Erstellt am 29. Mai 2013, 00:00

Ein Körper, viel Schmuck. Ander sein / Tattoos und Piercings boomen mehr denn je. Körperkult oder Schönheitswahn? Die BVZ hat im Bezirk nachgefragt – und natürlich auch nachgeschaut.

Anders. Ein schöner Rücken kann durchaus entzücken. Der Rücken der 27-jährigen Silke tut vor allem eines: auffallen! Die junge Frau ließ sich von einem weltbekannten Künstler in Deutschland tätowieren. Foto: Vanessa  |  NOEN, Vanessa Bruckner
Von Vanessa Bruckner

BEZIRK / „Mama, wie wär`s denn, wenn wir in dem Piercing-Studio vorbeischauen? Nur mal gucken?!“

Sechzehn Jahre alt war Melissa Holzhofer, als sie diese Frage an ihre Mutter richtete. Heute, drei Jahre später, hat die Auszubildende stolze zehn „Metallstecker“ in ihrem Körper. Die meisten Piercings trägt die junge Frau im Gesicht. Ihren Chef, Marco Durai, stört Melissas Körperschmuck nicht im Geringsten. Kein Wunder, schließlich hat er ihr bereits das ein oder andere Piercing gestochen.

Durai: „Manch einer kippt dabei um“

Der 30-Jährige betreibt ein erfolgreiches Studio in Pinkafeld. „Piercings boomen gerade, wie seit ihren Anfängen in den 90ern nicht mehr“, weiß Durai, der sich über mangelndes Geschäft nicht beklagen kann. „Am beliebtesten sind sogenannte Septum Piercings, also Ringe oder Stecker, die durch das Bindegewebe unterhalb des Nasenscheidewandknorpels gestochen werden.“

Die Ausbildung zum Piercer ist intensiv. Medizinische Schulungen und Anatomie-Lehre stehen am Programm. „Jeder Körper ist anders, wichtig ist, dass man steril und hygienisch arbeitet“, so der Riedlingsdorfer. Natürlich kippt auch der ein oder andere Kunde beim Piercingstechen mal aus den Latschen. „Ich hab mich nur kurz umgedreht, da ist er auch schon umgefallen. Der Bursche hätte mir vorher sagen sollen, dass er keine Nadeln sehen kann“, erzählt Marco Durai lachend.

„Tattoos sind für mich Körperschmuck!“

Der Piercer selbst hat kaum Metall an seinem Körper. Dafür sind gut 60 Prozent seiner Haut tätowiert. „Ich habe relativ spät angefangen, im Alter von 20 Jahren. Tattoos sind für mich Körperschmuck. Es trifft sich allerdings gut, dass meine Freundin Tätowiererin ist“, erzählt Durai schmunzelnd.

Bunte Motive sind derzeit gefragt

Oberwarts Urgestein unter den Tattoo-Künstlern ist Thomas „Hissi“ Heisinger. Der 46-Jährige, der seit 1995 als Tätowierer arbeitet, weiß: „Tattoos sind nach wie vor voll im Trend, weil sie heute gesellschaftsfähiger sind als je zuvor. Bunte Motive wie Pin-Up Girls, Schriftzüge, Blumen oder Sterne sind aktuell sehr gefragt.“

Blümchen und Sterne sind wiederum so gar nicht der Fall von Silke. Die 27-Jährige fällt auf, wenn sie ins Schwimmbad geht. „Ich bin für meine Rückentätowierung extra nach Deutschland gereist. Der Tätowierer ist weltbekannt und man wartet lange auf einen Termin. Das Tattoo von Silke muss man sich schon genauer anschauen, um in dem Muster Wörter und Schriftzüge zu erkennen“, erklärt Silke im Gespräch mit der BVZ. Der gesamte Rücken der jungen Frau wurde in nur zwei Sitzungen tätowiert.

Auf die Frage hin, wie frau die Schmerzen ausgehalten hat, antwortet die 27-Jährige: „Da hilft gar nichts. Augen zu und durch.“ Dafür reißen jetzt wiederum viele ihre Augen auf, wenn sie das Kunstwerk auf ihrem Körper zum ersten Mal sehen.