Erstellt am 05. Juni 2015, 10:14

von Elisabeth Kirchmeir

Jäger jetzt verurteilt. Wegen Amtsmissbrauches wurde vor Kurzem ein Jäger aus dem Südburgenland verurteilt: Vier Monate auf Bewährung und 720 Euro Geldstrafe.

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Die Angelegenheit war bereits im Oktober 2014 vor Gericht: Die Staatsanwaltschaft hatte dem 57-jährigen Jäger vorgeworfen, 2013 an zehn erlegten Wildschweinen keine Trichinenuntersuchung durchgeführt zu haben.

Jäger erklärte sich für „nicht schuldig“

Als „kundige Person“ wäre er dazu verpflichtet gewesen, so Staatsanwalt Christian Petö. Angeklagt wurde der Jäger wegen Amtsmissbrauches. Im Oktober 2014 erfolgte in einigen Fakten ein Freispruch, für den Rest eine Diversion mit Geldbuße – BVZ.at hatte berichtet:



Allerdings sprach sich die Staatsanwaltschaft gegen diese Vorgangsweise aus, das Oberlandesgericht verlangte eine Fortsetzung des Verfahrens, weshalb sich der Jäger vorige Woche neuerlich vor Gericht einfinden musste.

„Ich bin nicht schuldig“, erklärte der Mann. Er habe nicht gewusst, dass er in den besonderen Fällen, die seitens der Staatsanwaltschaft angeklagt wurden, das erlegte Wild auf Trichinen hätte untersuchen müssen.

Ein Amtstierarzt erklärte als Zeuge, dass im Fall einer Direktvermarktung an Letztverbraucher, Gastronomiebetriebe oder Einzelhändler eine Trichinenuntersuchung zwingend vorgeschrieben sei: „So steht es im Gesetz.“ Der Eigengebrauch sei von sämtlichen Untersuchungen ausgenommen.

Es stellte sich heraus, dass die Rechtslage bei einem von einem Jagdgast erlegten Wild hinsichtlich der Trichinenuntersuchung bislang nicht ganz klar war .

Verteidiger: „Wie soll sich Laie auskennen“

„Drei Juristen und ein Amtsveterinär stecken die Köpfe zusammen und wissen nicht, wie die korrekte Vorgangsweise aussieht - wie soll sich da ein Laie auskennen“, wunderte sich Dr. Gerhard Ochsenhofer, der Verteidiger des Jägers.

Schließlich erfolgte zu weiteren Wildschwein-Fakten ein Freispruch, verurteilt wurde der Jäger, weil er bei drei Wildschweinen nicht wie vorgeschrieben die Trichinenbeschau in die Wege geleitet hat. Bei allen drei Fällen handelte es sich um eine Weitergabe des Wildes an dritte Personen, eine Trichinenbeschau wäre - so die Meinung des Schöffensenates - verpflichtend gewesen.

Der Jäger wurde zu vier Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 720 Euro verurteilt, die er bereits im Rahmen der Diversion bezahlt hat. Der Angeklagte und der Staatsanwalt gaben keine Erklärung ab, das Urteil ist nicht rechtskräftig.