Erstellt am 16. November 2011, 00:00

Erkinger: Chef im Libanon. EINSATZ / Oberstleutnant Thomas Erkinger kommandiert das UNIFIL-Kontingent im Libanon. 24 burgenländische Soldaten wurden am Freitag in Wien verabschiedet.

 |  NOEN
VON GABRIELE GABRIEL

REGION / Der gebürtige Steirer, Jahrgang 1966, lebt in Deutsch-Kaltenbrunn, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Nach der Matura durchlief er eine erfolgreiche Militärkarriere. Nach Übungen in Schweden und Georgiern und Einsätzen im Kosovo ist Oberstleutnant Erkinger nun der erste nationale Kontingentskommandant der UNIFIL (United Nations Intervention Force in Lebanon).

Vergangenen Freitag wurden er und seine Männer, darunter 24 Burgenländer, in der Martin-Kaserne in Eisenstadt feierlich verabschiedet. Die 154 Soldaten sollen die scheidenden dänischen Truppen ablösen. Das Kontingent stellt sechs Stabsoffiziere direkt im Hauptquartier und hat vielfältige organisatorische und logistische Aufgaben zu bewältigen. So müssen die im Südlibanon stationierten Österreicher Transporte durchführen und für den Erhalt der umfangreichen Infrastruktur sorgen. Dazu gehören unter anderem eine Werkstatt für die Instandhaltung des Fuhrparks, die Bereitstellung von Lebensmitteln, sowie die Verwaltung zweier Shops, in denen sich die Mannschaft mit diversen Bedarfsartikeln versorgen kann. Außerdem fällt die Versorgung mit Treibstoffen in ihren Aufgabenbereich.

Gründe für Einsatz im  Ausland sind vielfältig

 

Was bewegt junge Männer dazu, sich für einen Auslandseinsatz zu verpflichten? „Die Gründe dafür sind vielfältig“, erklärt Oberstleutnant Erkinger. Oft sind es rein rationelle Gründe. Für Berufssoldaten ist ein Auslandseinsatz für die Pragmatisierung vorgeschrieben. Finanzielle Erwägungen können ebenfalls eine Rolle spielen. So machen manche junge Soldaten einige Einsätze, solange sie noch ohne größere Verpflichtungen sind, um sich eine Basis für Hausbau und Familiengründung zu schaffen. Eine andere Motivation kann sein, dass das Bundesheer in Österreich außer bei Katastrophen kaum zum Einsatz kommt und daher die Auslandseinsätze die Möglichkeiten für „echte“ Militäreinsätze bieten.

Also doch auch Abenteuerlust? „Die gehört natürlich auch dazu. Und es gibt die ,Haudegen‘, die viele Einsätze machen, weil es sie kaum in der Heimat hält“, erzählt Erkinger.

Wie steht die Familie zum Einsatz des Familienvaters? „Die Entsendung eines Libanon-Kontingents wurde schon im Vorjahr debattiert. Daher war die Frage für uns nicht neu. Wir hatten genug Zeit, alles in Ruhe zu entscheiden“, antwortet Oberstleutnant Erkinger, dessen Tochter kürzlich maturiert hat. Außerdem steht täglich die Verbindung in die Heimat. Es gibt Internet, Skype und österreichisches Fernsehen. Die Truppe ist also „live“ beim heimatlichen Geschehen dabei. Das hat natürlich auch Nachteile. Wenn es zu Hause zu Problemen kommt, sind die Männer ebenfalls sofort mit allen Sorgen konfrontiert.

Angst, dass einer seiner Leute wegen solcher Probleme einknickt, hat der Kommandant aber nicht. Wie er erklärt, wird bereits bei der Vorauswahl der Soldaten darauf geachtet, dass keine größeren Belastungen existieren, die während der Abwesenheit vielleicht eskalieren könnten. „So können die Männer hier den Kopf für ihre Aufgaben frei haben. Sollte jedoch etwas Unerwartetes zu Hause passieren, kann im Notfall jeder Mann innerhalb 24 Stunden in der Heimat sein“, weiß der Kommandant der Libanon-Truppen.