Erstellt am 07. August 2013, 00:00

Daten und Fakten. Es wird eng / 61 Prozent der burgenländischen Landärzte gehen in den nächsten 10 Jahren in Pension. Landessüden besonders stark betroffen.

Von Vanessa Bruckner

BEZIRK / Welcher Arzt hat heute Notdienst? Eine Frage, dessen Antwort sich in den nächsten Jahren immer schwieriger gestalten wird.

Die Ärztekammer schlägt Alarm, weil es immer weniger Landärzte gibt. Die Gründe: In den nächsten zehn Jahren gehen zwei von drei Landärzten im Burgenland in Pension, es rücken immer weniger junge Mediziner nach. Der Süden ist besonders betroffen.

Unattraktiver Job für die Jungmediziner

61 Prozent der burgenländischen Landärzte gehen bis 2023 aller Vorrausicht nach in Pension. Thomas Bauer, Direktor der Ärztekammer Burgenland: „Im Burgenland trifft die Definition Landarzt auf ganze 82 Prozent aller Ärzte zu.“

Wochenenddienste, Hausbesuche, Nachteinsätze bei vergleichsweise geringer Honorierung würden den Beruf des Landarztes für junge Mediziner unattraktiv machen, sagt der Vizepräsident der burgenländischen Ärztekammer, Michael Schriefl.

Eine Problematik, die auch Doktor Heinz Moser, der seit 25 Jahren eine Praxis in Deutsch Schützen betreibt, kennt: „Man ist immer erreichbar und hat kaum Freizeit. Außerdem gibt es immer mehr Ärztinnen, die diesen Beruf nicht mit dem Familienleben vereinbaren können oder wollen.“

„Ganz andere Anforderungen als Krankenhaus“

Doktor Helmut Radakovits, Arzt in Güttenbach: „Ich höre oft, dass die jungen Kollegen nach ihrer Anfangszeit im Spital Angst davor haben, eine Praxis zu übernehmen. Hier hapert es an der Ausbildung. Die Medizin als Landarzt bringt ganz andere Anforderungen mit sich, als jene in einem Krankenhaus.“

Die Ärztekammer fordert jetzt von der Politik, die Gründung von Ordinationsgemeinschaften zu fördern, das würde zu familienfreundlicheren Arbeitsbedingungen führen. Weiters sollen längere Arbeitszeiten durch höhere Honorare abgegolten werden.

Eine andere Möglichkeit, den Job attraktiver zu gestalten, wäre die Beseitigung der rechtlichen Hürden für Hausapotheken. Seit 2006 darf es nämlich im Umkreis von sechs Kilometern um eine Apotheke keine ärztliche Hausapotheke mehr geben.

Daten und Fakten:
Im Bezirk Oberwart (insgesamt 20 Landärzte) werden voraussichtlich zwei Drittel in den nächsten zehn Jahren in Pension gehen, ein Drittel davon ist jünger als 55 Jahre. Im Bezirk Güssing (13 Landärzte) sind sogar 85 Prozent mindestens 55 Jahre alt und nur 15 Prozent unter 55. In Jennersdorf (sechs Landärzte) werden 67 Prozent demnächst in Pension gehen und ein Drittel ist unter 55 Jahre.

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