Erstellt am 12. Dezember 2012, 00:00

„Es war mir zu viel!“. Finanzdesaster / Bankmitarbeiter soll Kreditanträge „geschönt“ haben. Prozess rund um Konkurs einer Immobilienfirma wieder vertagt.

Von Elisabeth Kirchmeir

BEZIRK OBERWART / Im Verfahren rund um eine in den Konkurs geschlitterte Immobilienfirma wurde vorige Woche die Befragung eines ebenfalls angeklagten Ex-Bankmitarbeiters fortgesetzt.

Dem 57-Jährigen wird vorgeworfen, als Mitarbeiter einer steirischen Bank Haushaltsrechnungen in Kreditanträgen für Immobilienankäufe geschönt zu haben, sodass auch nicht kreditwürdigen Antragstellern Geld ausbezahlt wurde.

Der Bank soll ein Schaden von 10 Millionen Euro entstanden sein.

In mehreren Fällen wurden „Zusatzeinkommen“ in das Haushaltseinkommen einberechnet, für die es keine Belege gab. „Diese Informationen kamen von den Vermittlungsberatern der Immobilienfirma“, erklärte der Ex-Bankmitarbeiter.

„Wenn ich viel am Hals hatte, sind Fehler passiert. Es war zu viel für mich“, sagte er. „Wir hatten eine Vorgabe von zehn Millionen und ich habe versucht, ein Geschäft für die Bank zu machen.“

Kredit ging sich nur mit „Zusatzeinkommen“ aus 

„Im Finanzierungsblatt, das Sie von der Immobilienfirma bekamen, stand das Zusatzeinkommen von 300 Euro nicht“, befragte Richterin Mag. Gabriele Nemeskeri den Angeklagten zu einem konkreten Kreditantrag.

„Wahrscheinlich hat man Ihnen diese Summe genannt, weil Sie gesagt haben: Es geht sich nicht aus! Den Kredit kann ich nicht bewilligen!“, vermutete sie.

„Es wurde nachgefragt: Was machen Sie privat...“, erklärte der Ex-Bankmitarbeiter. „Das macht doch kein gutes Bild: Wenn es sich nicht ausgeht, fragt man nach, ob es eventuell noch ein Einkommen gibt“, wunderte sich die Richterin.

„Das fängt dort an, wo von der Bank ein Zusatzeinkommen akzeptiert wird“, antwortete der Angeklagte. „Ich bin ja nicht der einzige, der das akzeptiert hat.“

Der Hauptangeklagte, Ex-Geschäftsführer der Immobilienfirma, wurde vorige Woche nicht befragt.

Seine Ex-Lebensgefährtin war wegen Beteiligung an der betrügerischen Krida bereits am ersten Prozesstag zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden (nicht rechtskräftig), ein ebenfalls mitangeklagter Gutachter wurde freigesprochen. Der Prozess wurde neuerlich vertagt.