Erstellt am 20. Mai 2015, 06:25

von Michael Pekovics

Aufregung am Muttertag: Strafen für Kirchgänger. Besucher des Gottesdienstes wurden bei der Rückkehr zu ihren Autos von Strafmandaten überrascht. Der Ärger über die Polizei ist groß.

Strafmandate während des Gottesdienstes. Gleich mit zwei Fahrzeugen rückte die Polizei an, um falsch parkende Autos zu notieren.  |  NOEN, www.BilderBox.com
Am Muttertag gab es in Stadtschlaining einige Mütter und deren Familien, die sich mächtig über die Polizei ärgerten. Die hatte nämlich während des Gottesdienstes eifrig Strafzettel an die falsch parkenden Pkw der Messebesucher verteilt.

„An die Floskel ‚Dein Freund und Helfer‘ hat da niemand gedacht“, erzählt eine der Betroffenen im BVZ-Interview (Name der Redaktion bekannt).

„Beamten hätten schon ein Auge zudrücken können“

Die Parksituation rund um die katholische Pfarrkirche in Stadtschlaining ist normalerweise schon angespannt, durch die ausnahmsweise relativ frühe Beginnzeit des Gottesdienstes um 8.30 Uhr – wegen einer ebenfalls an diesem Tag stattfindenden Firmung – parkten noch mehr Autos als sonst je zur Hälfte auf Gehsteig und Fahrbahn.

x  |  NOEN, Erwin Wodicka/BilderBox.com


„Diese Strecke wird aber gerade am Sonntagvormittag kaum befahren, da hätten die Beamten schon ein Auge zudrücken können, anstatt zu strafen – auch wenn die Autos falsch gestanden sind“, lautet der Vorwurf.

Stattdessen rückten gleich zwei Fahrzeuge, eine Zivilstreife und ein normales Einsatzfahrzeug, aus, um Strafen zu verteilen.

Anzahl der Strafmandate steigt kontinuierlich an

Seitens der Polizei ist man sich keiner Schuld bewusst und verweist auf die Straßenverkehrsordnung. Für die Messebesucher ist das kein Argument, sie unterstellen den Beamten „mangelndes Gefühl und eine gedankenlose Einstellung“ und fordern „mehr Fingerspitzengefühl, um das Vertrauen in die Institution der Polizei zu fördern“.

Eine Anfrage bei der Bezirkshauptmannschaft hat ergeben, dass generell die Anzahl der Strafmandate stark ansteigt. 2012 wurden in der Behörde rund 30.000 Akte bearbeitet, ein Jahr darauf waren es schon 36.000 Akte.

Während im Vorjahr 45.000 Straftakte bearbeitet wurden, rechnen die Beamten für heuer mit einem Anstieg auf bis zu 50.000 Strafmandate. Das ist ein Anstieg von rund 50 Prozent in nur zwei Jahren. Allein im ersten Quartal 2015 wurden 12.000 Autofahrer abgemahnt.