Erstellt am 10. Juni 2015, 05:51

von NÖN Redaktion

Rot-Blau regt auf: Resetar in Oppositions-Modus. Die Bildung der Rot-Blauen Koalition beschäftigt auch den Bezirk. Die SPÖ ist großteils auf Linie, Michaela Resetar hat sich bereits auf die Oppositionsrolle eingestellt.

NOEN, zVg
Mit der neuen Regierung ändert sich auch im Bezirk einiges. Ex-Landesrätin Michaela Resetar (ÖVP) wird die Landwirtschaft in Schachendorf übernehmen und hat sich bereits auf ihre Oppositionsrolle eingestellt.

Bieler erwartet keine Auswirkungen auf Kulturbereich

FPÖ-Stadträtin Ilse Benkö wird Dritte Landtagspräsidentin, will aber weiterhin ihrem Zivilberuf am Bezirksgericht verbunden bleiben.

Mit Christian Drobits (SPÖ) und Markus Wiesler (FPÖ) ziehen zwei neue Gesichter in den Landtag ein, dem Reinhard Jany (ÖVP) künftig nicht mehr angehören wird. Das könnte auch Norbert Sulyok (ÖVP) drohen, wenn er am Mittwoch kein Landesmandat erhält.

SPÖ-Landesrat Helmut Bieler hingegen ist einer, für den so gut wie alles gleich bleibt. Nur der Stil werde sich ändern, verspricht er im BVZ-Interview: „Mit den neuen Zuständigkeiten in den Ressorts haben wir viele neue Möglichkeiten, die es mit der ÖVP nicht gegeben hätte.“

Seine Weltanschauungen hätten sich wegen der Koalition mit der FPÖ nicht verändert: „Ein Arbeitsübereinkommen heißt ja noch lange nicht, dass wir auch dasselbe Gedankengut haben.“ Auswirkungen auf den Kulturbereich erwartet er sich nicht: „Ich kann auch dann gut mit Leuten, wenn sie uns kritisieren – ich kann mit allen gut zusammenarbeiten.“

Benkö: „Teamspieler ist Manfred Kölly keiner“

„Erschüttert“ zeigt sich hingegen die ehemalige ÖVP-Landesrätin Michaela Resetar: „Unglaublich, was sich da abspielt. Das ging alles zu schnell, da war im Vorfeld vieles schon abgesprochen.“ Resetar verfügt über das Grundmandat der ÖVP im Bezirk und wird dieses auch annehmen.

Auf die Oppositionsrolle hat sich die Neo-Landwirtin bereits eingestellt: „Wir werden ganz klar sagen, was Sache ist. Zum Beispiel bin ich strikt gegen fünf Spitäler im Land, je eines in Oberwart und Eisenstadt müssen reichen. Für die dann leer stehenden Gebäude in Güssing und Oberpullendorf hätte ich schon Ideen, die ich zu gegebener Zeit präsentieren werde. Altersheime schweben mir jedenfalls nicht vor, so viel ist sicher.“

Für Ilse Benkö (FPÖ), künftig Dritte Landtagspräsidentin, war klar, dass nur eine Zusammenarbeit mit der SPÖ oder die Opposition infrage kommt: „Ich respektiere die Liste Burgenland und Manfred Kölly, aber Teamspieler ist er keiner.“

„Der Süden ist so gut vertreten wie noch nie“

Ein Landesratposten sei ihr persönlich nicht so wichtig gewesen. „Für jede Position gibt es jemanden, der dafür geeignet ist. Jetzt haben wir den Besten als Landesrat, ich bin als Landtagspräsidentin gut aufgehoben und glaube, dass ich gemeinsam mit SPÖ-Kollegen Christian Illedits viel umsetzen kann.“

Wichtig sei ihr, dass „der Süden mit zwei FPÖ-Abgeordneten so gut wie noch nie vertreten ist: Ein Danke der burgenländischen Wählerschaft, die Mut bewiesen und uns seine Zustimmung gegeben hat.“ Für ihre Partei, die FPÖ sei nun „alles neu“, aber „wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.“

