Erstellt am 31. Oktober 2012, 00:00

Burgenländer im Sturmchaos. „Sandy“ hautnah miterleben: Das öffentliche Leben steht still, Supermärkte sind leer gekauft.

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Von Carina Ganster und Michael Pekovics

REGION, NEW YORK / Die Welt blickte in der Nacht von Montag auf Dienstag gespannt nach New York und an die US-amerikanische Ostküste, wo auf das Eintreffen des Hurrikans „Sandy“ gewartet wurde. Mittendrin im von US-Präsident Barack Obama ausgerufenen Notstand sind auch fünf Südburgenländer: Klaus Radakovics und Katharina Zambo aus Oberwart, Hanspeter Gartner aus Güssing, Karl Gottweis aus Pinkafeld und Tristan Hanzl aus Großpetersdorf. Im E-Mail- und Facebook-Interview mit der BVZ berichten sie einige Stunden vor dem Eintreffen des Sturms über das Leben an der Ostküste, das am Montag und Dienstag vollständig zum Erliegen kam.

„Ich gehe jetzt auf keinen Fall mehr raus“

Tristan Hanzl arbeitet in einem Restaurant in Manhatten und wohnt in Brooklyn, das als „Gefahrenzone B“ ausgewiesen ist. Laut ihm ist die Lage ziemlich schwierig: „Es stürmt sehr stark, obwohl der Hurrikan noch fünf Stunden entfernt ist. Zum Glück wohne ich nicht am East River, sondern zwei Kilometer davon entfernt. Allerdings liegt meine Wohnung im Erdgeschoss und ich weiß nicht, wie viel Wasser kommen wird.“ Experten befürchten Springfluten oder Überschwemmungen vor allem in der Nähe von Flüssen. Hanzl hört immer wieder Sirenen von Einsatzfahrzeugen, weiß aber nicht genau, was draußen los ist. Denn vor die Tür geht er nicht mehr: „Ich war noch kurz in einem fast leer gekauften kleinen Supermarkt und habe mich mit Lebensmittel eingedeckt. Angst habe ich nicht wirklich, aber in so einer Situation war ich allerdings auch noch nicht.“ Hanspeter Gartner lebt seit mehr als neun Jahren in New York, derzeit in der Nähe des Central Park beziehungsweise East River: „Hier gibt es ein paar Überschwemmungen und sogar einige Autos wurden weggeschwemmt, aber alles halb so schlimm – vorerst.“

„Washington ist wie ausgestorben“

Karl Gottweis fühlt sich relativ sicher. Er befindet sich in einem Hotel in Washington DC: „Der Wind wird von Stunde zu Stunde stärker, aber wirklich schlimm ist es hier bei uns noch nicht. Aber Washington ist so gut wie ausgestorben – alle Büros, Schulen, Behörden und auch die U-Bahn hat geschlossen. Jeder ist zu Hause und wartet den Sturm ab.“ Die meisten Häuser in der Gefahrenzone wurden verbarrikadiert, die Menschen suchen Schutz und kauften die Supermärkte leer. „Wasserflaschen, Taschenlampen, Batterien – alles ist ausverkauft“, berichtet Klaus Radakovics, der gerade ein Praktikum bei der „RB International Finance USA“ absolviert und gemeinsam mit vier weiteren Österreichern in Danbury (Connecticut) lebt: „Auch wir haben uns mit Vorräten für die nächsten vier Tage eingedeckt. Bei einigen Kollegen ist die Stromversorgung bereits ausgefallen, bis alles wieder läuft, kann es bis zu zehn Tagen dauern.“

„Die Straßen sind wie leer gefegt“

Den Bürgern wurde empfohlen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Diese Anweisung der US-amerikanischen Behörden befolgt auch Radakovics: „Auch die meisten Amerikaner halten sich daran, auf den Straßen sind keine Autos zu sehen, alles ist wie leer gefegt. Und unser Arbeitgeber hat gesagt, wir sollen im Haus bleiben, bis der Sturm wieder vorbei gezogen ist.“ Ähnlich die Situation auch bei Hanzl, dessen Restaurant in Manhattan für mindestens zwei Tage geschlossen sein wird: „Wir Mitarbeiter hätten ja gar keine Möglichkeit gehabt, zu unserem Arbeitsplatz zu kommen, weil alle Brücken und U-Bahnen gesperrt sind. Wir haben nur die Türen und Fenster zugeklebt und geschaut, dass wir rechtzeitig den letzten Zug nach Hause erwischen.“

Ruhe in der „Stadt, die niemals schläft“

In New York selbst ist die Situation bereits seit Sonntag extrem angespannt. „Schon um vier Uhr am Nachmittag hat der Central Park zugesperrt, es gab kein Brot mehr zu kaufen und um sieben Uhr abends machten auch die U-Bahnen dicht“, berichtet Katharina Zambo. Ihrer Meinung nach wäre das am Sonntag noch nicht notwendig gewesen: „Wenn sie den Ausnahmezustand erst am Montag ausgerufen hätten, hätte es auch gereicht. Aber ich hätte mir niemals träumen lassen, dass die Stadt, die bekanntlicherweise ja niemals schläft, zum Schlafen gebracht werden kann.“