Erstellt am 22. Oktober 2013, 14:19

braucht?s keinen Grund!. des Roten Kreuz täglich leisten. Ein Bericht über Nächstenliebe in Überdosis.

Lebensaufgabe. Sigi Eichberger ist seit 1989 beim Roten Kreuz. Heute ist er hauptberuflich dabei, weil »mir nichts mehr Freude bereitet, als anderen Menschen helfen zu können«. Fotos: Vanessa  |  NOEN, Vanessa
Von Vanessa Bruckner

Ehrensache / „Heut ist ja Mittwoch. Fahr’n ma einen kleinen Umweg über den Wochenmarkt in Oberwart. Auf ein schnelles Würstl?“ fragt Johann Graf verschmitzt durch die Trennscheibe im Auto. Der Fahrer lacht herzlich und meint: „Das wird sich leider nicht ausgehen, Herr Graf, dafür sind sie aber schnell wieder zu Hause.“

Herr Graf ist 74 Jahre alt und auf dem Weg ins Krankenhaus - in einem Rettungsauto des Roten Kreuz.

„Solang ich leb‘, bleiben die Zehen dran“

Der Pensionist muss zur Kontrolle ins Oberwarter Spital und nutzt den Krankentransport-Dienst. „Ich leide unter Zucker und die Ärzte wollen mir die Zehen amputieren. Aber da bleib ich stur. Solang ich leb‘, bleiben die Zehen dran. Stellen sie sich vor, ich sterbe morgen. Das wär eine Verschwendung! So viel Arbeit, Geld und Schmerzen umsonst.“

Der gebürtige Pinkafelder lacht schelmisch. Die 28-jährige Sanitäterin Noha Goger, die hinten beim Patienten sitzt, schmunzelt. Ihr Kollege Sigi lenkt den Rettungswagen sicher durch den Morgenverkehr. Ein ganz normaler Arbeitstag für die beiden Mitarbeiter des Roten Kreuz.

Retter im weißen Auto mit blauem Licht

„Als Kind bin ich zu einem Verkehrsunfall dazugekommen, bei dem ein Mann im Fahrzeug eingeklemmt war. Es hat sich damals ewig angefühlt, bis endlich Hilfe da war“, erinnert sich der heute 44-jährige Siegfried Eichberger. Heute ist er, so schnell es ihm möglich ist, vor Ort, wenn ein Mensch Hilfe braucht. „Wie schnell?“ wollen wir wissen. „Blaulicht an und dann so flott es der Verkehr eben zulässt.“

Siegfried „Sigi“ Eichberger kam 1989 zum Roten Kreuz. Seit 2004 ist der gelernte Tischler hauptberuflich dabei.

Diensteinheit dauert zwölf Stunden

Eine Diensteinheit dauert für die „Vollzeit-Sanis“ zwölf Stunden. Vier Tage die Woche sind sie im Einsatz. Mit Sigi Eichberger sind in der Oberwarter Dienststelle weitere 16 Rettungssanitäter angestellt. Außerdem rund 100 aktive Freiwillige und natürlich die 20 Zivildiener nicht zu vergessen.

„Ohne unsere Zivis wäre es nicht möglich, den Dienst aufrecht zu erhalten“, sagt Erwin Hanzl, Dienstführer der Bezirksstelle Oberwart. Ein Rettungsteam im Wagen besteht stets aus einem hauptberuflichen Notfallsanitäter und einem Zivildiener beziehungsweise einem Freiwilligen. Die wiederum sind, so der zuständige Koordinator Markus Brunner, nicht leicht zu finden.

100 Theoriestunden, 160 Praxisstunden

„Die Ausbildung ist zeitaufwendig. Zuerst muss ein Erste- Hilfe-Kurs absolviert werden. Danach folgen 100 Theoriestunden und 160 Praxisstunden. Dazu gibt es alle zwei Jahre verpflichtende Fortbildungen“, erklärt Brunner.

Eine Herausforderung, der sich die 28-jährige Noha Goger vor sechs Jahren gestellt hat. Seit 2007 ist die junge Mutter als Freiwillige beim Roten Kreuz Oberwart. Als die gebürtige Ägypterin von ihrem ersten Einsatz erzählt, ist man fast verwundert, dass sie danach die rote Uniform nicht gleich wieder an den Nagel gehängt hat. „Wir wurden zu einem Verkehrsunfall gerufen, bei dem der Fahrer hilflos im Auto verbrannte. Es war schrecklich, so etwas vergisst man nicht,“ sagt Noha leise.

Alarm geht los und das Adrenalin steigt

Ihrem Kollegen Sigi Eichberger erging es bei „seinem ersten Mal“ nicht anders. „Der Mann verstarb damals noch an der Unfallstelle“, erzählt er. Warum die beiden trotz ihrer ersten traurigen Einsätze nach wie vor beim Roten Kreuz als Notfallsanitäter tätig sind? „Aus Liebe zum Menschen und weil nichts mehr Freude bereitet, als helfen zu können.“

Wobei die Betonung auf dem Wort „können“ liegt. Denn als ausgebildete Rettungssanitäter sind sie dazu in der Lage. „Hausgeburten sind dafür etwas Wunderschönes“, wirft Dienststellen-Führer Erwin Hanzl ein. Seine Kollegin Juliane Paul nickt zustimmend. Frau Paul ist als Sekretärin in der Dienststelle beschäftigt. „Und das seit ewig“, fügt Erwin Hanzl lachend an.

Konkret arbeitet Frau Paul seit 40 Jahren am Stützpunkt. Zu Beginn fuhr sie selbst noch im Rettungswagen mit, heute schupft sie den Laden und ist die gute Seele im Büro. Stefan Hamer blickt Juliane Paul fast ein wenig ungläubig an. Der 20-Jährige hat heute seinen dritten Arbeitstag beim Roten Kreuz. Er absolviert hier die Ausbildung zum Sanitäter beim Bundesheer.

Rasche Hilfe, unkomplizierte Hilfe

„Zwei Blaufahrten hatte ich schon. Wenn zum ersten Mal ein Notfall per Funk reinkommt, wird man schon nervös und das Adrenalin im Körper steigt ordentlich an. Man weiß ja nicht, was einen erwartet“, gesteht er, der Stefan.

Was einen erwartet, wenn man die Notrufnummer wählt, weiß allerdings jedes Kind: Hilfe! Rasche Hilfe, unkomplizierte Hilfe und vor allem Mitarbeiter in roten Uniformen, die in Momenten der Not alles für Sie geben! Aus Liebe zum Menschen.

Freiwillige vor!

Kennen Sie Menschen mit seltsamen Hobbys? Ja? Sie alle sind freiwillige Rotkreuz-Helfer. Über 56.000 freiwillige Rotkreuz-Mitarbeiter sind beim Österreichischen Roten Kreuz tätig. Menschen, denen es nicht egal ist, wenn andere in Not sind. Frauen und Männer, die einen Teil ihrer Freizeit der Mitmenschlichkeit widmen – als Sanitäter, Delegierter oder Katastrophenhelfer im In- und Ausland, als Erste-Hilfe-Ausbilder, im Blutspendedienst oder im Jugendrotkreuz.

Oder Sie möchten im Bereich Pflege und Betreuung mitarbeiten? Hier finden Sie Informationen des Burgenländischen Landesverbandes: www.roteskreuz.at/burgenland oder unter 02682/744-0.