Erstellt am 18. September 2013, 00:00

Der Herr der Fliesen. Quadratisch gut / Ob Hundertwasser oder Kumpf: Franz Spadlinek hat es ihnen allen Recht gemacht. Der Kohfidischer ist Österreichs Experte Nummer 1 für ausgefallene Fliesen.

Experte. Es gibt kaum eine Fliese, die Franz Spadlinek nicht besorgen kann. Der Fachmann gilt als Nummer Eins in punkto Denkmalschutz.  |  NOEN
Von Vanessa Bruckner

Quadratisch gut / „Die? Ach, die sind von Valentino“, sagt er so im Vorbeigehen an den herrlichen Wandfliesen in seinem Vorzimmer, der Herr Spadlinek. „Valentino, der Designer?“ „Ja ja, der Italiener“, winkt er ab.

„Ah eh ,nur der‘ Valentino“, denk ich schmunzelnd und folge Franz Spadlinek in sein Arbeitszimmer. Der Bezirk ist voller berühmter Menschen und kaum jemand kennt sie. Der 72-jährige Franz Spadlinek ist definitiv einer davon.

Auf Du und Du mit Künstlergrößen

Er ist „der“ österreichische Experte, wenn es um ausgefallene, extravagante und steinalte Fliesen geht. Bei ihm zu Hause gingen Künstlergrößen wie Friedensreich Hundertwasser oder Gottfried Kumpf ein und aus. Sie alle waren schon in Kohfidisch auf Besuch, denn hierher hat es den Experten für „Viereckiges“ verschlagen.

Spadlinek war Berater bei Bauten wie dem Amalienbad, dem Hundertwasser-Haus oder dem unter Denkmalschutz stehenden U-Bahn Stationen von Otto Wagner in Wien. „Hier habe ich gemeinsam mit einer Architektin ein Boden-Leitsystem für Menschen mit Sehbehinderung entworfen, das natürlich auch den Denkmalschutzkriterien entsprechen musste. Da sind wir schon lang dran gesessen und ham getüfftelt“, erinnert sich der Fachmann lächelnd.

Italien entfachte seine Leidenschaft

Die Leidenschaft für ausgefallene Fliesen hat ihn bei einer Reise durch Italien gepackt. „Die Dekorfliesen der Italiener sind unübertroffen.“ Mittlerweile hat Spadlinek Lieferanten auf der ganzen Welt.

Und sollte ein Kundenwunsch nicht um die Fliese aufzutreiben sein, lässt der Experte einfach welche designen. Wie zum Beispiel von Modeschöpfer Valentino. „Nicht der Rede wert, aber die Firma, welche die Designs dann umsetzt, ist unglaublich“, sagt er, der Herr Spadlinek.

„Geld spielt für viele Kunden keine Rolle“

Als Herzensprojekt nennt er schließlich die Fliesen der Hundertwasserkirche in Bärnbach. „Das war a Gaude damals, weil der Hundertwasser war ja Atheist und der steirische Bischof wollt ihm den Auftrag deshalb nicht geben. Aber der Friedensreich hat sich nicht lumpen lassen und kurzerhand dem Papst einen Brief geschickt und der hat am Ende ja gesagt“, erinnert sich Franz Spadlinek schmunzelnd.

Leicht war die Zusammenarbeit mit Hundertwasser und andern Künstlern nicht immer. „Der wollte oft bereits verlegte Fliesen wieder ändern. Am Ende sind wir dann aber immer zam kommen - irgendwie.“ Seit 40 Jahren ist der Fliesen-Experte bereits im Geschäft und eigentlich, mit seinen 72 Jahren, schon in Pension. „Aber da wird einem ja auch fad auf Dauer.“

Spadlinek selbst ist bescheiden geblieben

Deshalb besorgt er jetzt gerade neue Fliesen für die Rauchfänge des Wiener Rathauses. „Mein Sohn führt das Unternehmen weiter und ich misch halt noch a bisserl mit“, gesteht der sympathische Unternehmer lachend. Für viele seiner Kunden spielt Geld keine Rolle. „Ein russischer Investor hat für zwei Ecken, die in einem Jugendstilhaus verfliest wurden, fast 2.000 Euro bezahlt. Da darf man gar nicht drüber nachdenken.“

Eine Welt voller berühmter Kunden, prunkvoller Gebäude, exklusiver Fliesen und ein sehr bescheidener Franz Spadlinek. Der wiederum ist in Kohfidisch zu finden.