Erstellt am 22. August 2012, 00:00

Feldzug gegen Ragweed. LANDWIRTSCHAFT / Mitte August beginnt die Blütezeit des gefürchteten Ragweed, welches Allergikern besonders zusetzt. Die Pflanze verursacht Kosten von 90 Mio. Euro.

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VON VANESSA BRUCKNER

BEZIRK / „Ambrosia Artemisiifolia“ – so lautet der wissenschaftliche Name jener Pflanze, die es hierzulande (leider) zu Hauf gibt. Umgangssprachlich Ragweed genannt, breitet sich das Grünzeug vermehrt auf heimischen Wiesen, Feldern und Wegränder aus. Mitte August beginnt im Burgenland die Blütezeit des gefürchteten Allergiekrauts. Unkontrolliert und demzufolge ungebeten, versteht sich. Naturschützer schlagen jetzt Alarm: „Vor allem im Süden des Landes kommt die Pflanze massenhaft auf großen Flächen vor“, erklärt Klaus Michalek, Obmann des Naturschutzbund Burgenland. Das aus Nord-Amerika stammende einjährige „Beifußblättrige Traubenkraut“ produziert im Spätsommer und Herbst große Mengen an Pollen, die zu den stärksten derzeit bekannten Allergieauslösern zählen. Diese verursachen Heuschnupfen, Ausschläge, Bindehautentzündungen und überdurchschnittlich häufig auch Asthma.

Durch Vogelfutter vom  Ausland „importiert“

„Es ist äußerst wichtig, dass man die Pflanze jetzt bekämpft“, so Michalek und wird konkret: „Am Effektivsten ist es natürlich, das Ragweed mitsamt der Wurzel zu entfernen. Kommt es in großen Mengen vor, bleibt oft nicht die Zeit dafür, aber zumindest Mähen muss man an solchen Stellen unbedingt, um eine Verbreitung der Samen zu verhindern.“

Der ungebetene Gast ist Informationen zufolge vor Jahren mit verunreinigtem Vogelfutter aus dem Osten importiert worden. „Die Problematik steigt jährlich“, sagt auch Pflanzenbau-Referent der LK Burgenland, Wolf Reheis. „Als Problemkulturen haben sich Felder auf denen Sonnenblumen, Soja oder Ölkürbis angebaut wird, herausgestellt.“

Von Kohfidisch bis Güssing:  Zuständigen bitte um Mithilfe

Kommt das Unkraut auf landwirtschaftlichen Nutzflächen vor, ist der jeweilige Bewirtschafter dafür zuständig, sich um die Bekämpfung zu kümmern. Bei Vorkommnissen auf Wegen oder Straßenrändern ist das Straßenbauamt gefragt. LR Helmut Bieler: „Der Straßenrand wird so oft gemäht, dass ein Samenansatz und damit die Vermehrung möglichst erschwert werden soll.“

Zur nachhaltigen Eindämmung des Unkrauts war das Burgenland außerdem aktiv an einem großen Forschungsprojekt der Universität für Bodenkultur beteiligt. Auf ausgewählten Grünflächen am Straßenrand wurden spezielle Düngeversuche durchgeführt. Das Mittel ist ausschließlich auf natürlich-mineralischer Basis wirksam.

Bislang hat man Ragweed in und um die Gemeinden Kohfidisch, Moschendorf, Hagensdorf, Güssing und Urbersdorf gefunden. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Zahlen der Ragweed-Allergiker verdoppelt, die Tendenz ist steigend. Allein im Gesundheitsbereich verursacht das Unkraut Schätzungen zufolge direkte Kosten (Arztbesuche, Medikamente) von österreichweit fast 90 Millionen Euro. Die Zuständigen bitten zur Bekämpfung um Hinweise aus der Bevölkerung.