Erstellt am 20. November 2013, 23:59

von Michael Pekovics

Die Bewertung. Neue Vorwürfe / Die Internetplattform Dossier stellt den burgenländischen Unterkünften im Österreichvergleich ein schlechtes Zeugnis aus.

 |  NOEN, © Alexandra Gruber
Von Michael Pekovics

Ein Bericht der Internetplattform Dossier stellt den burgenländischen Asylunterkünften ein schlechtes Zeugnis aus. Zwar erfüllt das Burgenland mit 721 betreuten Flüchtlingen die Länderquote, dafür gibt es aber laut Dossier die höchste Dichte an Mängeln von allen Asylquartieren.

Sechs von Österreichs „Flop Ten“ im Burgenland

Sechs der zehn schlechtesten Unterkünfte in den untersuchten Bundesländern – unter die Lupe genommen wurden das Burgenland, Niederösterreich und Salzburg – sind im Burgenland zu finden.

Das untermauert einen Bericht der Volksanwaltschaft vom Juli heurigen Jahres, in dem von „einem allgemein verwahrlosten Zustand der Unterkünfte“ und „starkem Schimmelbefall“ sowie „Ungezieferplagen“ zu lesen war. Im Südburgenland gibt es insgesamt elf Asylquartiere.

Unterkunft in Stinatz schneidet schlecht ab

Am schlechtesten soll die Unterbringung in Stinatz sein, direkt danach folgt Aschau. Ein einigermaßen gutes Zeugnis wurde den Quartieren in Rechnitz, Stuben und Kohfidisch ausgestellt. Die größten Kritikpunkte sind Schimmel, mangelhafte Verpflegung, die unregelmäßige Auszahlung des Taschengelds und der unfreundliche Umgang mit den Asylwerbern.

Die Betreiber der Unterkünfte waren entweder nicht erreichbar oder wollten gegenüber der BVZ keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgeben.

Rezar kündigte „unangemeldete Kontrollen“ an

Dafür meldet sich der zuständige Landesrat Peter Rezar (SPÖ) zu Wort: „Berichte über derartige Missstände sind für uns immer Anlass für eine genaue Überprüfung. Unabhängig davon werden die Quartiere laufend vom Ministerium und der Gewerbebehörde begutachtet und auf Probleme so schnell als möglich reagiert“, sagt Rezar und kündigt „unangemeldete Kontrollen“ an.

Die Grünen werfen Rezar trotzdem „Untätigkeit“ vor: „Schon im Juli hat die Volksanwaltschaft von gravierenden Mängeln berichtet, aber passiert ist nichts, da Land leugnet die Fakten“, ärgert sich die Grüne Landessprecherin Regina Petrik. „Es ist zynisch, jetzt nach der Veröffentlichung von verstärkten Kontrollen zu reden.“
 


DIE BESSEREN:

  • Rechnitz (Wohnheim der Diakonie) 30,5 Punkte, 28 Asylwerber
  • Stuben (Gasthaus) 26 Punkte, zehn Familien, vier alleinstehende Männer
  • Rechnitz (Gasthaus) 26 Punkte, 23 Asylwerber
  • Stinatz (Gasthaus) 26 Punkte, 25 Asylwerber
  • Kohfidisch (Gasthaus) 25 Punkte, 20 Asylwerber

DIE SCHLECHTEREN:

  • Stinatz (Gasthaus) 8 Punkte, 50 Asylwerber
  • Aschau (Gasthaus) 9 Punkte, 25 Asylwerber
  • Güssing (Gasthaus) 12,5 Punkte, 18 Asylwerber
  • Rotenturm (Mehrfamilienhaus) 12 Punkte, 16 Asylwerber
  • Kleinzicken (Gasthaus) 17,5 Punkte, 11 Asylwerber
  • Dt. Tschantschend. (Gasthaus) 17,5 Punkte, 62 Asylwerber