Erstellt am 27. Februar 2013, 00:00

Fliegen wie ein Vogel. World Wingsuit Race / Mitte Feber traf sich in Brasilien die Weltelite der Wingsuit-Szene. Mittendrin der Großpetersdorfer Jürgen Schieder. Mittlerweile kommt er auf über 200 Sprünge.

Hobby und Leidenschaft. Jürgen Schieder aus Großpetersdorf ist einer von circa 15 aktiven Basejumpern in Österreich. „Wir sind keine Verrückten, Sicherheit geht immer vor.“ Videos von seinen Sprüngen finden Sie auf vimeo.com unter dem Suchbegriff „Higher Playgrounds“. zVg  |  NOEN
Von Michael Pekovics

GROSSPETERSDORF, BRASILIEN /  Die einen werden sagen, die spinnen, die Typen. Und die anderen werden fasziniert und beeindruckt sein. Nämlich darüber, dass ein Mensch aus einer Höhe von einigen hundert Metern ins Leere springt, seinen Anzug (Anmerkung: Wingsuit) wie Flügel benutzt und nur einige Sekunden vor dem Aufprall seinen Fallschirm zieht.

Einer, der das schon über 200 Mal gemacht hat, ist Jürgen Schieder. Der Großpetersdorfer war Mitte Feber beim „World Wingsuit Race“ in Brasilien. Unter den knapp mehr als 40 Teilnehmern befand sich quasi die gesamte Weltelite. „Und ich habe gesehen, dass ich da mithalten kann“, sagt Schieder. Tatsächlich belegte er am Ende den 21. Rang. „Das ist aber nicht wichtig“, betont er. „Mir geht es um neue Erfahrungen und Eindrücke – schließlich ist immer ein bisschen Abenteuer dabei.“ In diese Kategorie fiel auch die Anfahrt: Nach einem einstündigen Flug in Brasilien gings zweieinhalb Stunden mit dem Auto „ins Nichts“, wie Schieder sagt.

„Die Sicherheit ist mir 

Dann wurde gesprungen, was die Beine hergaben. Denn vor einem Absprung steht der Aufstieg – und der kann bei 38 Grad mitten im Dschungel schon ziemlich heftig werden. „Jeder Sprung ist anders, ich will so viele machen, wie möglich“, beschreibt der 35-Jährige seine Motivation. Adrenalinsüchtig sei er nicht: „Auf keinen Fall. Nervös bin ich nur mehr bei einer neuen Location. Für mich gilt: Die Sicherheit ist immer am Wichtigsten. Wenn der Wind zu stark ist, dann gehe ich eben wieder runter.“ Natürlich käme es immer wieder vor, dass tödliche Unfälle passieren, aber: „Zum einen ist das Überschätzung, zum anderen haben kleine Fehler eben fatale Folgen.“

Die nächsten Basejump-Reisen führen den 35-jährigen Großpetersdorfer nach Kroatien und in die Türkei. In naher Zukunft ist auch die Teilnahme an den „world series“ geplant, die von Eurosport übertragen wird. „Klar ist das ein teures Hobby“, schmunzelt Schieder auf die Frage nach der Finanzierung, ein Anzug kostet schließlich rund 1.500 Euro. „Aber für Sponsoren wären Wingsuits eine optimale Werbefläche, weil sie so groß sind.“

Glücksgefühle. Nach dem schweißtreibenden Aufstieg (unten) folgt nach der Regenerationsphase der Sprung ins Nichts (links).