Erstellt am 22. August 2012, 00:00

Der Süden war „Headliner“. MUSIK / Im Jahr 1977 fand im Schlosspark Kohfidisch das erste große Open Air Festival des Landes statt. 1.500 Besucher, internationale Bands und jede Menge Regen – leider.

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VON VANESSA BRUCKNER

KOHFIDISCH / Die jungen „NovaRocker“ und „Urbanen Artformatisten“ von heute geben alle Jahre wieder ihr Bestes auf den heimischen Festivals. Da wird getanzt, gefeiert, gesoffen und gerockt - so lange, bis man das eigene Zelt nicht mehr findet und die Stimmbänder aufgeben. Nun liebe Festivalgeneration: ihr macht das nicht schlecht, aber ... es gab da ein kleines Dorf, damals, hierzulande, da wurde so richtig gerockt!

In Kohfidisch fand nämlich das erste Open-Air Festival des Burgenlandes statt. Ja, richtig gelesen! In Kohfidisch. „Ich war damals 18 Jahre alt, als ein Freund und ich beschlossen, ein Jazzrock-Festival in Kohfidisch auf die Beine zu stellen“, so der heute 53-jährige Josef Bradl.

Damals, das war 1977. Und damals war ein Open-Air Festival in Kohfidisch vergleichsweise so ein Meilenstein in der Geschichte, wie der erste Star Wars Film. Bradl erzählt: „In Wiesen gab es ein Jahr davor eine ähnliche Veranstaltung, allerdings in einem Bierzelt.“

Bradl und Ebner waren damals 18 und 20 Jahre jung. Die beiden Musikbegeisterten schritten also zur Tat. Ihr erster Weg führte sie zum damaligen Baron des Schlosses in Kohfidisch. „Er stellte uns tatsächlich den Schlosspark als Location kostenlos zur Verfügung.“

Bühne wurde Hand gebaut,  Hauptact kam aus England

Ein halbes Jahr lang waren Josef Bradl und Ewald Ebner mit den Vorbereitungen beschäftigt. „Wir haben die Bühne von Hand gebaut. Vom alten Großonkel bis hin zur Freundin haben alle mitgeholfen. Es war unglaublich“, erinnert sich der gebürtige Kotezickener.

Bühne, Gelände, Licht, Elektronik, Tontechnik, Verpflegung – um alles kümmerten sich die beiden jungen Männer selbst. Kaum mehr zu glauben und heutzutage ein unmögliches Unterfangen. Die Bands aus Ländern wie England oder den Niederlanden checkte eine Wiener Agentur für die beiden.

Das 1. Open Air Festival Kohfidisch dauerte drei Tage lang. 1.500 Besucher kamen, um 30 nationale und internationale Topbands der wilden 70er im Schlosspark live zu erleben. Das Line-Up konnte sich sehen lassen. Hauptact war die Band Coloseum II aus England. Auch Opus traten in der Urbesetzung auf.

Schlechtwetter: Meterologe  mit Messstation am Festival

„Eine Woche vor Festivalbeginn informierte uns das Management von Colosseum, dass die Band nur auf einer überdachten Bühne spielt“, erzählt Josef Bradl. „Also haben wir schnell ein provisorisches Dach aus einer Plane gebastelt. Das war was. Gehalten hat sie bei dem Dreckswetter damals natürlich nicht.“

Es schüttete während des gesamten Festivals nämlich wie aus Kübeln. „Colosseum hatte gerade den Soundcheck gemacht, als die Plane riss und eine Wasserlawine auf dem Schlagzeug der Band landete. Das war?s dann mit unserem Hauptact“, erinnert sich Bradl lachend. Ein unglücklicher Zufall, der den beiden jungen Organisatoren übrigens Zehntausende von Schillingen kostete.

Das meiste Geschäft während des Festivals machten die heimischen Gasthäuser und der Nahversorger. „Die Besucher haben sich natürlich ins Trockene geflüchtet, wo es nur ging.“

Ein Jahr später wurde ein neuerlicher Versuch gestartet. „Auf Grund der Regenfälle im Jahr 1977 haben wir das Festival 1978 gegen Regen versichern lassen. Zur Kontrolle kam ein Meterologe aus Wien, baute seine Messstation auf und es regnete zum versicherten Zeitpunkt ergiebig. Leider aber um eine winzige Menge zu wenig und die Versicherung zahlte daher nicht. Pech auf allen Linien, danach war Schluss“, erzählt Bradl wehmütig.

Heute, 35 Jahre später, ist der Beamte selbstverständlich noch immer ein riesiger Musikfan. „Dem Jazzrock bin ich treu geblieben und auch wenn wir damals viel Arbeit hatten und auch noch jede Menge Geld verloren haben: ich würde es wieder tun. Den Musikbegeisterten brauche ich an dieser Stelle ja sicher nicht zu erklären, warum.“