Erstellt am 14. März 2012, 00:00

Auch Rezar bleibt dabei.

Mehrheit von rund 81 Prozent wurde Umbau des Hotels in Pflegeheim verhindert.

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VON MICHAEL PEKOVICS

GROSSPETERSDORF / Überraschend deutlich fiel die Abstimmung über den Umbau des Hotels GIP in ein Pflegeheim aus: 81 Prozent der Bevölkerung erteilten den (SPÖ)-Plänen eine Absage. „Damit habe ich wirklich nicht gerechnet“, sagt Bürgermeister Wolfgang Tauss (SPÖ).

Als die ersten Ergebnisse der Ortsteile im Rathaus eintrafen – den Anfang machte Kleinzicken –, war noch alles in Ordnung. Zwar zeigte auch hier der Trend in Richtung „Nein“, dennoch warteten die politischen Verantwortlichen gespannt auf die Ergebnisse aus den Sprengeln der Stammgemeinde. Als dann das erste Ergebnis aus dem Sprengel „Musikschule“ eintraf, war schnell klar: Der Umbau des Hotels in ein Pflegeheim wird nicht umgesetzt. Der Tenor der Bürger am Abstimmungstag war eindeutig: „Wir lassen uns nicht erpressen.“ Denn Landesrat Peter Rezar war in der Vorwoche an die Öffentlichkeit gegangen und hatte gemeint: „Die Frage lautet: Wollen die Bürger ein Hotel oder ein Heim – beides wird es nicht geben.“

Auch am Tag nach der Abstimmung bleibt Rezar bei seinem „Nein“. Die Begründung dafür: Das Land habe der Gemeinde wirtschaftlich helfen wollen, weil das „GIP“ als Hotel schlecht ausgelastet sei und hohe Kosten verursache. Rezar: „Wir werden bis Ende 2013 keine weiteren Tagsatzvereinbarungen abschließen. Dann wird die Lage überprüft.“

Rezars Standpunkt löst  heftige Kontroversen aus

Rezar spricht davon, dass sich „die Gemeinde durch ein hoch defizitäres Hotel in einer prekären finanziellen Lage befindet: Deswegen waren die Tagsatzvereinbarungen an den Standort gebunden“. Zusatz: Der Bezirk Oberwart verfüge aber ohnehin schon über eine ausreichende Anzahl von Pflegebetten und habe im Vergleich mit den anderen Bezirken die höchste Dichte. Dennoch verliert der Bezirk mit dieser klaren Ansage 29 Heimplätze. Denn nach der Schließung des Heims am Hirschenstein fallen 100 Betten weg, 71 davon „wandern“ nach Rechnitz, wo derzeit ein neues Pflegeheim gebaut wird. Die anderen Parteien haben für die Argumentation von Rezar kein Verständnis (siehe Reaktionen rechts unten).

Allen voran fordert nun die ÖVP „die Suche nach einem neuen Standort“: „Bürgermeister Tauss muss aufwachen und sich für die von der Bevölkerung gewünschte Lösung einsetzen. Auch deswegen, weil auch andere Gemeinden im Bezirk um ein Pflegeheim buhlen.“ (Anmerkung: Oberschützen steht als nächster Ort auf einer Bedarfsliste des Landes, siehe „Reaktionen“ unten.)

„Ein Pyrrhussieg mit der  Gemeinde als Verlierer“

In einer Aussendung meldete sich die SPÖ Großpetersdorf zu Wort und meinte: „Das Ergebnis ist in Wahrheit ein Pyrrhussieg mit der Großgemeinde Großpetersdorf als Verlierer. Die Bevölkerung hat sich für ein jährliches Defizit von 180.000 Euro entschieden.“ Der in der Kritik stehende Ortschef Wolfgang Tauss (SPÖ) reagiert dennoch gelassen: „Schlussendlich vergibt das Land die Tagsatzvereinbarungen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Rezar umfällt.“ Er selbst habe „das Problem nur geerbt und versucht, das Beste daraus zu machen“. Jetzt gelte es, das „Hotel auf Vordermann zu bringen“. In den kommenden Tagen will sich Tauss mit allen Verantwortlichen treffen, um auszuloten, welche Möglichkeiten es nun gebe: „Eventuell kommt es ja nach der Evaluierung 2013 zu einer optimalen Lösung.“

Gegen 11 Uhr hatte Bürgermeister Wolfgang Tauss (l.) noch gut Lachen. Als die ersten Ergebnisse der Großgemeinde eintrafen, war es um seine gute Laune geschehen – dennoch macht er gute Miene zum bösen Spiel: „Das Ergebnis ist zu respektieren.“PEKOVICS