Erstellt am 20. Mai 2015, 06:40

Appell aller Parteien: „Bitte, geht´s wählen“. Einigkeit herrschte nur beim Appell. Zuvor entbrannte eine interessante Diskussion.

BVZ als Partner. Mehrere der vom Landesschulrat organisierten Schuldiskussionen wurden von BVZ-Oberwart-Redaktionsleiter Michael Pekovics (mit Mikrofon) moderiert.  |  NOEN, Lexi Horvath

An allen Berufsbildenden und Höheren Schulen des Landes fanden im Vorfeld der Landtagswahl Diskussionen mit Vertretern der im Landtag vertretenen Parteien statt.

Auch in zahlreichen Schulen des Bezirks Oberwart stellten sich die Spitzenkandidaten oder deren Vertrer den Fragen der Schüler, moderiert wurden die Veranstaltungen unter anderem auch von BVZ-Oberwart-Redaktionsleiter Michael Pekovics.

„Wir haben die Marke von 100.000 Beschäftigten geknackt,
außerdem werden mehr als 1.000 Jugendliche von der
öffentlichen Hand ausgebildet.“
Helmut Bieler (SPÖ)

Nach der Einleitung mit einer Vorstellungsrunde der einzelnen Politiker und ihrer Anliegen stand als erstes Thema bei den Schuldiskussionen der Arbeitsmarkt am Programm und die Frage, welches Konzept denn die jeweilige Partei hat, damit in Zukunft junge Menschen, die das wollen, auch einen Job in der Region bekommen.

Arbeitsmarkt - woher kommen die Jobs der Zukunft?

Helmut Bieler (SPÖ) betonte, dass es gelungen sei, Marke von 100.000 Beschäftigten zu überschreiten: „Außerdem werden mehr als 1.000 Jugendliche durch die öffentliche Hand ausgebildet und wir wollen durch bessere Fördermöglichkeiten neue Betriebe anlocken.“

Für Landesrätin Michaela Resetar (ÖVP) ist ein Problem, dass „der Facharbeiter nicht den Stellenwert hat, den er haben sollte: Wir müssen das Image heben. Generell gilt: Kein Abschluss ohne Anschluss“. Aber Politik könne keine Jobs schaffen, sondern nur Rahmenbedingungen.

„Dafür wäre ja in den vergangenen Jahren viel Zeit gewesen“, kritisierte FPÖ-Spitzenkandidatin Ilse Benkö die Regierungsparteien: „Nicht nur landesnahe Betriebe müssen bei der Lehrlingsausbildung unterstützt werden, sondern auch die Privatwirtschaft“, weil es könne ja nicht sein, dass „wir zwar mehr Jobs im Land haben, gleichzeitig aber die Arbeitslosigkeit steigt“.

Wolfgang Spitzmüller von den Grünen erinnerte daran, dass es „nicht nur darum geht, Jobs zu schaffen, sondern auch sie zu erhalten“. Dafür sei gute Infrastruktur ebenso Voraussetzung wie die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen: „Ich weiß nicht, wie viele Jobs ich in meinem Leben schon gemacht habe.“

Für Herbert Klikovits (LBL) alles „Wunschglaube, SPÖ und ÖVP hatten lange genug Zeit, etwas zu machen – passiert ist, vor allem im Süden, wenig bis gar nichts“.

Öffentlicher Verkehr - Busse und sonst gar nichts?

Mehrfach wurde betont, wie wichtig eine gute Infrastruktur für die Entwicklung einer Region sei, in ihrem Statement meinte Resetar: „Da ist von der SPÖ einiges verschlafen worden, die Bahn wurde herunter gefahren“. Es sei zwar gut, dass es die Südburg und Blaguss gebe, aber jetzt „so zu tun, als ob alles gut wäre, ist grob fahrlässig“.

