Erstellt am 05. Dezember 2012, 00:00

 Asyl-Wirbel in den. Land erfüllt Quote / Bürgermeister über mangelhafte Information

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Von Carina Ganster, Daniel Fenz und Michael Pekovics

REGION / 319 Flüchtlinge werden derzeit in den beiden Bezirken Oberwart und Güssing betreut. Bei der Zuteilung der Personen soll es nun aber einige Änderungen geben, die für Proteste und Kritik sorgen. Problematisch ist dabei weniger, dass Flüchtlinge in Gemeinden untergebracht werden sollen. Sondern eher die, laut einigen Bürgermeistern, „mangelhafte Informationspolitik“.

So ärgert sich zum Beispiel der Stinatzer Bürgermeister Andreas Grandits darüber, dass die derzeit in Stinatz untergebrachten Familien verlegt und stattdessen Einzelpersonen kommen sollen. Tatsächlich bestätigt das Büro von Landesrat Peter Rezar, dass die Philosophie der Betreuung künftig eine andere ist als bisher. „Grundsätzlich ist geplant, dass Familien, die schon länger im Land und gut integriert sind, in Selbstversorgerquartiere untergebracht werden sollen“, sagt Pressesprecherin Gerlinde Stern-Pauer. „Das war früher schon einmal so.
Nun werden wieder verstärkt Wohnungen oder Häuser gesucht, die wir anmieten werden, um Familien dort unterzubringen.“

Durch den größeren Freiraum für die Flüchtlinge soll die Integration erleichtert werden. „Wir wollen Quartiere haben, die der Kleinstrukturiertheit der Region entsprechen und keine Zentren wie in Traiskirchen.“ Doch Grandits pocht auf eine mündliche Vereinbarung von Altbürgermeister Alfred Grandits, in der ausgemacht wurde, dass in Stinatz vor allem Familien untergebracht werden sollen. „Vor allem die Kindergarten- und Volksschulkinder tun mir leid, weil sie sich an eine neue Umgebung gewöhnen müssen“, sagt Grandits, der sich bereit mit einem Brief an die Landesregierung gewandt hat und befürchtet, dass „es seitens der Bevölkerung zu massiven Protesten kommen wird, weil diese Vorgangsweise weder für die Gemeinde noch für die Familien Vorteile hat.“ Bislang gebe es darauf aber noch keine Reaktion.

Stinatzer Familien kommen nach Allhau

Recherchen der BVZ ergaben, dass einige der derzeit noch in Stinatz wohnhaften Familien in die Jugendherberge nach Buchschachen verlegt werden sollen. Bürgermeister Hermann Pferschy (ÖVP) bestätigt: „Es gab ein Gespräch mit dem Diakonie-Flüchtlingsdienst, in den nächsten Tagen kommen vier Familien, insgesamt 16 Personen. Beim Großteil handelt es sich um afghanische Flüchtlinge hinduistischen Glaubens, die vor den Repressalien der Islamisten flüchten mussten.“ Pferschy kritisiert, dass er sehr spät darüber informiert wurde: „Ich habe erst am Samstag davon erfahren. Wäre das früher passiert, hätten wir Vorurteile ausräumen und die Bevölkerung informieren können.“

Ins selbe Horn stößt auch Bernd Arthofer von der Bürgerliste: „Wir sind froh, wenn Menschen in der Not geholfen wird, aber die Bevölkerung gehört umfassend informiert.“ Angesprochen auf die kursierenden Gerüchte in der Bevölkerung verweist Pferschy auf seine „christlich-soziale Gesinnung“: „Wir als Wohlfahrtsstaat, als Gemeinde, werden in der Lage sein müssen, vier Familien aufzunehmen. Das gebietet die Nächstenliebe. Ein ähnliches Beispiel hat es bereits vor 2.000 Jahren gegeben. Wer sich dieser Verantwortung nicht bewusst ist, der darf sich zu Weihnachten gar nicht erst unter den Christbaum stellen.“ Pferschy betont auch, dass er froh ist, dass „einige Flüchtlinge in gemeinnützige Arbeiten für die Gemeinde mit eingebunden werden können“. Kommenden Mittwoch, 12. Dezember (19.30 Uhr) gibt es im Gasthaus Claudia eine Informationsveranstaltung für die Bürger.

35 minderjährige Flüchtlinge für Rechnitz

Auch in Rechnitz, wo derzeit schon 40 Flüchtlinge untergebracht sind, gibt es eine Neuerung. So ist laut Diakonie-Flüchtlingshilfe geplant, im „Haus der Evangelischen Jugend“ ein Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einzurichten. Insgesamt sollen circa 35 Jugendliche untergebracht werden. Konkrete Informationen dazu gibt es derzeit noch nicht, ein erstes Gespräch zwischen Gemeinde und Flüchtlingsdienst fand gestern, Dienstag (nach Redaktionsschluss), statt. Bürgermeister Engelbert Kenyeri (SPÖ) kritisiert aber, dass „der Informationsfluss nicht so gelaufen ist, wie er hätte sein sollen“. Tatsächlich gibt es bereits eine Stellenausschreibung der Diakonie, in der Jugendbetreuer gesucht werden. Geschäftsführer Christoph Riedl bestätigt: „Rund 20 Jobs werden entstehen, niemand braucht Angst zu haben, der Gemeindesaal bleibt verwendbar.“ Chorleiter Reinhard Koch macht sich aber Sorgen um die evangelische Kirchengemeinde: „Mein Chor besteht aus älteren Damen, der Seniorenkreis soll geschlossen werden. Das Gemeindeleben wird so zerstört.“