Erstellt am 29. August 2012, 00:00

Boccia-Bahn: Oberwarts „politische“ Spielplätze. ÄRGER / Bahn auf Ansuchen einer SP-Gemeinderätin errichtet. Anrainer klagen an: „Privater Spielplatz auf unsere Kosten!“

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VON VANESSA BRUCKNER

OBERWART / Haben Sie gewusst, dass es in Oberwart schon seit mehr als zwei Jahren eine Boccia-Anlage gibt? Nein? Dann gehören sie hiermit zur absoluten Mehrheit der „unwissenden Bürger der Stadtgemeinde“.

In der Oberwarter Kreuzgasse wurde auf Initiative von SPÖ-Gemeinderätin Felicitas Rauherz eine Bahn für das italienische Kugelspiel errichtet. Kostenpunkt: rund 2.000 Euro.

Interessante Kostenfrage  und ein anonymer Brief

An der Notwendigkeit dieser Anlage scheiden sich allerdings die Geister: „Die Boccia-Bahn ist nur errichtet worden, weil die liebe Frau Gemeinderätin das so gerne im Urlaub spielt. Noch dazu wurde das ganze direkt vor ihrer Haustür angelegt, die anderen Anrainer sind dabei gar nicht gefragt worden, geschweige denn der Rest der Oberwarter Bevölkerung. Es kann nicht sein, dass unsere Steuergelder für das Privatvergnügen diverser Politiker verschwendet werden,“ sagt eine erzürnte Nachbarin, die namentlich allerdings nicht erwähnt werden möchte.

Gemeinderätin Rauherz weiß von den Kritikern. Sie sagt: „Ich habe schon einen anonymen Brief bekommen, indem mir auf übelste Art und Weise vorgeworfen wird, dass der Bürgermeister die Boccia-Anlage nur für mich hätte bauen lassen. Das ist ausgemachter Blödsinn. Wir wollten in Oberwart kleine Naherholungseinheiten schaffen. Die leere Rasenfläche am Ende der Sackgasse, in der ich wohne, hat sich perfekt für so ein Projekt angeboten. Ich spiele Boccia schon seit Jahren gerne, so entstand auch die Idee zur Anlage.“

Rosner: „Bürgermeister darf  nicht Christkind spielen!“

Zwei Tage waren Gemeindearbeiter mit der Errichtung der Bahn beschäftigt. Das Spielfeld wurde ausgehoben, mit Sand gefüllt. Eine Sitzgelegenheit steht daneben, der Platz darunter wurde geschottert. „Mehr als maximal 2.000 Euro hat die Spielanlage aber sicher nicht gekostet,“ glaubt SP-Bürgermeister Gerhard Pongracz. Genau weiß er es nämlich nicht mehr: „Was hat ein Paar Schuhe vor drei Jahren gekostet? Keine Ahnung!“

Er argumentiert die Errichtung wie folgt. „Frau Rauherz hat sich, laut ihren Angaben, vorher informiert, ob eine Boccia-Anlage erwünscht ist und Sinn macht. Solche Dinge muss man ausprobieren. Leider wird sie eben nicht so gut angenommen, aber das war ja mit der Kunsteisbahn im Stadtpark dasselbe. Die hat damals noch die ÖVP angeschafft, um viel Geld, und die hat sich auch als Flop entpuppt.“

VP-Vize Georg Rosner sagt hingegen: „Ich höre immer wieder Kritik bezüglich dieser Boccia-Bahn. Es kann nicht sein, dass sich ein Gemeinderat etwas wünscht und der Bürgermeister spielt Christkind. So etwas gehört vorher im Stadtrat besprochen. Ich selber wusste lange gar nichts von dieser Anlage.“

Rauherz: „Haben Werbung  für die Bahn verabsäumt“

Die Einzigen, die ab und an auf der Boccia-Anlage spielen sind, laut Auskunft erzürnter Anrainer, Kursteilnehmer vom benachbarten WIFI.

GR Felicitas Rauherz, die übrigens nicht mehr zur Wahl antritt, sagt abschließend: „Der einzige Fehler, der gemacht wurde ist, dass wir die Boccia-Anlage nicht gut beworben haben. Das sollte nachgeholt werden. Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig.“