Diese Kritik geht für Bieler ins Leere, weil „wir mit dem geplanten Ankauf der Strecke Oberwart-Friedberg die Infrastruktur langfristig absichern“. Überhaupt sei ÖVP-Kritik eher befremdlich, weil die meisten Beschlüsse in der Regierung einstimmig gefallen seien. Das fand auch Spitzmüller, denn „sowohl SPÖ als auch ÖVP sitzen in der Regierung, aber der jeweils andere ist schuld, dass nichts passiert“.

So wie die Grünen ist auch die FPÖ für den Erhalt der Bahn: „Das Aus für die Bahn hatte parteipolitische Gründe, genau wie damals beim Roten Bus“, ärgerte sich Benkö. Klikovits von der LBL forderte Freifahrten für Schüler und Lehrlinge, zur Bahn meinte er, dass er dafür sei, aber „ein Schlafwagenexpress niemanden etwas bringt“. Auf den Zwischenruf eines Schülers, wie denn das alles zu finanzieren sei, wenn die ÖBB schon jetzt Verluste schreibt, meinte Klikovits, dass für „jeden anderen Blödsinn“ auch Geld da sei.

Discobus versus Jugendtaxi

Überraschend einsichtig zeigten sich dann SPÖ und ÖVP, was die beiden Projekte „roter“ Discobus und „schwarzes“ Jugendtaxi betrifft.

„Discobus und Jugendtaxi sind wichtig. Nur bitte nicht
betrunken mit dem Auto fahren.“
Landesrätin Michaela Resetar (ÖVP) appellierte an die
Vernunft der Jugendlichen

„Beide Systeme haben ihre Berechtigung, ich sehe hier kein politisches Hick-Hack: Sowohl Discobus als auch Jugendtaxi funktionieren und sollen von den Jugendlichen auch genutzt werden“, sagte Bieler Für Resetar ist „der Discobus genauso wichtig wie das Jugendtaxi: Nur bitte fahrt nicht betrunken mit dem Auto!“.

Auch Klikovits betonte, dass jeder Cent für mehr Verkehrssicherheit gut investiert sei, für Jauschowetz wäre „das Jugendtaxi für das Südburgenland die bessere Variante, im Norden ist der Discobus besser“. Den meisten Applaus erntete aber Spitzmüller mit seiner Aussage, dass es „lächerlich“ sei, wenn Jugendliche nicht im Discobus mitfahren dürfen, nur weil ihre Gemeinde nichts dazu zahlt: „Das schadet euch Jugendlichen und im Endeffekt auch uns, weil es wahnwitzig ist.“

„Heißer“ Nichtraucherschutz

Emotional wurde es dann bei der aus dem Publikum gestellten Frage, warum denn nun das Rauchen in der Gastronomie verboten wird. Bieler und Spitzmüller befürworteten das Rauchverbot aus Gründen des Nichtraucherschutzes, für Resetar wäre ein Rauchverbot in Speiselokalen ausreichend.

Jauschowetz hingegen plädierte für eine Wahlfreiheit der Gastwirte: „Schließlich liegt es ja auch in der Eigenverantwortung, ob man in ein Raucher- oder Nichtraucherlokal geht.“ Und Klikovits sah die Angelegenheit pragmatisch: „Es wird so oder so kommen, egal ob das Rauchverbot gut ist oder nicht.“

In ihren Schlussstatements machten die Politiker noch einmal Werbung für ihre Partei und ihre Person. In einer Sache waren sich die Spitzenkandidaten Helmut Bieler (SPÖ), Michaela Resetar (ÖVP), Ilse Benkö (FPÖ) und Wolfgang Spitzmüller (Grüne) sowie die Vertreter Peter Jauschowetz (FPÖ) und Herbert Klikovits (LBL) aber trotz aller Unterschiede einig: „Liebe Jugend, geht am 31. Mai zur Wahl und nützt die Chance auf euer demokratisches Recht zur Stimmabgabe.“