Erstellt am 03. Oktober 2012, 00:00

Baby geht es besser: Folgeschäden fraglich. Auf dem Weg der Besserung / Säugling liegt nicht mehr auf der Intensivstation. Krankenhaus Oberwart weist Kritik zurück. Eltern bleiben vorerst weiter in Untersuchungshaft.

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Von Michael Pekovics

LIMBACH / Als die BVZ in der letztwöchigen Ausgabe als erstes Medium über das schwer misshandelte Baby aus Limbach berichtete, brach ein Sturm der Entrüstung über Österreich los. Heute, eine Woche später, liegt der Säugling nicht mehr auf der Intensivstation. „Dem Baby geht es den Umständen entsprechend gut“, sagen die Ärzte in der Grazer Universitätsklinik für Kinderchirurgie. „Wir achten darauf, dass der Zustand stabil bleibt. Wie lange sie im Krankenhaus bleiben muss, können wir noch nicht abschätzen.“ Ebenso unklar ist, ob aufgrund der Verletzungen Folgeschäden zu erwarten sind. Wie berichtet war der zehn Wochen alte Säugling nach der Untersuchung einer Zyste am Ohr im Krankenhaus Oberwart nach Graz transferiert worden, wo dann bei einem Röntgen zahlreiche Knochenbrüche festgestellt wurden. Im Krankenhaus Oberwart weist man Kritik, das Baby sei nicht gründlich genug untersucht worden, zurück: „Bis auf die Zyste am Ohr gab es keine äußeren Verletzungsspuren“, beteuert Robert Bruckner, Leiter der Kinderabteilung. „Mehrere Personen haben das Baby bei der Untersuchung nackt gesehen, wir haben keine Blutergüsse erkennen können.“ Auch beim Ausziehen und Untersuchen soll es keine „abnormen Reaktionen“ gegeben haben. Erst beim Röntgen in Graz wurden mehrere Knochenbrüche im Rippenbereich festgestellt. Aber auch das Schulterblatt sowie Unterarme und Unterschenkel waren gebrochen. Das Schädeldach wies einen klaffenden, zwei Millimeter großen Bruch auf.

Gutachten: „Ambulante 

Nach Bekanntwerden des grausamen Falls stellt sich natürlich die Frage nach der Verantwortung. Laut Auskunft von Elvira Waniek-Kain, Leiterin der Sozialabteilung des Landes, seien die Eltern nach dem Umzug von der Steiermark ins Burgenland „unter ständiger Beobachtung“ gestanden: „Es gab bereits nach der Geburt des ersten Kindes (der Bub ist heute 15 Monate alt, Anmerkung) den Verdacht der Vernachlässigung. Ein Gutachten hat dann ergeben, dass eine ambulante Betreuung der Familie ausreichend ist.“

Und das, obwohl Ortsvorsteher Willi Fandl die Behörden wiederholt darauf hingewiesen hatte, dass etwas nicht stimmt: „Bürger haben mich darauf angesprochen, dass man die Mutter und ihren Sohn nie zu Gesicht bekommt. Daraufhin habe ich die Behörden informiert. Mir wurde gesagt, dass die Familie ohnehin schon betreut wird.“ Tatsächlich wurde die Mutter laut Waniek-Kain „mehrmals pro Woche“ von Betreuerinnen und Mitarbeitern der Jugendwohlfahrt besucht: „Ich verstehe, dass es schwer zu glauben ist, dass die Verletzungen nicht erkannt wurden. Aber es hat keine Hinweise auf Misshandlungen gegeben. Egal, wie eng man das Netz knüpft, es wird nie möglich sein, so etwas zu verhindern.“

Eltern sind weiter in 

Die Mutter des Babys befindet sich weiter in der Justizanstalt Wiener Neustadt in Untersuchungshaft, der Vater sitzt in Eisenstadt. Für Donnerstag wurde eine Haftprüfungsverhandlung angesetzt, sagt Magdalena Wehofer von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt. Ende vergangener Woche seien die Gutachter bestellt worden. In Auftrag gegeben wurden ein psychologisches und psychiatrisches Gutachten zum Status der Eltern sowie eine gerichtsmedizinisch-forensische Expertise zu den Verletzungen des Babys.

Ort des Grauens. In diesem Haus in Limbach lebte die Mutter gemeinsam mit dem zwei Monate alten Säugling und ihrem 15 Monate alten Sohn. Der Vater kam nur stundenweise. Beide sitzen in Untersuchungshaft.Fenz