Oberwart

Erstellt am 14. September 2016, 05:48

von Elisabeth Kirchmeir

„Schwarze Pädagogik“: Schlug Vater zu?. 60-Jähriger vor Gericht, weil er seine kleinen Töchter fast täglich geschlagen und eingesperrt haben soll.

Für die brutalen Missbrauchstaten als Teenager wandert der heute 19-jährige Retzer für drei Jahre und vier Monate in eine Gefängniszelle. Symbolfoto: dpa/Maurizio Gambarini/Wodiczka  |  NOEN, dpa/Maurizio Gambarini

Stimmt es, was die heute neunjährige Tochter des 60-jährigen Angeklagten erzählt, so müssen das Mädchen und ihre Schwester (10) zwischen März 2012 und Dezember 2013 Schlimmes erlebt haben.

Die Mutter der Mädchen war im März 2013 verstorben, der Vater soll die Kinder mehrmals täglich ins Gesicht, aufs Gesäß und in den Schambereich geschlagen haben, wenn sie ihm nicht gehorchten.

Vater betonte: „Ich liebe meine Kinder!“

Als pädagogische Maßnahme soll der Vater die Kinder eingesperrt haben, und zwar im Heizraum, im Putzkammerl und im Kinderzimmer des Hauses. Heute leben die Mädchen in einer Wohngemeinschaft; von den Pädagoginnen, die dort für die Kinder zuständig sind, wurde im Mai 2015 Anzeige erstattet, nachdem sich das jüngere Mädchen einer Betreuerin anvertraut hatte.

Vor Gericht bekannte sich der wegen fortgesetzter Gewaltausübung gegenüber seinen Töchtern angeklagte Frühpensionist nicht schuldig. „Haben Sie Ihre Kinder geschlagen?“, wollte Richterin Karin Lückl von ihm wissen. „Ich liebe meine Kinder!“, antwortete dieser. Er habe seine Töchter auch nicht eingesperrt.

„Alles, was man unter Schwarzer Pädagogik versteht“

Die 39-jährige Tochter des Angeklagten, Halbschwester der mutmaßlichen Opfer, berichtete von „festen Strafen“, denen sie selbst als Kind ausgesetzt war. „Wenn wir etwas angestellt hatten, mussten wir am Boden knien oder den Kasten zusammenräumen“, erzählte die Frau. Ohrfeigen habe sie vom Vater nie bekommen.

Sie habe nicht den Eindruck, dass die Mädchen schweren Misshandlungen ausgesetzt gewesen seien, berichtete jene Pflegschaftsrichterin, die über die Obsorge für die Kinder zu entscheiden hatte. Jedoch könne sie sich schon vorstellen, dass die Mädchen vom Vater Ohrfeigen bekommen haben oder in der Ecke stehen mussten - „alles, was man unter Schwarzer Pädagogik versteht“, so die Pflegschaftsrichterin. Der Prozess wurde auf Oktober vertagt, weitere Zeuginnen werden geladen.