Erstellt am 29. Oktober 2014, 09:25

von Elisabeth Kirchmeir

Hygiene: Jäger vor Gericht. Nach der Jagd soll ein Jäger aus dem Bezirk Oberwart nicht wie vorgesehen das Wild auf Trichinen untersucht haben.

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Als „kundige Person“ ist der Jäger, der sich vor einem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Birgit Falb verantworten musste, dafür verantwortlich, nach der Jagd eine Erstuntersuchung des erlegten Großwilds durchzuführen und Bescheinigungen auszustellen. Bei einer Weitergabe des Wildes im Rahmen der Direktvermarktung muss er eine Trichinenuntersuchung durchführen.

Anwalt: „Er fühlt sich wie in einem schlechten Film“

Die Staatsanwaltschaft warf ihm nun vor, es 2013 bei zehn Wildschweinen unterlassen zu haben, das Fleisch auf seine Unbedenklichkeit hin zu untersuchen, bzw. eine Trichinenuntersuchung laut Hygieneverordnung in die Wege zu leiten.

Da er als „kundige Person“ ähnlich wie ein Beamter tätig wird, stand der Jäger wegen des Vorwurfs des Missbrauchs der Amtsgewalt vor Gericht.

„Er fühlt sich wie in einem schlechten Film“, meinte der Verteidiger des Jägers, Dr. Gerhard Ochsenhofer. Die Kontrollen hätten einen Zeitaufwand von fünf Minuten erfordert, die Kosten wären bei je 70 Cent gelegen. Sein Mandant hätte gar kein Motiv gehabt, auf die Untersuchungen zu verzichten.

„Eigenverbrauch“ versus „Inverkehrsetzen“

Der Grund für die Anzeige sei in einem Streit um ein 2014 neu vergebenes Jagdrecht zu suchen. Zwei rivalisierende Gruppen hätten sich um dieses Jagdrecht beworben; ein Mitglied der anderen Gruppe habe versucht, den angeklagten Jäger „anzupatzen“.

Der Jäger bekannte sich anfangs nicht schuldig. Es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass er auch bei einem Wildschwein, das von einem Jagdgast erlegt wurde, eine Untersuchung hätte durchführen müssen.

Rechtlich stellt das Überlassen des Tieres an einen Jagdgast aber ein „Inverkehrsetzen“ dar. Nur bei „Eigenverbrauch“ durch den Jäger müsste keine Untersuchung durchgeführt werden.

Zu drei Fakten erfolgte ein Freispruch. Für die weiteren Fakten übernahm der Jäger die Verantwortung und kam in den Genuss einer Diversion. Er muss 720 Euro Geldbuße und 200 Euro Kostenbeitrag bezahlen, dann wird das Verfahren gegen ihn eingestellt. Der Staatsanwalt sprach sich dagegen aus.