Erstellt am 27. Januar 2016, 09:55

von Elisabeth Kirchmeir

Eifersuchtsdrama: Ehefrau attackiert. 72-jähriger Pensionist ging mit dem Küchenmesser auf seine Gattin los - Staatsanwaltschaft beantragte Einweisung in Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

 |  NOEN, Erwin Wodicka

Von einem unkontrollierbaren Eifersuchtswahn überwältigt, attackierte ein 72-jähriger Pensionist am 27. September 2015 mitten in der Nacht seine Gattin.

Vorige Woche entschied ein Schöffensenat am Landesgericht Eisenstadt, dass der auch an Demenz leidende Mann zwar in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen wird, diese Einweisung wurde jedoch für die Dauer von fünf Jahren auf Bewährung nachgesehen.

Es wurde dem Pensionisten hingegen die Weisung erteilt, in ein Pflegeheim zu übersiedeln, wo er sich einer medikamentösen und psychiatrischen Therapie unterziehen muss. Bereits 1998 hatte der Angeklagte seine Gattin aus Eifersucht mit einem Gürtel gewürgt. Damals wurde bei ihm eine Wahnerkrankung festgestellt. Auf Medikamente sprach der Mann jedoch gut an, und so kam es jahrelang zu keinerlei Vorfällen.

Im Frühjahr soll er - möglicherweise aufgrund seiner Demenz - begonnen haben, seine Medikamente nur mehr unregelmäßig oder gar nicht zu nehmen. Am 27. September kam es in den frühen Morgenstunden zu einem ernsten Zwischenfall im Wohnhaus, das der Pensionist mit seiner Gattin bewohnte.

Im Schlafzimmer begann der Mann seine Frau mit den Händen zu würgen. Indem sie ihren Mann in die Hand biss und in die Geschlechtsteile trat, konnte sich die Gattin befreien. Sie flüchtete auf die Toilette, wo sie längere Zeit wartete.

Als sie die Türe einen Spalt breit öffnete, nützte der Mann diesen Moment, um die Türe ganz aufzureißen und mit einem Küchenmesser Stoßbewegungen gegen die Frau auszuführen. Der nur mit einem Nachthemd bekleideten Frau gelang es, auf den Balkon zu flüchten, wo sie vier Stunden lang ausharren musste, bis ihr die Pflegerin der Nachbarin zur Hilfe kam.

Die Einvernahme des Angeklagten erwies sich als schwierig, da der betagte Mann schwerhörig ist. Er gab jedoch zu, dass es zu einer „Rauferei“ mit seiner Frau gekommen sei.

Der psychiatrische Sachverständige erklärte, dass der Angeklagte nur für seine Frau eine Gefahr darstelle. Bei räumlicher Trennung von der Gattin sei kein Maßnahmenvollzug in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher notwendig.

Dieser Einschätzung schloss sich der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Alexander Glanz an. Der Pensionist zeigte sich mit der Übersiedlung in ein Pflegeheim einverstanden. Das Urteil ist rechtskräftig.