Erstellt am 05. September 2012, 00:00

Bewerbung mit Folgen. AMS-POSTEN /  Sozialministerium ignorierte offensichtliche Diskriminierung. Das Höchstgericht hob die Entscheidung auf.

REGION SÜDBURGENLAND / Überrascht von einem Artikel in einer Tageszeitung erwischte die BVZ jene AMS-Mitarbeiterin aus Stegersbach am Telefon, die vor drei Jahren nach einem Bewerbungsgespräch einen Stein ins Rollen brachte. Die Stegersbacherin hatte sich um die Leitung der regionalen AMS-Stelle in Jennersdorf beworben, blitzte bei ihrem Bewerbungsgespräch mit einer befremdlichen Begründung ab. Die Frau war nämlich laut eines Gutachtens des Verwaltungsgerichtshofs ebenso für die Stelle geeignet, wie ihre drei männlichen Mitbewerber. Beim Bewerbungsgespräch musste sie allerdings begründen, warum Frauen eigentlich nicht in der Erziehung der Kinder ihre Erfüllung finden können. Ihre männlichen Konkurrenten mussten diese Frage nicht beantworten.

„Weil sie dann bei der Bestellung letztlich nicht zum Zug kam und sich insbesondere durch die Bemerkung eines Kommissionsmitglieds vor den Kopf gestoßen sah, protestierte sie gegen die Entscheidung und klagte die Republik Österreich auf Schadenersatz“, heißt es im Kurier. Die Differenz zwischen ihrem Ist-Gehalt und dem Verdienst, den sie als AMS-Chefin bekommen hätte, wollte die Klägerin vom AMS erstattet bekommen. AMS und das Sozialministerium revidierten die Entscheidung nicht. Die AMS-Mitarbeiterin ging zum Verfassungsgerichtshof und bekam Recht. Laut diesem hat die Entscheidung des Sozialministeriums die Burgenländerin in ihrem verfassungsgesetzlichen Recht auf Gleichheit verletzt. Der Bund muss den Bescheid aufheben. Für das Sozialressort könnte die Sache teuer werden, muss es doch nicht nur die Gerichts- und Anwaltskosten übernehmen, sondern möglicherweise auch Gehaltsnachzahlungen leisten. Der eingeklagte Schaden beträgt nämlich 178.804 Euro.