Erstellt am 06. Juni 2012, 00:00

Eine Tonne Zwiebeln – und schon steht?s Haus. FEST / Vorbereitungen für das große Dorffest im September laufen bereits auf Hochtouren. Derzeit wird „Unkraut gejätet“

Grete Seper ist ein waschechtes Zwieflerweib und damit fast schon ein Unikat.  |  NOEN
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vvVON VANESSA BRUCKNER

RIEDLINGSDORF / Häuslbauer haben es nicht leicht. Manch einem trieb es dabei schon die Tränen in die Augen. In Riedlingsdorf heult deswegen zur Zeit auch so manch? Einwohner. Allerdings am Feld mit Gummistiefeln an den Beinen und Hacke in der Hand, denn das Häuschen der Zwiefler, wie die Riedlingsdorfer seit je her genannt werden, muss erst noch wachsen – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Zwieflhaus ist Attraktion  beim Fest in Riedlingsdorf

Alle zwei Jahre findet im Ort das traditionelle Zwieflerfest statt. Zentraler Mittelpunkt und Drehscheibe des bunten Treibens ist dabei das Zwieflhaus, ein sechs mal acht Meter hohes Gerüst dessen Dach und Fassade tausende Zwiebelknollen bilden. Säuberlich geflochten versteht sich, ganz so, wie es sich für die Tradition der Zwiefler eben gehört. „Gut eine Tonne der Knollen brauchen wir für das Haus. Dafür haben wir im Frühjahr auf einem Feld 100 Kilogramm Steckzwiebel gepflanzt. Natürlich mit unseren eigenen Händen“, erklärt Vizebürgermeister Wilfried Bruckner nicht ohne Stolz. Das war übrigens nicht immer so, dass die Zwiefler stolz darauf sind, welche zu sein. „Zwiefler war früher ein Schimpfwort, das ham ma net gern gehört“, erinnert sich Grete Seper und haut dabei demonstrativ das Hackl in die Erde.

Sie ist 75 Jahre alt und eine der letzten richtigen Zwieflweiber im Ort. Mit der Oma ist sie damals noch auf den Wochenmarkt mitgegangen, zu Fuß von Riedlingsdorf nach Oberwart, behangen mit schweren Zwiebelzöpfen. „Dort ham die Zwieflweiber ihre Ernte am Markt verkauft. Daher kommt auch der Name“, erklärt Frau Seper.

Alte Handwerkskunst  wird neu belebt

Gut 20 Freiwillige arbeiten in diesen Tagen auf dem Feld in Riedlingsdorf und befreien die Zwiebelknollen mit ihren Händen vom Unkraut. Ende Juli wird die Ernte dann eingebracht, danach getrocknet und kurz vor dem Dorffest zu Zöpfen geflochten. „Dank der Grete beherrschen dieses Handwerk heute auch wieder viele Leute im Ort“, freut sich der Vizehäuptling der Gemeinde und erzählt gleich weiter: „Das lernt man recht schnell, das Zwieflflechten. Glaubt man Anfangs gar nicht. Meine eigene Mutter, die glaubt mir dass übrigens bis dato noch nicht, dass ich diese HandwerksKunst mittlerweile auch beherrsche“, so Bruckner lachend.

Zöpfe werden als  Meterware verkauft

Ins Zwieflhaus ist übrigens jeder recht herzlich eingeladen der zum großen Fest am 16. September kommt. „Am End des Tages kann man die Zwieflzöpfe per Meter kaufen. Die sind echt Bio, wie das heute so schön heißt“, sagt die Frau Grete und fügt schnell hinzu: „Und plärrn muss ma da drinnen, in dem Häuserl, auch nicht vor lauter Zwiefl. Es ist nämlich eh schön luftig gebaut.“