Erstellt am 27. April 2011, 00:00

Friedhofsschänder als PC-Profi für Naziseite?. VERHAFTET / 39-jähriger Mann aus Bad Tatzmannnsdorf wird als „Mastermind“ hinter der Naziseite Alpen Donau Info vermutet.

Eine Schande. 88 Gräber wurden am jüdischen Friedhof geschändet. W.C. A. war der Täter und entzog sich vorerst seiner Strafe durch Flucht ins Ausland. Jetzt sitzt er erneut ein.ZVG/JÜDISCHES MUSEUM  |  NOEN
x  |  NOEN

VON MICHAEL PEKOVICS

BEZIRK / Die Verhaftung von Gottfried Küssel im Zuge einer Razzia im Neonazi-Milieu am 11. April betrifft auch das Burgenland, genauer den Bezirk Oberwart. Neben Küssel, er wurde schon einmal wegen neonazistischer Propaganda zu elf Jahren Haft verurteilt, wurde nämlich auch W.C. A. (Name der Redaktion bekannt) verhaftet. Der 39-jährige Mann stammt ursprünglich aus Bad Tatzmannsdorf, nach einer Hausdurchsuchung wurde er am 11. April im fünften Wiener Gemeindebezirk verhaftet. Insgesamt wurden sechs Wohnungen und Häuser in Wien und der Steiermark von der Polizei durchsucht. Dabei wurden Unterlagen, Computer, Datenträger, Waffen und NS-Devotionalien beschlagnahmt.

A. wird von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, das Computerhirn hinter der rechtsradikalen Homepage Alpen Donau Info zu sein. Die Seite wurde Ende März auf Betreiben der Justiz in Zusammenarbeit mit Kollegen aus den U.S.A. vom Netz genommen – pünktlich zum Geburtstag von Adolf Hitler (20. April) ging die Homepage aber wieder online. Deswegen vermutet die Staatsanwaltschaft, dass mit Gottfried Küssel und A. nicht alle Betreiber der Homepage verhaftet wurden.

A. wurde wegen Schändung  von Friedhof verurteilt

Der 39-jährige Burgenländer ist sowohl in der Szene als auch bei der Justiz kein Unbekannter. Vor 19 Jahren – in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober 1992 – schändete er gemeinsam mit einem Komplizen – beide waren Mitglieder des Rings Freiheitlicher Jugend – genau 88 Grabsteine am jüdischen Friedhof in Eisenstadt. „88“ gilt als Nazicode und steht für „Heil Hitler“ (Anmerkung: „H“ ist der achte Buchstabe im Alphabet). Damals flüchtete A. nach Südafrika, wo er eine neonazistische Homepage betrieb, er wurde per internationalem Haftbefehl gesucht. A. kehrte erst im Jahr 2003 nach Österreich zurück, und auch nur deswegen, weil ihm damals Justizminister Dietmar Böhmdorfer (FPÖ) freies Geleit und eine geringe Kaution zugesichert hatte.

Am 15. Juni 2004 wurde der heute 39-jährige Bad Tatzmannsdorfer zu vier Jahren Haft verurteilt, die dann auf drei Jahre verringert wurde. Nun steht er unter dem Verdacht, mit der Homepage Alpen Donau Info Verhetzung und Wiederbetätigung nach dem Verbotsgesetz betrieben zu haben.

Wehrsportübungen im  Osten Ungarns?

A. gilt in rechtsradikalen Kreisen schon länger als Computerspezialist. Gottfried Küssel kennt er noch aus Zeiten der „Volkstreuen außerparlamentarischen Opposition“ (Vapo). Anfang der 90er Jahre war er Betreiber des einzigen Knoten des rechtsradikalen „Thule“-Netzwerks in Österreich, unter dem Pseudonym „Arisk“ verschickte er Anleitungen zum Bau von Bomben. Laut „Die Presse“ hatte sich A. zuletzt verstärkt mit ungarischen Rechtsextremen zusammengetan. Es soll auch Hinweise darauf geben, dass es zu Wehrsportübungen im ungarisch-ukrainischen Grenzgebiet gekommen sein soll.