Erstellt am 11. November 2015, 05:28

von Michael Pekovics

Chefärzte gesucht. Nach dem Ende der Verbundlösungen werden fürs Oberwarter Spital gleich drei Primarärzte gesucht – Ausschreibung läuft.

Krankenhaus Oberwart  |  NOEN, BVZ
Bereits Anfang des Jahres wurden die sogenannten „Verbundlösungen“ per Regierungsbeschluss rückgängig gemacht, jetzt werden für die drei Abteilungen Innere Medizin, Gynäkologie und Allgemeinmedizin Primarärzte gesucht.

Sowohl die Auflösung der Verbünde als auch die Suche nach neuen Primarärzten ist in Verbindung mit dem Ruhezeitgesetz zu sehen – Primarärzte sind davon nämlich ausgenommen, was mehr Flexibilität bei der Dienstplangestaltung gibt.

Drei neue Primarärzte: Dienstantritt erst 2016

Bis 23. Dezember haben Interessenten Zeit, ihre Bewerbung an die Krages (Burgenländische Krankenanstalten) zu schicken. „Dann werden die besten Bewerber zu einem Assessment Center geladen, im Landessanitätsrat wird dann über die drei übrig gebliebenen Interessenten entschieden“, erklärt der Ärztliche Leiter Kurt Resetarits die weitere Vorgangsweise. „Leider gibt es, anders als noch vor einigen Jahren, derzeit eher weniger Bewerbungen für medizinische Führungspositionen.“

Die Suche nach neuen Primarärzten für Oberwart könnte sich auch auf das Güssinger Krankenhaus auswirken. Bewirbt sich nämlich der Güssinger Primar Gerhard Puhr (Interne) um die Stelle in Oberwart und bekommt sie auch, müsste jene in Güssing neu ausgeschrieben werden. Derzeit ist Puhr zwar offizieller Chef in Güssing, wurde aber aus organisatorischen Gründen nach Oberwart versetzt.

Neben den drei Primarärzten wird im Krankenhaus Oberwart aber zusätzlich Personal gebraucht: Derzeit ausgeschrieben sind zwei Assistenzärzte (Chirurgie und Pathologie), zwei Fachärzte (Interne und Anästhesie) und ein Logopäde.

„Notfälle gehen einfach vor“

Kritik am Krankenhaus | Ärztlicher Leiter bedauert Verschiebungen und bittet um Verständnis. Grund seien Notfälle und das Ruhezeitgesetz.

In der Vorwoche erreichte die BVZ ein Leserbrief (siehe unten), der die „auf der Tagesordnung stehenden Terminverschiebungen“ kritisierte. Die BVZ fragte beim Ärztlichen Leiter Kurt Resetarits nach.

Der begründet einige Terminverschiebungen mit „Notfällen“: „In einem so großen Krankenhaus kann es schon einmal vorkommen, dass dieser oder jene Arzt akut gebraucht werden, um Notfälle zu versorgen. Natürlich ist das für wartende Patienten unangenehm“, entschuldigt sich der Mediziner. Bei den angesprochenen Notfällen handelt es sich um eine Gefäßblutung, ein Problem mit dem Darm eines Patienten und einen Herzinfarkt.

Resetarits bittet auch um Verständnis angesichts der „organisatorischen Herausforderungen aufgrund des neuen Ruhezeitgesetzes: „Dadurch ist alles schwieriger geworden, weil die Ruhezeiten unbedingt eingehalten werden müssen, wir aber Notfälle nicht einfach warten lassen können. Dadurch kann sich schon der eine oder andere Termin verschieben.“

Leserforum: „Bin jetzt zutiefst verunsichert“

Seit geraumer Zeit sind Terminverschiebungen im Krankenhaus Oberwart an der Tagesordnung, angeblich aus Ärztemangel, weil viele Ärzte das Spital verlassen haben. Was ist der Grund dafür? Sind es interne Streitigkeiten oder gibt es Ärger mit der zuständigen Gesundheitsabteilung? Kommunikative Schwierigkeiten gibt es sicher, denn wie kann es sein, dass sich die Abteilungen nicht absprechen? Mir selbst ist schon zwei Mal eine dringend notwendige Knieoperation (Prothese) auf unbestimmte Zeit verschoben worden, ein Termin, auf den ich schon viele Monate gewartet habe. Letzte Woche hatte ich nun einen fixen Termin bei der Tagesklinik, um eine Darmspiegelung durchführen zu lassen. Am Tag davor hatte ich natürlich die entsprechenden Vorbereitungen getroffen, eine – nicht gerade angenehme – Darmreinigung ist dazu nötig. Meine Schmerzmedikamente, die ich benötige, um überhaupt ein wenig mobil zu sein, hatte ich bereits auf Anraten der Ärzte eine Woche vorher abgesetzt, um den Befund der Darmspiegelung nicht zu verfälschen. Nach einiger Wartezeit auf der Tagesklinik im Krankenhaus wurde mir um 10.30 Uhr mitgeteilt, es stünde kein dafür ausgebildeter Arzt zur Verfügung, die Darmspiegelung würde um eine Woche verschoben. Wir werden sehen, ob dieser Termin tatsächlich wahrgenommen werden kann. Leider wird man gezwungen, in ein anderes Krankenhaus auszuweichen oder in eine Privatklinik, wenn man es sich leisten kann. Ich hatte großes Vertrauen in diese Anstalt, aber mittlerweile kann ich niemandem zu einem Aufenthalt dort raten, da ich selbst zutiefst verunsichert bin!

Emilie Böhm, Bernstein
 


Darabos: 2021 wird Spital eröffnet

Ankündigung | Landesrat Norbert Darabos garantiert Fertigstellung bis 2021.

158,5 Millionen Euro Baukosten, Eröffnung im Jahr 2012 – Gesundheitslandesrat Norbert Darabos ließ in der Vorwoche mit diesen Informationen zum geplanten Neubau des Oberwarter Krankenhauses aufhorchen.

Diese Ankündigungen will Darabos durchaus als „Garantieerklärung“ verstanden wissen, nach Verzögerungen bei der Ausschreibung des Generalplaners soll diese Entscheidung Anfang kommenden Jahres fallen. „Ich gehe davon aus, dass wir das Krankenhaus 2021 eröffnen.“ Was mit dem alten Gebäude geschehen soll – Stichwort: Logistikzentrum –, stehe noch nicht fest.

Seitens des Koalitionspartners FPÖ gab es dazu Lob von der Dritten Landtagspräsidentin Ilse Benkö: „Wichtig ist, dass wir im Burgenland ein möglichst breites Spektrum an medizinischer Versorgung anbieten können.“ In die von Darabos genannte Summe von rund 158 Millionen Euro habe sie „Vertrauen“.