Erstellt am 09. November 2011, 00:00

Die Oma sollte zahlen.... BETRUG / Ein 50-jähriger Pensionsvorschussbezieher ließ das Haus, in dem er lebte, sanieren, zahlte aber kaum Rechnungen.

BEZIRK OBERWART / Der 50-Jährige lebt mit seiner Frau und vier Kindern in einem Haus im Bezirk Oberwart. 2008 begann er, Handwerksfirmen mit Umbau- und Sanierungsarbeiten zu beauftragen, doch zahlreiche Rechnungen wurden nicht bezahlt.

Schon 2009 fand daher ein Betrugsprozess gegen den Mann statt: Damals wurde er zu zwei Jahren bedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Nun stand er neuerlich vor Gericht, weil weitere Firmen ihren Schaden geltend gemacht hatten. Auch Rechtsanwaltshonorare von mehr als 7.000 Euro und die Rechnungen für eine KFZ-Reparatur, für einen Energieausweis und für eine Rechtsschutzversicherung blieben offen. Der Schaden beträgt insgesamt 51.000 Euro.

In mehreren Fällen hatten die Firmen rechtzeitig Wind von der Unzuverlässigkeit des Auftraggebers bekommen: „Ein Freund warnte mich, dass ich kein Geld sehen würde. Daher verlangte ich eine Anzahlung von 50% der Auftragsumme“, erklärte ein Elektroinstallateur, der Arbeiten um 5.000 bis 6.000 Euro hätte durchführen sollen.

Man habe darauf vertraut, dass die betagte (aber bereits demente) Schwiegermutter alles bezahlen würde, erklärte der Angeklagte vor Gericht. Sie habe schriftlich zugesagt, für alle Kosten aufkommen zu wollen.

Demente Schwiegermutter  musste ins Spital

Eine Sachwalterin kümmerte sich seit Mitte 2009 um die Angelegenheiten der betagten Frau. „Wegen unzureichender Pflege musste sie immer wieder ins Krankenhaus“, erklärte die Sachwalterin. Im Juni 2011 verstarb die unter Alzheimer leidende Seniorin.

Von den Sparbüchern, die nach Meinung des Angeklagten und seiner Gattin im Besitz der betagten Frau standen, zeigte sich keine Spur. Richterin Mag. Birgit Falb brachte in Erfahrung, dass bereits 2008 die Sparbücher aufgelöst und die Guthaben behoben wurden. Vom Pensionskonto der Schwiegermutter hob der Angeklagte Geld ab, bis die Sachwalterin das Konto sperren ließ.

Gegenüber den Handwerkern hatte der im Privatkonkurs befindliche Angeklagte immer wieder behauptet, er habe eine Erbschaft gemacht oder er habe eine Wohnung verkauft.

„Seine Schwiegermutter kann nicht mehr gewusst haben, worum es ging“, stand für Staatsanwalt Mag. Roland Koch fest.

Verteidiger Dr. Karl Baldauf plädierte auf Freispruch: „Mein Mandant ist recht einfach gestrickt. Er vertraute darauf, dass das Geld da ist.“

Der Schöffensenat sprach den Mann schuldig und verurteilte ihn wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs zu zwei Jahren Freiheitsstrafe unbedingt. „Man hat das Haus auf Kosten anderer renoviert“, erklärte Richterin Mag. Birgit Falb. Der Angeklagte bat um Bedenkzeit.