Erstellt am 18. September 2013, 14:13

Finanz-Gau wegen Frau. Desaster / Aus Liebe borgte ein Kraftfahrer einer wegen Betrugs vorbestraften Frau rund 273.000 Euro und verursachte ein Finanzdesaster, das auch einen Bankbeamten schwer traf.

Von Elisabeth Kirchmeir

Desaster / Sowohl der gutgläubige 30-jährige Kraftfahrer als auch die 27-jährige einschlägig vorbestrafte Altenpflegerin wurden wegen gewerbsmäßigen schweren Betruges angeklagt, weil sie Schulden machten, obwohl sie gewusst haben mussten, dass sie das Geld nicht zurückzahlen würden können.

Der Kraftfahrer hatte die Frau im Herbst 2011 kennengelernt und eine sexuelle Beziehung mit ihr begonnen, obwohl sie mit einem anderen Mann in Lebensgemeinschaft lebte und von diesem ein Kind erwartete, das im Juni 2012 geboren wurde. Von Anfang an ging es zwischen den beiden ums Geld.

Anfangs 600, schließlich bis zu 7.000 Euro geliehen

Immer wieder bat sie ihn, ihr Geld zu leihen. Zunächst übergab er ihr nur kleine Beträge zwischen 400 bis 600 Euro. Doch schon ab November 2011 begann der Kraftfahrer, der von ihm verehrten Frau Beträge zwischen 3.000 und 7.000 Euro zu borgen.

Die Frau habe ihm erklärt, sie würde das Geld zum Begleichen von Spielschulden benötigen, und um sich private Kredithaie vom Hals zu halten.

Obwohl sie nur einmal 200 Euro zurückzahlte, übergab der Kraftfahrer bis zum 5. Juni 2012 Darlehensbeträge im Gesamtausmaß von 273.000 Euro. Zuerst plünderte er seine Ersparnisse, dann überzog er sein Bankkonto. In dieser Phase zog der Kraftfahrer auch seinen Bankkundenbetreuer mit in die Misere: Dieser zahlte in mehreren Tranchen insgesamt 173.650 an den Kraftfahrer aus, ohne dass die vorgeschriebenen Sicherheiten garantiert wurden.

Kundenbetreuer: „Zahlte weiter aus, weil er mir leid tat“

„Ich kenne ihn schon lange und zahlte weiter aus, weil er mir leid tat“, so der 59-jährige ehemalige Kundenbetreuer, der im April 2012 von der Bank entlassen worden war, als die unrechtmäßigen Auszahlungen aufgeflogen. Der Kraftfahrer habe ihm in SMS angekündigt, er werde „sich aufhängen“, er werde „von Kredithaien verfolgt“, die ihm mit dem „Abstechen“ drohten.

Die Altenpflegerin sei bei der Bank eine „unerwünschte Kundin“ gewesen, weil sie ihr Konto überzogen und nichts mehr gezahlt habe, so der frühere Bankbeamte. Den bei der Bank verursachten Schaden hat der ehemalige Kundenbetreuer aus eigener Tasche gut gemacht. Nun soll der Kraftfahrer die Schulden bei ihm abstottern - einige hundert Euro wurden bislang zurückgezahlt, 172.550 Euro sind noch offen.

Als die Bank als Geldquelle versiegte, begann der Kraftfahrer bei seinem Chef 20.000 Euro und bei seinen Arbeitskollegen weitere Geldbeträge auszuborgen. An den Chef zahlt er regelmäßig zurück, hinsichtlich dieses Betrages zog die Staatsanwältin den Vorwurf des Betruges zurück. Der Prozess wurde vertagt.