Erstellt am 14. März 2012, 00:00

Der halbe Ort ist dagegen. HANDYMASTEN / Bürgerinitiative verweist auf hohe Belastung, zu geringe Entfernung zum Kindergarten, Säumigkeit des Ortschefs – und hat 580 Wolfauer Bürger hinter sich.

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VON SILKE ROIS UND MICHAEL

PEKOVICS

WOLFAU / Rund die Hälfte aller Wahlberechtigten hat gegen den Handymast der Telekom unterschrieben. „Die Gemeinde sollte keine Kosten und Mühen scheuen, um unseren Ort weiter lebenswert sein zu lassen“, appelliert die Bürgerinitiative. Unterstützung erhalten sie von FPÖ-Landtagsabgeordneter Ilse Benkö, die aber betont: „Das ist keine politische Geschichte.“ Sie sei eben die Einzige gewesen, die sich nach dem Hilfeschrei der Bürgerinitiative an die im Landtag vertretenen Parteien, gemeldet hat.

Die Gegner haben schlagkräftige Argumente: „Zu nah am Kindergarten, unmittelbar neben Siedlungswohnungen, außerdem haben wir Verfahrensmängel bei der Bewilligung festgestellt.“ Sie weisen auch daraufhin, dass die erlaubten Grenzwerte von Bundesland zu Bundesland verschieden sind: „In Salzburg wäre der Betrieb in der Nähe eines Kindergartens nicht zulässig – leben wir nur im falschen Bundesland?“

In der Vorwoche hat sich die SPÖ in die Causa eingeschaltet – und schießt sich auf ÖVP-Bürgermeister und Amtmann Walter Pfeiffer ein: „Pfeiffer zieht als Amtmann die Fäden, hat niemanden informiert und durch Untätigkeit auf Parteienstellung verzichtet. Nicht nur die Anrainer und die SPÖ-Gemeinderäte wurden durch ihn getäuscht, sondern möglicherweise auch die ÖVP-Gemeinderäte“, schreibt Vizebürgermeister Ronald Brenner (SPÖ). „Im Oktober 2010 hat Pfeiffer gesagt, es gibt nichts Neues, sondern nur ein Ansuchen, für das es keine Bewilligung geben wird. Erst im Februar 2012 informierte uns die Telekom, dass die Einspruchsfrist bei der Naturschutzverhandlung nicht wahrgenommen wurde. Dazwischen fanden fünf Gemeinderatssitzungen statt – warum hat Pfeiffer nichts gesagt?“

Der in der Kritik stehende Bürgermeister rechtfertigt sich im Gespräch mit der BVZ: „Täuschung? Ich verstehe nicht, dass jemand an Sitzungen teilnimmt, Protokolle unterschreibt und dann behauptet, nichts davon gewusst zu haben.“ Pfeiffer gibt zu, die Möglichkeit der Berufung ausgelassen zu haben („Das hätte nichts gebracht!“) und setzt jetzt auf Verzögerung: „Was ist wichtiger für die Telekom: Auf die Bewilligung für die Stromzuleitung zu warten oder den Masten zu versetzen und ihn so schneller in Betrieb nehmen zu können?“

Am Donnerstag lud die Bürgerinitiative zu einem Infoabend mit Reinhold Jandrisovits aus Müllendorf, wo man vor einigen Jahren ebenfalls mit demselben Problem zu kämpfen hatten. Der Tenor seiner Ausführungen: „Ich rate der Bürgerinitiative, den Ist-Gesundheitszustand der Bevölkerung zu erheben, um Auswirkungen belegen zu können.“ Denn ein Problem an Strahlungen von Handymasten sei, dass es keine Langzeitstudien gibt: „Man kann aber nicht ausschließen, dass Stress-Symptome durch die Strahlen verstärkt werden.“

Ilse Benkö (FPÖ) betont: „Das ist keine politische Sache, ich helfe nur“. Und zwar der Bürgerinitiative mit Hans Herincs, Karl Kolar, Robert Prenner, Josef Kuich und Sabine Müllner (v.l.).