Erstellt am 30. November 2011, 00:00

Aus für Güterverkehr –  auch ab Oberwart?. BAHN / Adolf Schuch stellt Güterverkehr zwischen Rechnitz und Oberwart ein. Das könnte Folgen für Oberwart-Friedberg haben.

Dietrich Wertz, Johanna Glaser und Christian Schuller (v.l.) forderten beim Bahngipfel mehr Engagement vom Land für die Bahn.LEXI  |  NOEN
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VON MICHAEL PEKOVICS

REGION / Schön langsam wird es eng für den Güterverkehr im Bezirk Oberwart. Nach der angekündigten Einstellung auf der von der südburgenländischen Regionalbahn (SRB) betriebenen Strecke Rechnitz-Oberwart dürfte auch ein großes Fragezeichen über der Verbindung Oberwart und Friedberg stehen.

„Ich bin aus Gründen der Betriebssicherheit gezwungen, den Güterverkehr zwischen Rechnitz und Oberwart einzustellen“, sagt SRB-Geschäftsführer Adolf Schuch. Das Problem ist, dass mit der Sanierung der Gleise zwischen Burg und Großpetersdorf frühestens im März 2012 begonnen werden kann. Bis dahin wurden die Förderungen eingefroren. Derzeit erstellt das Infrastrukturministerium eine Wirtschaftlichkeitsstudie, erst nach deren Abschluss steht fest, ob Geld in die Sanierung investiert wird. „Kein privates Bahnunternehmen kann so etwas ohne Förderungen machen“, bedauert Schuch. Die zwei größten Kunden der SRB sind das Betonwerk Kölbl in Rechnitz und die Schachendorfer Rübenbauern, pro Jahr werden rund 10.000 Tonnen befördert.

„Tragödie“ für Bauern, Jobs  in Rechnitz sind in Gefahr

 

„Die Einstellung des Güterverkehrs wäre natürlich eine Tragödie für uns“, sagt Schachendorfs Bürgermeister Adalbert Resetar (ÖVP). „Das ist der nächste Mosaikstein, der einer ohnehin schwachen Region genommen wird.“ Für Johann Potzinger, Geschäftsführer des Betonwerks Kölbl, ist die Lage „sehr dramatisch“: „Wir sind von der Bahn abhängig. Künftig müssen wir die Betonteile in Oberwart verladen. Das erhöht die Kosten um fast das Dreifache. Ob wir das in der Kalkulation unterbringen können, wage ich zu bezweifeln.“ In Rechnitz werden Betonteile gefertigt, die ausgerechnet für Bahnprojekte verwendet werden. Die nächste größere Auslieferung ist im März 2012. „Das wären dann 240 Lkw, die nach Oberwart fahren müssten“, zählt Potzinger auf. Bürgermeister Engelberg Kenyeri beruhigt: „Die Lager sind leer, die Saison beginnt im März. Bis dorthin muss aber eine Lösung auf den Tisch.“ Insgesamt sind in Rechnitz 30 Mitarbeiter beschäftigt, erst vor wenigen Jahren wurde ein eigenen Bahnanschluss gebaut..

Wirtschaftsparlament mit  Forderung an Regierung

 

Unterstützung gibt es vom Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer. Ein Antrag auf Erhalt der Bahnstrecke Oberwart-Friedberg wurde einstimmig verabschiedet. „Zahlreiche namhafte Unternehmen wären von der Einstellung der Bahnlinie Oberwart-Friedberg betroffen, was einen erheblichen Nachteil für die gesamte Region bedeuten würde“, sagt ÖVP-Wirtschaftssprecherin Andrea Gottweis. Tatsächlich dürfte sich das über dem Güterverkehr ab Oberwart hängende Damoklesschwert weiter senken: In einer Besprechung zwischen der ÖBB-Tochter Railcargo und Vertretern der Wirtschaft der Region vor einigen Monaten wurde die Mindesttonnagemenge besprochen, die nötig ist, um den Güterverkehr aufrecht zu erhalten. „125.000 Tonnen müssten transportiert werden“, weiß Schuch. „Aber wenn wir alles hochrechnen, dann kommen wir nur auf 80.000 Tonnen.“ Schuch ist der Meinung, dass die ÖBB den Güterverkehr schon im kommenden Jahr einstellen werden.

Ähnliches befürchtet auch Dietrich Wertz, Sprecher der Initiative „Pro Bahn Südburgenland“: „Es ist wie beim Mikadospielen: Ein Stäbchen nach dem anderen wird heraus gezogen, bis alles zusammenbricht.“ Die Initiative lud in der Vorwoche zu einem Bahngipfel. Dabei wurde die Bildung einer sechsköpfigen Arbeitsgruppe beschlossen, die ein konkretes Konzept erarbeiten soll. „Der Scherbenhaufen gehört zusammengekehrt, reiner Tisch muss gemacht und dann muss ein neuer Weg beschritten werden“, fordert Wertz.