Erstellt am 15. Oktober 2013, 10:28

Bis zum Mars .... Wissenschaft / Wie ein Star Trek-Fan aus Welgersdorf es schaffte, bei der nächsten Mars-Sonde am Start zu sein.

Streng geheim. Weltraumforscher Hannes Gröller im »Luna and Planetary Loboratory« in Tucson, Arizona. Der Welgersdorfer arbeitet seit Anfang 2013 in den Vereinigten Staaten.  |  NOEN, ZVG
Von Vanessa Bruckner

WELGERSDORF, TUCSON /  Er weiß sofort, was es mit dem Satz „Er ist tot, Jim“ auf sich hat. „Das weiß doch wirklich jedes Kind“, sagt Hannes Gröller lachend. Nun, zumindest jedes erwachsen gewordene Kind, das früher keine Folge von Star Trek verpasst hat. „Der Satz kam in fast jeder Folge einmal vor“, erklärt der junge Südburgenländer, als ob nichts selbstverständlicher wäre. Und selbstverständlich arbeitet ein Star Trek-Fan heute in der Weltraumforschung. Aber zugegeben, diese Theorie ist schon ziemlich „abgespaced“. Umso unglaublicher, dass dem 33-jährigen Welgersdorfer dies tatsächlich gelungen ist.

„Keine Ahnung wie hoch mein IQ ist"

Hannes Gröller arbeitet heute als Weltraumforscher in Tucson, Arizona, in den Vereinigten Staaten. Von Cape Canaveral startet in wenigen Wochen die Raumsonde „Maven“, die zur Erforschung der Atmosphäre des Mars eben dorthin geschickt werden soll. Der junge Wissenschaftler wird für die Datenauswertung eines Spektrographen im „ultravioletten UV Bereich“ zuständig sein. Das alleine klingt für Normalsterbliche schon so surreal, wie es die Bilderbuchkarriere des Südburgenländers ebenfalls ist. Gröller studierte Telematik in Graz und absolvierte dort seinen Master of Science in Space Sciences mit dem Schwerpunkt Space Physics. Danach folgte ein Doktorat und zu Beginn dieses Jahres gab es dann eine Postdocstelle im „Luna and Planetary Laboratory“. Auf die Frage nach seinem IQ lacht Gröller nur: „Ich habe keine Ahnung, wie hoch mein IQ ist, und ehrlich gesagt ist es mir auch vollkommen egal.“

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Die Sonde „Maven“ soll am 18. November gestartet werden und den Mars im Herbst 2014 erreichen. „Im günstigsten Fall beträgt die Wegzeit zehn Monate“, erklärt der Spezialist und informiert weiter: „Es ist die erste Sonde, die Teilchen misst, die vom Mars flüchten. Damit will man erforschen, wie die Atmosphäre und das Wasser vom Mars verschwunden sind.“ Hannes Gröller ist dabei Teil eines wissenschaftlichen Teams, das sich um die Auswertung der Daten kümmert.

Wer wird der erste Mensch auf dem Mars?

Auf die Frage hin, warum man als Teilchen überhaupt vom Mars flüchten will, erwidert der Wissenschaftler schmunzelnd: „Dem ist wohl auch zu kalt dort oben.“ Und auch auf die Frage, ob es wirklich in absehbarer Zeit möglich sein wird, dass Menschen auf den Mars fliegen können werden, hat der gebürtige Welgersdorfer eine Antwort parat: „Ich bin gespannt, wer das Rennen macht. Es gibt natürlich Pläne von den großen Weltraumbehörden aber auch von Privatpersonen und neuerdings will man daraus sogar eine Reality-Fernsehshow machen.“ Hannes Gröller weiß die Chance in Amerika auch zu schätzen: „Das Tollste an meinem Job am wissenschaftlichen Institut in Tucson ist, dass ich dort wirklich hochrangige Kaliber der Weltraumforschung kennenlerne.“ Ein Hochsicherheitstrakt sei sein derzeitiger Arbeitsplatz zwar keiner, aber „ohne ID-Card“ kommst du in keinen Bereich hinein.“ Ansonsten sei seine Arbeit für Außenstehende „eher unspektakulär.“ „Ich sitze viel vor dem Computer und werte Daten aus. Nichts Besonderes also.“

Für Hannes Gröllers Onkel Werner Bieler ist der Job seines Neffen aber alles andere als unspektakulär. Bieler hat bereits ein Flugticket gebucht, um beim Start der Marssonde im November mit dabei sein zu können. „Durch den Job meines Neffen wird für mich ein Traum wahr. Ich bin sehr stolz auf ihn und löchere ihn stets mit vielen Fragen“, so Bieler schmunzelnd.

Und sollte alles nach Plan verlaufen, wird uns Burgenlands Weltraumforscher vielleicht auch in absehbarer Zeit beantworten können, warum tatsächlich kein Leben auf dem Mars möglich ist. Vielleicht fliegt Hannes Gröller ja selbst irgendwann einmal ins Weltall und trifft dort auf „Captain Kirk und seine Crew“. An die hätte der Wissenschaftler nämlich selbst jede Menge Fragen.