Erstellt am 11. März 2015, 08:35

von Vanessa Bruckner

Wilder Wirbel im Wald. Waldbesitzer in Riedlingsdorf klagen über Schäden, schuld ist angeblich der zu hohe Wildbestand. Landesjägerverband will Maßnahmen ergreifen.

 |  NOEN, Wodicka

„In unserem Gebiet müssen wir ein Minus von rund 40 Prozent am Baumbestand hinnehmen“, bringt es Wilhelm Zapfel vom Riedlingsdorfer Jagdausschuss auf den Punkt. Hauptverantwortlich dafür sei zu viel Wild, vorrangig Rotwild, das in den Wäldern des Gebietes Oberwart Nord lebe.

Meiste Schäden durch Wild im Burgenland

„Die Schäden durch Wildeinfluss sind enorm, junge Bäume werden von den Tieren abgefressen und können nicht wachsen“, sagt Zapfel, der selbst auch Jäger ist. Er fordert nun, wie viele andere Waldeigentümer, die zuständige Behörde auf, Maßnahmen zu ergreifen. „Es müssen dringend neue Abschussvorgaben her. Die Schusszeit für Rotwild muss verlängert und die Anzahl erhöht werden.“ Das Problem sei, so der Riedlingsdorfer, „nicht erst seit gestern bekannt, sondern schon seit vielen Jahren. Geschehen ist bislang aber wenig bis gar nichts.“

Tatsächlich zeigen die aktuellen Ergebnisse des Bundesforschungszentrum für Wald, dass das Burgenland mit 87,8 Prozent österreichweit Spitzenreiter ist, was Schäden durch Wildeinfluss betrifft.
Dabei werden die Verbisse an den verschiedenen Baumarten durch Wildtiere analysiert und ausgewertet. Die Prozentzahl für den Bezirk Oberwart beläuft sich auf ebenfalls hohe 81,7 Prozent. Landesjägermeister Peter Prieler beruhigt.

Prieler: „Maßnahmen greifen auf lange Sicht"

„Man muss die Studie langfristig betrachten, dann sieht man eine Verbesserung in vielen Bereichen. Die Zahlen für Abschlusspläne wurden bereits erhöht. Aber es dauert, bis Maßnahmen auf lange Sicht greifen. Zur Zeit des Weltkrieges wurde viel gewildert. Danach galt es, den Wildbestand zu erhöhen. Jetzt sieht die Sache wieder anders aus und wir passen die Strategien den Gegebenheiten an.“ Prieler plädiert außerdem für die Einrichtung von mehr Ruhezonen für das Wild: „Die Tiere werden nicht gestört, bewegen sich dann nicht so viel und brauchen weniger Energie, sprich Futter, um durch den Winter zu kommen. So kann man die Bäume auch schützen.“

Zapfel kontert: „Wo bitte soll man diese Ruhezonen in Zeiten von Land,- und Forstwirtschaft und Tourismus einrichten? Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das Problem mit dem Wildeinfluss ist immens umfangreich. Es fängt bei den Abschusszahlen an, geht hin zu jagdinternen Regeln und hört beim Lebensraum Wald, der für Mensch, Natur und Tier gilt, auf. Da braucht es weit mehr als eine neue Regel.“