Erstellt am 29. Mai 2013, 00:00

Abschiebung gestoppt. Soziales Engagement / Paukenschlag im Asyldrama um Flüchtlingsfamilie aus Armenien. Die Simonyans dürfen vorerst in Österreich bleiben, Abschiebeantrag wurde ausgesetzt.

Widerstand. Gut 120 Personen demonstrierten am Montagmorgen vor der Bezirkshauptmannschaft Oberwart gegen die Abschiebung der Familie. Foto: Bruckner  |  NOEN, Vanessa Bruckner
Von Vanessa Bruckner

BEZIRK / Dieses Mal dürften wohl Tränen der Freude bei Familie Simonyan geflossen sein. Wie die BVZ exklusiv berichtete, wurde die armenische Flüchtlingsfamilie, die in Pinkafeld lebt, in einer Nacht und Nebelaktion von Exekutivbeamten abgeholt, um wenige Tage darauf abgeschoben zu werden. Der Flieger startete gestern (Anm.: Dienstag) aber ohne Karen, Nune, Sevak, Meline und Narine in Richtung Armenien.

2.300 Online-Petitionen und 120 Demonstranten

An die 120 Personen machten sich am Montagmorgen vor der Oberwarter Bezirkshauptmannschaft laut für die Simonyans stark. Freunde und Bekannte der Familie sowie verschiedene Menschenrechtsorganisation, aber auch Vertreter der lokalen Politik und Prominenz demonstrierten mit Transparenten und Spruchbändern für das Bleiberecht der Familie. Initiiert wurde die Protestkundgebung von den Jungen Grünen Burgenland.

Bislang wurden außerdem 2.300 Online-Petitionen sowie Hunderte Unterschriften gesammelt. Mit Erfolg: der Abschiebungsbescheid wurde vorerst auf Intervention des Innenministeriums ausgesetzt. Die Entscheidung der zuständigen Behörden wurde mit viel Applaus von den Demonstranten kommentiert.

Eltern wurden sofort aus Schubhaft entlassen

„Konkret bedeutet dies, dass das Verfahren für das Bleiberecht endlich gestartet wird“, berichtet Rainer Klien von SOS Mitmensch Burgenland. Elias Bierdl, ein Freund der Familie, informierte im Gespräch mit der BVZ: „Nur wenige Minuten nach Bekanntgabe des Abschiebungsstopps wurden die Eltern Karen und Nune bereits aus der Schubhaft entlassen. Jetzt ist die ganze Familie wieder am Weg zurück nach Pinkafeld und heute Abend wird erst einmal gefeiert.“

Bierdl, der sich sehr für die Familie engagiert hat, sieht den Erfolg auch als Ansporn für die Zukunft: „Uns ist bewusst, dass in dem Flugzeug, in dem die Simonyans jetzt nicht sitzen müssen, wiederum andere Menschen in eine ungewisse Zukunft abgeschoben werden. Warum muss man immer so viel Kraft und Ressourcen aufwenden, um Menschlichkeit zu erkämpfen, die eigentlich selbstverständlich sein sollte?“

Familie fürchtet in Armenien um ihr Leben

Familie Simonyan flüchtete 2008 aus ihrer Heimat. 2009 reiste die Familie in Österreich ein. Der erste Bescheid auf den Asylantrag der Simonyans war negativ. Auch die zweite Instanz ließ die Familie abblitzen. Vor zwei Monaten kamen sie nach Pinkafeld, wohnen seither bei der Franziskusgemeinschaft am Kalvarienberg. Der Grund für die Flucht: die Familie fürchtete in Armenien um ihr Leben. Vater Simonyan war 23 Jahre lang Polizist in Jerewan. Bis er den falschen Mann verhaftete.

„Karen hat einen Politiker verhaftet, lediglich die Anweisungen befolgt. Er wusste nicht, um wen es sich dabei handelte. Von da an war die Familie in Lebensgefahr“, berichtet Elias Bierdl und erklärt weiter: „Eine Tatsache, die auch vom zuständigen österreichischen Konsulat in Armenien bestätigt wurde.“

Vorerst bleiben Karen, Nune, Sevak, Narine und Meline jetzt erst einmal in Sicherheit. Der Abschiebungsstopp gibt Gelegenheit, den Fall der Familie nun intensiv zu prüfen.