Erstellt am 06. Juni 2012, 00:00

Bahn: Kölbl schließt Betrieb. VERKEHR / Betonwerk Kölbl zieht Produktion aus Rechnitz ab und schließt Werk. Verwirrung um Antrag auf Einstellung des Güterverkehrs: „Stimmt nicht“, sagen die ÖBB.

VON MICHAEL PEKOVICS

REGION / Der Konflikt um die Bahn hat ein erstes wirtschaftliches Opfer: Das Betonwerk Kölbl in Rechnitz verlegt die Produktion nach Wiener Neustadt. Viel stärker betroffen als das Unternehmen sind aber die knapp 25 Mitarbeiter, die entweder ihren Job verlieren oder künftig nach Wiener Neustadt pendeln müssen.

Die Gründe für die Schließung des Standorts per Ende Juni sind wirtschaftliche. „Die Situation rund um die Bahnstrecke ist der Hauptgrund für diese Entscheidung“, sagt Werksleiter Johann Potzinger. Weil die Südburgenländische Regionalbahn (SRB) im Vorjahr den Betrieb auf der Strecke Rechnitz-Oberwart eingestellt hat, mussten die tonnenschweren Betonplatten mit dem Lkw nach Oberwart gebracht und dort auf den Zug verladen werden – in den letzten beiden Monaten waren das immerhin 6.000 Tonnen (rund 150 Lkws). „Das hat enorme Mehrkosten verursacht“, bestätigt Potzinger. Das Unternehmen beschäftigt am Standort in Rechnitz knapp 25 Mitarbeiter, die meisten davon werden künftig nach Wiener Neustadt pendeln müssen.

Das ist natürlich auch für die Gemeinde ein schwerer Schlag, schließlich gehen dadurch bereits budgetierte Kommunalsteuereinnahmen verloren. „Das trifft uns hart. Neben dem Problem mit der Bahn gibt es aber auch noch einen anderen Aspekt“, sagt Bürgermeister Engelbert Kenyeri (SPÖ). „Ursprünglich war das Werk ja auch dazu gedacht, von hier aus den ungarischen Markt, zum Beispiel Steinamanger, zu beliefern. Die Tatsache ist allerdings, dass die wirtschaftliche Lage in Ungarn extrem schlecht ist. Und ohne Ungarn ist das Einzugsgebiet für den Standort Rechnitz zu klein. Es lohnt sich eben nicht, die Betonplatten über weite Strecken zu transportieren. Das ist das Problem mit Produktionsbetrieben dieser Art – sie sind auf Abnehmer in der näheren Umgebung angewiesen.“ Das Unternehmen Kölbl sucht nun mit der Gemeinde nach einem möglichen Nachnutzer für die Halle, die erst 2004 ihrer Bestimmung übergeben wurde.

Wie sich der Rückzug von Kölbl nun auf den Güterverkehr ab Oberwart auswirken wird, bleibt abzuwarten. Schließlich hatten die ÖBB mehr Tonnage gefordert, um die Strecke aufrechterhalten zu können. Durch die Verlagerung der Kölbl-Produktion fallen nun jährlich rund 35.000 Tonnen weg. Einen Antrag auf Schließung der Strecke gibt es derzeit laut ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif nicht: „Wir haben uns noch nicht entschieden, ausschließen kann man es für 2012 aber nicht.“