie sollen schnell ein Sackerl holen, damit ich ihnen das Glück dort reinpacken kann, solange ich noch da bin.“

Thek: „Der Kunde ist 

Freilich sind wiederum nicht alle Leute glücklich, wenn der Rauchfangkehrer vor der Tür steht. „Die machen halt schon viel Dreck beim Kehren,“ heißt es meist. „Stimmt nicht. Wenn wir arbeiten, fällt vielleicht Ruß ab, aber Dreck? Dreck machen wir keinen“, so Jerome Thek verschmitzt.

Die Freude über seinen Besuch hängt oft auch davon ab, wie viel Geld die Leute haben. „Wenn sich die Frau Gattin eine Putzfrau leisten kann, die nach meiner Arbeit aufräumt, stört es sie natürlich weniger mich zu sehen, als wenn sie hinterher selber putzen muss“, lacht Jerome.

Der 29-Jährige lacht überhaupt viel und gerne. „Der Kunde darf nie spüren, wenn es dir mal nicht so toll geht. Sobald ich sein Haus betrete, sind wir die besten Freunde, er ist mein Non plus Ultra. Ein Rauchfangkehrer muss ein Vertrauter sein, schließlich lässt man ihn ja in sein Haus. In diesem Job bist du auch Psychologe, ein guter Freund. Vor allem die älteren Leute freuen sich über ein nettes Gespräch, oft haben sie niemanden mehr.“

100.000 Kehrungen 

Wer sich weniger freut beziehungsweise Jerome nicht so gut riechen kann, sind Hunde. Da wird`s oft brenzlig, nach dem Motto „wer hat Angst vorm schwarzen Mann - den kläffen wir gleich mal an“.

Damit es im Haus wiederum nicht brennt, gibt es Leute wie Jerome Thek. Übrigens freut sich das Burgenland aktuell über viele Rauchfangkehrer. „In den letzten Jahrzehnten gab es immer nur ein oder zwei Lehrlinge landesweit, jetzt haben wir 14“, informiert der Fachmann, der für die Firma Löffler in Pinkafeld tätig ist.

Seit fünfzehn Jahren arbeitet der Sigeter bereits als Rauchfangkehrer. Über 100.000 Kehrungen hat er in dieser Zeit absolviert. Und ja, er kraxelt selbstverständlich die Rauchfänge rauf und runter. „Das funktioniert so, als ob du einen Vogerltanz in Richtung Himmel absolvierst“, erklärt Jerome lachend. Weniger zum Lachen zumute war ihm allerdings, als er im Schornstein stecken geblieben ist. „Ich hing im Spagat fest, die Feuerwehr musste ausrücken und danach ging es ins Krankenhaus. Das war aber nicht so zwieder dort, schließlich wird man nicht jeden Tag von hübschen Krankenschwestern am ganzen Körper eingecremt“, so der Spaßvogel mit einem Augenzwinkern.

Am Ende seines Arbeitstages hilft ihm allerdings niemand, den Ruß vom Körper zu waschen. Und wenn man ihn so ansieht, fragt man sich schon, wie er das hinbekommt und die Haut am Ende auch dran bleibt. „Mit Wasser - und gaaaaanz viel Geduld“, antwortet Jerome und zwinkert. War ja klar.

Rußig, nicht dreckig. Der 29-jährige Jerome Thek arbeitet seit 15 Jahren als Rauchfangkehrer im Bezirk. „Ich bin Psychologe, Freund und Akrobat in einem“, erklärt er.

Vanessa