Auf die Arbeit im Oberwarter Gemeinderat soll Rot-Blau keine Auswirkungen haben: „Ich will auch dort etwas weiterbringen.“

„Koalition zwischen SPÖ und FPÖ in der Stadt
würde mich schwer enttäuschen.“
Oberwarts Bürgermeister Georg Rosner (ÖVP)

Darauf hofft auch Oberwarts Stadtchef Georg Rosner (ÖVP), der neben Sulyok als potenzieller Kandidat auf das Landesmandat gilt: „Ich glaube, dass in der Gemeinde alle sachpolitisch für die Bürger arbeiten wollen. Das würde mich sehr enttäuschen, wenn es nun eine Koalition gegen uns geben würde.“

Seine Gemeinderatskollegin, die Grüne Maria Racz, meint, dass „diese rückwärtsgewandte Politik nichts Gutes erahnen lässt: Mutige Schritte in eine positive Zukunft werden wir in den kommenden Jahren allerdings wohl nicht erleben.“

Der Grüne Abgeordnete Wolfgang Spitzmüller will jedenfalls „ganz genau“ hin schauen: „Regina Petrik und ich werden viel zu tun haben. Der von uns geforderte neue Stil in der Regierung wird mit einer gestärkten FPÖ im Landtag wohl ein frommer Wunsch bleiben.“ Das Regierungsabkommen bezeichnet der Willersdorfer als „sehr dürftige 40 Seiten mit großen Zeilenabständen“.

Bernd Arthofer, Spitzenkandidat der Liste Burgenland im Bezirk, wurde von Rot-Blau jedenfalls nicht überrascht: „Hans Niessl ging es von Anfang an nur um den Erhalt des Landeshauptmanns. Außerdem hätte er es mit keiner anderen Partei so leicht in der Regierung, wie mit der FPÖ. Die Freiheitlichen müssen jetzt einmal beweisen, dass sie mehr können, als Fehler aufzuzeigen.“

VP-Sulyok muss um Landtags-Einzug zittern

Wieder in den Landtag einziehen wird Pinkafelds Bürgermeister Kurt Maczek (SPÖ). Rot-Blau sei „die beste Lösung für das Land“, er gehe davon aus, dass „ich meine derzeitigen Agenden alle behalten werde“.

Das hofft auch Doris Prohaska (SPÖ), die ebenfalls eine weitere Periode im Landtag vertreten sein wird: „Ich will und werde mich auch weiterhin für die Themen Frauen und Bildung einsetzen.“

Zittern muss hingegen Norbert Sulyok (ÖVP), er hofft auf das Landesmandat: „Wenn ich einziehe, würde ich die erfolgreiche Arbeitnehmerpolitik weiterführen. Wir haben viel weitergebracht, aber es sind noch viele Arbeiten unerledigt und da werden wir, die Opposition, vermehrt Druck machen, dass diese auch umgesetzt werden.“

Aber auch ohne Landtagsmandat würde ihm „kein Zacken aus der Krone fallen“: „Ich habe einen tollen Beruf als Polizist und eine wunderbare Familie.“ Auch ÖVP-Bezirksgeschäftsführer Stefan Zlatarits macht sich „keine Sorgen“ um seinen Job. Er hofft aber, dass der Bezirk ein zweites Mandat bekommt: „Dann hätten wir zwei Abgeordnete aus dem Bezirk, so fix ist das aber noch nicht.“

Die Abgeordneten aus dem Bezirk

SPÖ
Helmut Bieler (Landesrat Finanzen), Kurt Maczek, Christian Drobits, Doris Prohaska

ÖVP
Michaela Resetar

FPÖ
Markus Wiesler, Ilse Benkö (Dritte Landtagspräsidentin)

GRÜNE
Wolfgang Spitzmüller